Cannabisblatt

Kurse brechen ein Cannabis-Aktien: Der Hype ist erstmal vorbei

Stand: 18.09.2019, 15:31 Uhr

Wie berauscht stürzten sich noch im Frühjahr die Anleger auf Cannabis-Aktien. Sechs Monate später jagt eine Hiobsbotschaft die nächste, die Kurse brechen reihenweise ein. Jüngstes Beispiel ist CannTrust.

Die Aktien des kanadischen Cannabis-Anbieters brachen am Mittwoch vorbörslich um vierzehn Prozent ein. Dabei war das Papier seit dem Hoch Ende März bei 13,45 kanadischen Dollar bereits auf 2,00 Dollar eingebrochen. Und nun das.

Die kanadische Gesundheitsbehörde hat CannTrust die Produktion und den Verkauf untersagt. Das Unternehmen habe im Werk Vaughan im Bundesstaat Ontario Vorschriften missachtet. Die Aufseher monierten unter anderem fehlende Genehmigungen für Lagerräume und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen.

Reihenweise Kurseinbrüche

CannTrust akzeptierte nach eigenen Angaben die Mängelliste und versprach Abhilfe. Bereits vergangenen Monat musste CannTrust den Verkauf sämtlicher Produkte vorübergehend stoppen, weil Ermittlungen der Behörden zufolge ein Teil des verarbeiteten Marihuanas von nicht lizenzierten Anbietern stammt.

Damit gehört CannTrust zu einer langen Reihe negativer Meldungen aus der Branche. Zuvor hatte es den ebenfalls in Kanada ansässigen Produzenten Aurora Cannabis erwischt. Das Unternehmen aus Edmonton hatte in der vergangenen Woche mit seinen Quartalszahlen die Analysten enttäuscht und war sowohl beim Umsatz als auch der Gewinnentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Auch Produzent Tilray betroffen

Die Aktie setzte daraufhin ihre Talfahrt fort und fiel auf 5,27 US-Dollar, Ende März war sie noch fast 10 Dollar wert. Ähnlich hart hat es auch die anderen börsennotierten Cannabis-Aktien getroffen, sei es Canopy, dessen Kurs sich seit April halbierte. Produzenten wie Tilray mussten gar einen Absturz von 70 US-Dollar auf 30 Dollar hinnehmen.

Im Vorjahr war das Papier innerhalb von drei Monaten um satte 400 Prozent in die Höhe geschossen. Nun ist die Sorge groß, dass die Cannabis-Aktien offenbar zu heiß gelaufen sind und der Hype bereits vorbei sein könnte.

Analysten machen Hoffnung

Doch so einfach ist das nicht. Analysten haben von Anfang an vor hohen Schwankungen gewarnt und betont, dass Cannabis-Aktien nichts für Anleger mit schwachen Nerven sind. Walter Vorhauser, Experte bei der Oddo Seydler-Bank, verglich die Cannabis-Branche mit den Anfängen der Biotechnologie. Auch in dieser Branche gebe es eine hohe Volatilität, die Schwankungen der Aktienkurse seien enorm, immer zwischen Hoffen und Bangen.

Aber das Cannabis-Geschäft sei auf dem Weg, groß zu werden, so der Experte. Durch die zunehmende Legalisierung wüchsen Investitionen in Forschung, Anbau, Verarbeitung und Vertrieb. Gleichzeitig würden viele neue Unternehmen gegründet, von denen nicht jedes auf Dauer überleben werde. Deshalb seien Investitionen in den Sektor mit großen Unsicherheiten und Risiken verbunden.

"Ideale Kaufgelegenheit"?

Auch Matthew McCall vom US-Anlageberater Penn Financial erwartet, dass die Umsätze in der Cannabis-Branche weiter zunehmen. Davon dürfte besonders die Beteiligungsgesellschaft Acreage Holdings profitieren, die Anbau- und Vertriebslizenzen hält. Insgesamt stellten die niedrigen Kurse vieler Cannabis-Aktien laut McCall derzeit eine ideale Kaufgelegenheit dar.

Im Oktober letzten Jahres hatten die Cannabis-Anbieter mit der kompletten Freigabe von Marihuana in Kanada einen enormen Schub bekommen. Hinzu kommt die wachsende Zahl von Cannabis-Legalisierungen in den USA - in 30 Bundesstaaten ist der Konsum zu medizinischen Zwecken bereits erlaubt.

Nun hoffen viele Marktteilnehmer auf weitere Marktöffnungen. So will Kanada am 17. Oktober auch den Verkauf alkoholfreier Getränke und Lebensmittel erlauben, die Cannabis enthalten.

lg