Smartphones und Tablets mit Android Betriebssystem

Bank warnt vor erheblichem Produktionsrückgang 2019 Credit Suisse: Smartphone-Markt bricht ein

Stand: 22.01.2019, 11:09 Uhr

Im ersten Quartal 2019 wird die weltweite Produktion von Smartphones offenbar auf den tiefsten Stand seit über fünf Jahren fallen. Davor warnt zumindest die Schweizer Großbank Credit Suisse. Retten können sich die Hersteller nur über einen Weg: Investitionen.

Anfang des Jahres erschütterte der Tech-Riese Apple die Märkte mit einer Umsatzwarnung, wonach im wichtigen Weihnachtsgeschäft weniger iPhones verkauft wurden - besonders in China, dem drittgrößten Markt für Apple.

Die Aktie des iPhone-Herstellers aus Kalifornien brach daraufhin um fast zehn Prozent ein. Es war der schlechteste Handelstag für den Technologiekonzern seit 2013. Medienberichten zufolge stellt Apple nun weniger Mitarbeiter ein und streicht seine Produktionspläne für drei neue iPhone-Modelle. Für den Zeitraum Januar bis März 2019 werde das eigentlich vorgesehene Volumen um rund zehn Prozent gekürzt.

Auch Samsung, der Marktführer im Smartphone-Wettbewerb, musste zuletzt der schwächeren Nachfrage mit einer eingetrübten Gewinnerwartung Tribut zollen.

Produktion von Smartphones im freien Fall

In einer Mitteilung wies die Credit Suisse ihre Kunden vor kurzem auf diese negative Entwicklung hin. Die Produktion von Smartphones befinde sich im freien Fall und ein Ende sei vorerst nicht in Sicht.

Credit Suisse

Credit Suisse. | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Bereits im vergangenen Jahr sei die Erzeugung neuer Handys um sieben Prozent geschrumpft, schreiben die Analysten des Schweizer Geldhauses. Das sei schon das fünfte Jahr in Folge mit einem Rückgang. Die Credit Suisse korrigierte ihre Prognose für die Smartphone-Produktion für die letzten drei Monate des Jahres 2018 nach unten und rechnet im Quartalsvergleich mit einem Minus von drei Prozent.

2019 gehe das dramatisch weiter. Allein im ersten Quartal geht die Anzahl neuer Smartphones laut der Bank um satte 19 Prozent auf 289 Millionen zurück. Das wäre nach Angaben der "Handelszeitung" der tiefste Stand seit 2013. 

Sättigung in China erreicht

Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Was sorgt für diesen rasanten Einbruch auf dem Smartphone-Markt? "Ein Großteil der Rückgänge ist auf den außergewöhnlich schwachen chinesischen Markt zurückzuführen", betont die Credit Suisse. In China sei eine Sättigung des Marktes erreicht. Apple-Konzernchef Tim Cook schlug in die gleiche Kerbe. Apple habe die allgemeine wirtschaftliche Abschwächung in dem Land und ihre Folgen unterschätzt.

Die Marktkonsolidierung finde vor allem zugunsten der heimischen Marken Huawei und Oppo statt, schreiben die Analysten. Diese hätten einfach ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Credit Suisse erwartet einen Rückgang der weltweiten iPhone-Verkäufe von rund zehn Prozent.

Auch wenn Cook offenbar versucht, die Schuld vor allem auf den Handelsstreit zwischen den USA und China zu schieben, sehen viele Experten eher andere Gründe für die schlechten Zahlen. Die Lieferkette für Komponenten des iPhones verlaufe seit einigen Monaten "schleppend". Bis zur Markteinführung von neuen Modellen im Herbst dieses Jahres ändere sich das kaum, meinen auch die Analysten der Credit Suisse.

Nutzer halten länger am alten Gerät fest

Credit Suisse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Den Tech-Firmen falle es außerdem zunehmend schwer, Kunden von einem Upgrade oder dem Kauf eines neuen Smartphones zu überzeugen. Zahlreiche Konsumenten geben sich demnach mit einem älteren Smartphone zufrieden, weil die Unterschiede zu den Vorgängermodellen sehr gering ausfallen, so die Schweizer.

Die Preise für die Geräte steigen währenddessen allerdings immer weiter. Der durchschnittliche Verkaufspreis von Smartphones in Deutschland ist allein im ersten Halbjahr 2018 nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) um vier Prozent gestiegen. Viele Menschen kauften auch deshalb kein neues Smartphone, wenn das alte noch problemlos funktioniere.

Daher können nur Investitionen die Smartphones aus der Krise führen. Die Credit Suisse setzt dabei ihre Hoffnung in die Multi-Kamera-Upgrades oder die Einführung von faltbaren Smartphones, die Samsung im November vorgestellt hatte. Apple arbeite weiter an 3D-Kameras für das iPhone.

tb