Ferdinand Dudenhöffer

Interview "China wird die Standards setzen"

Stand: 25.07.2018, 15:43 Uhr

Noch liegen das Silicon Valley, die deutsche Auto-Branche und China eng beieinander, sagt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Aber langfristig werde China das Wettrennen um die Standards der Mobilitätszukunft für sich entscheiden.

boerse.ard.de: Herr Prof. Dudenhöffer, das Rennen um den Mobilitätsstandards der Zukunft läuft. Wer ist denn noch im Rennen?

Ferdinand Dudenhöffer: In absehbarer Zeit werden wir drei wichtige Anbieter im Rennen um den Mobilitätsstandard der Zukunft haben. Der erste große Player ist Alphabet, die Google-Muttergesellschaft. Der Alphabet-Tochter Waymo geht es weniger um die Reduzierung der Verkehrstoten und den Transport, sondern um die möglichen Gewinne aus Daten und dem Internetgeschäft. Wenn Alphabet hier einen Standard setzen kann, wäre Waymo eine großartige Cash-Cow. Die zweite Front bilden die deutschen Automobilhersteller und -zulieferer. Und dann gibt es noch China und die ambitionierten Pläne von Staatschef Xi Jinping. Er hat den Anspruch: China zum Marktführer beim autonomen Fahren zu machen.

boerse.ard.de: Gehen wir die Rennteilnehmer einmal durch. Man hört viel zum Thema aus dem Silicon Valley. Wie stark sind die US-Amerikaner wirklich?

Dudenhöffer: Es gibt das Silicon Valley und es gibt den Rest der USA. Das Silicon Valley ist noch sehr stark im Bereich dieser Technologie. Aber langsam verlagert sich die Technologie von dort nach China. Für den Rest von Amerika ist die Zeit bereits vorbei. Wie Amerika im Rest des Landes denkt, sieht man ja am US-Präsidenten.

boerse.ard.de: Wo stehen Deutschland und die heimische Auto-Branche?

Dudenhöffer: In Deutschland sind wir Lichtjahre entfernt von idealen Bedingungen für das autonome und vernetzte Fahren. Und in der EU ist die EU-Kommission die größte Fortschrittsbremse, die man sich vorstellen kann. Aber die deutschen Autobauer haben sehr großes Potenzial und die Chance, den Mobilitätsstandard mitzugestalten. Deswegen ist es wichtig, dass wir mit den Chinesen kooperieren.

boerse.ard.de: Also läuft alles auf China hinaus?

Dudenhöffer: China hat einen sehr großen Markt. Und fast ein Drittel des Automobilmarktes macht China-Geschäft aus. Hier gibt es mehrere große Unternehmen, die das autonome und vernetzte Fahren nach vorne bringen wollen. Das sind zu nennen Alibaba von jack Ma, das Telekommunikationsunternehmen Tencent oder auch Huawei. Die Chinesen lieben Technologie und gehen mit einer hohen Geschwindigkeit voran - auch weil es starke, vom Staat vorgegebene Ziele gibt. Die Chance ist deswegen groß, dass die Standards in der Zukunftsmobilität von China ausgehen.

Prof. Ferdinand Dudenhöffer ist Ökonom und Verkehrswissenschaftler. Er ist Gründer und Direktor des CAR - Center Automotive Resarch an der Universität Duisburg-Essen.

Video

E-Auto und Diesel – Crashtest für Deutschlands Branche Nummer 1

Das Interview führte Marcus Pfeiffer.