Neufahrzeuge stehen zur Verschiffung auf dem VW-Autoterminal bereit

Studie erwartet "knallharte Auslese" Corona krempelt die Autoindustrie um

Stand: 16.06.2020, 10:53 Uhr

Rückkehr zur Normalität und Vor-Corona-Zeit? Das wird es auch für die Autoindustrie wohl nicht geben. Auf einen dramatischen Absatz werden Jahre der Neuausrichtung folgen. Und dabei wird es zwischen den Herstellern zu einem gnadenlosen Verdrängungs-Wettbewerb kommen, so eine aktuelle Studie.

"Als wäre ein Markt von der Größe Europas über Nacht verschwunden", heißt es in der Studie der Unternehmensberatung AlixPartners mit Blick auf den Absatzeinbruch , der in der Autoindustrie für das laufende "Corona-Jahr" zu erwarten ist. Die weltweiten Verkaufszahlen dürften dieses Jahr um 20 Millionen unter denen des Vorjahres liegen.

Mit einem Einbruch von 21 auf 14 Millionen verkaufte Fahrzeuge habe Europa den stärksten Einbruch zu verkraften. Das Vorkrisenniveau dürfte hier erst in fünf Jahren wieder erreicht werden.

Wer überlebt Corona?

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Aber damit noch nicht genug. Der tiefgreifende Wandel, der in der Branche ohnehin ansteht, wird sich in einer harten Auslese eher beschleunigen. Die Corona-Krise wird laut AlixPartners zu Übernahmen und einer knallharten Auslese führen. Ein "Darwinismus" werde in der Autoindustrie Einzug halten. "Nur die finanz- und innovationsstarken Hersteller und Zulieferer überstehen die bevorstehende Marktbereinigung." Eine Reduzierung auf bis zu zehn größere Autohersteller sei möglich. Dabei sei der US-Elektroauto-Hersteller "mit Tesla auf dem Weg in diese Gruppe".

Für die deutschen Autobauer gibt die Studie leichte Entwarnung. Sie dürften zu den Überlebenden gehören, so Elmar Kades, Leiter der Autosparte bei AlixPartners, der Deutschen Presseagentur: "Bei der Elektrifizierung und der Software gibt es zwar heftige Geburtswehen, aber sie sind stark genug, es zu schaffen."

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Gewinne branchenweit Fehlanzeige

Die Renditen seien wegen der Investitionen in neue Technologien schon seit Jahren im Sinkflug. Die Corona-Krise wirke nun wie ein Brandbeschleuniger. "Die Autobranche insgesamt wird dieses Jahr wohl keine Gewinne erwirtschaften", sagte Kades.

Auch das Thema der CO2-Reduzierungen bekommt durch Corona eine neue Brisanz für die Hersteller. Nach aktuellem Stand dürften die meisten Hersteller die CO2-Ziele für 2021 verfehlen, Strafzahlungen drohten. Die bis 2024 angekündigten Investitionen in Elektromobilität in Höhe von 234 Milliarden Dollar dürften angesichts der Umsatzeinbrüche deutlich reduziert werden. "Jetzt ist die Zeit, alles infrage zu stellen", die Modellvielfalt zu reduzieren und die Transformation zu beschleunigen, sagte Kades.

Der Anteil von E-Autos wird sich weiter erhöhen. Laut der Studie wird er 2025 weltweit zwölf Prozent betragen: In Europa soll er 20 Prozent erreichen, in China 18 und in den USA acht Prozent.

AB