Eine Frau mit mehreren Einkaufstüten

Rabattschlachten Corona: Einzelhändler suchen Lösungen

Stand: 27.03.2020, 15:53 Uhr

Vor Supermärkten und Drogerien bilden sich Schlangen. Doch die Bekleidungs- oder Sportgeschäfte sind in diesen Tagen leer. Die schwer getroffenen Einzelhändler müssen auch im Online-Handel die Preise drastisch senken.

Mitarbeiter in Läden wie Rossmann und dm oder in Supermärkten arbeiten während der Corona-Pandemie am Limit. Hamsterkäufe stellten die Unternehmen auf eine harte Probe. Teilweise werden Rabattaktionen und Werbeaktionen zurückgefahren, um den Massenansturm zu bremsen.

Die Verbraucher achten Experten zufolge weniger auf die Preise und treiben somit die Umsätze nach oben. In vielen Städten wurden ein bedarfsgerechter Einkauf und Einlasskontrollen vorgeschrieben. Auch für Anbieter von Sportgeräten, Spielzeug oder Gartenartikel läuft es noch rund.

Für andere Händler sieht das Bild ganz anders aus. Sportartikelhersteller, Schuhketten, Klamottengeschäfte haben Existenzprobleme. Die Innenstädte sind wie leergefegt. Die Läden müssen geschlossen bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Unternehmen zahlen keine Mieten mehr

Viele Firmen wie Adidas oder H&M zahlen für ihre geschlossenen Shops von April an keine Miete mehr. "Wir gehen davon aus, dass viele Mieter von der Möglichkeit von Mietaussetzungen Gebrauch machen werden und müssen", sagte ein Sprecher des Hamburger Shoppingcenter-Investors Deutsche Euroshop am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch der Handelsverband Deutschland warnt davor, dass den Einzelhändlern schon bald das Geld ausgehen könnte. "Wir begrüßen die geplanten Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, aber wir sehen weiterhin die Gefahr, dass die Kreditbewilligung durch die Banken zu lange dauert", sagte Geschäftsführer Stefan Genth dem "Spiegel". Es drohe eine Pleitewelle in deutschen Innenstädten - schon innerhalb der nächsten vier Wochen.

Probleme haben besonders Modeunternehmen. Sie bleiben auf ihren Winter- und Frühjahrskollektionen sitzen. Sollten die Geschäfte nach der Krise wieder öffnen, sind diese Waren wohl wertlos. Dabei wird ein Teil der neuen Herbst-Winter-Saison bereits ausgeliefert.

Auch im Online-Handel läuft es schleppend

Selbst im Online-Handel halten sich die Kunden aktuell zurück. Im Homeoffice ist das Thema Mode zweitrangig. Die Nachfrage ist gering. Bei Textilien seien die Online-Umsätze bereits um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen, so Genth. Laut einer Umfrage der Kantar-Marktforscher merkt schon ein Fünftel der Deutschen die Krise beim eigenen Geld.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, bieten Adidas und Nike Shirts, Shorts und Sneaker deshalb für die Hälfte des ursprünglichen Preises an. Nike hatte in dieser Woche eigentlich noch starke Zahlen vorgelegt. H&M wirbt mit bis zu 70 Prozent Vergünstigung, C&A mit 49 Prozent.

Doch diese Rabattschlacht ist umstritten. Immerhin drücken die Konzerne damit die Preise nach unten und nehmen weniger ein. Andererseits wollen sie den Online-Handel in Corona-Zeiten attraktiv halten - eine klassische Zwickmühle.

tb