Chips auf Platine

TI schockt mit trübem Ausblick Chipindustrie: Wenn eine ganze Branche auf Talfahrt geht

Stand: 24.10.2018, 15:30 Uhr

Ein verhaltener Ausblick und schwache Umsatzzahlen der Chiphersteller Texas Instruments und STMicroelectronics haben die gesamten Technologiewerte erneut in Mitleidenschaft gezogen. Die Blicke der Anleger richten sich nun auf Intel.

Laut dem französisch-italienischen Chiphersteller STMicroelectronics wird das Wachstum im Schlussquartal wohl nicht mehr ganz so stark ausfallen wie zuletzt. Am Vorabend hatte bereits der US-Chipkonzern Texas Instruments (TI) die Aktionäre mit einem überraschend zurückhaltenden Blick auf das laufende Quartal schockiert.

Der Anbieter, dessen Halbleiter von der Autoindustrie bis zur Verbraucherelektronik eingesetzt werden, enttäuschte mit Erlösen von 4,26 Milliarden Dollar im dritten Quartal und mit seinem Ausblick auf die letzten drei Monate 2018. Die Nachfrage habe sich über alle Märkte hinweg abgeschwächt, sagte Firmenchef Rich Templeton.

Ein erneuter Schlag gegen das Halbleitersegment

Texas-Instruments-Titel fallen im vorbörslichen US-Handel um 7,2 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 93,02 Dollar. "Ein erneuter Schlag für das Halbleitersegment", sagte ein Händler. "Der Trend im Sektor bleibt negativ mit Bewertungen, die ihre Höchststände erreicht haben."

Für STMicro geht es heute trotz eines Umsatz- und Ergebnisplus im dritten Quartal bis zu zehn Prozent bergab. Damit steuern die Papiere des Unternehmens auf den größten Tagesverlust seit dreieinhalb Jahren zu. Da hilft auch nicht, dass der Chef des Apple- und Tesla-Lieferanten zuversichtlich für das Gesamtjahr ist. Der Umsatz soll demnach um rund 16 Prozent zulegen.

Im Sog von Texas

Im Sog von Texas Instruments fallen die Titel des Apple-Zulieferers AMS zeitweise um fast 15 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief. Bereits gestern hatte das Papier den zweitgrößten Kurssturz in der Firmengeschichte erlebt.

Auch die Aktien des Münchner Infineon-Konzerns können sich dem Sog nicht entziehen. Sie haben seit ihrem Jahreshoch im Mai gut ein Drittel ihres Wertes verloren. Genaue Zahlen will das Unternehmen am 12. November vorlegen. Noch schlimmer ergeht es dem Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor. Dessen Aktie schmolz im Jahresvergleich auf die Hälfte zusammen.

Begrenzte Vorhersagbarkeit

Auch die Aktie des im MDax notierten Wafer-Herstellers Siltronic ist mächtig unter Druck geraten. Heute leidet das Papier unter einer Studie der Credit Suisse. Die Schweizer Bank hat Siltronic von "Outperform" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 190 auf 106 Euro gesenkt. Eine sinkende Nachfrage nach den Vorprodukten für die Halbleiterindustrie einerseits bei rasch zunehmenden Fertigungskapazitäten andererseits lässt den Analysten Achal Sultania erheblich vorsichtiger werden.

Siltronic: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,68
Differenz relativ
-1,54%

Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux ist ebenfalls skeptisch geworden und meint, die Vorhersagbarkeit im Halbleiterzyklus sei derzeit begrenzt. Barclays-Analyst Blayne Curtis zufolge hängen die jüngsten Gewinnwarnungen allerdings nicht nur an einer insgesamt nachlassenden Nachfrage, sondern haben auch unternehmensspezifische Gründe. So lenke Texas Instruments den Fokus allmählich stärker von den Segmenten Personal Electronics und Embedded Communications weg in Richtung Industrie- und Autogeschäft. Dieser Wechsel dürfte die jüngste Abschwächung noch verschärft haben, glaubt der Experte.

Hoffnung beruht auf Intel

Doch es gibt auch Hoffnung. Wenn die Nummer eins der Branche, Intel, morgen Abend ihre Bilanz vorlegt, könnte es eine Überraschung geben. Intel dürfte das einzige Unternehmen aus dem Halbleitersektor sein, das die Prognosen im Oktober oder November erhöhen könnte, begründete Nomura-Analyst Romit Shah seine kürzlich ausgesprochene Kaufempfehlung.

Trotzdem sind sich die meisten Experten darin einig, dass die zunehmende Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten in der Chipbranche auf eine Abkühlung der allgemeinen Weltkonjunktur hinweise. Die Branche gilt als Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

lg