Zu Hause trinken reicht nicht Brauereien sitzen auf dem Trockenen

Stand: 08.04.2020, 10:47 Uhr

Restaurants geschlossen, Kneipen dicht. Europameisterschaft wird verschoben, kein Public Viewing und auch die Bundesliga pausiert. Die Auswirkungen spüren auch die Brauereien.

Bedienung trägt volle Maßkrüge in einem Oktoberfest-Bierzelt

Hoher Bierabsatz zum Frühlingsfest? Fehlanzeige. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vor allem kleinen Brauereien macht die Pandemie derzeit stark zu schaffen. Brauereien, die ihr Bier nicht in Flaschen in den Supermarktregalen anbieten. Aber auch für die großen deutschen Bierbrauer sind die Auswirkungen des Virus spürbar. Kneipen, Restaurants, Biergärten und kulturelle Veranstaltungen seien extrem wichtige Absatzkanäle, sagt Uwe Gelmich, Geschäftsführer der Radeberger-Tochter Hövels und der Dortmunder Brauereien. "Das spüren wir auch bei Hövels deutlich." Man berate noch, ob staatliche Hilfen eine Lösung sein könnten.

Internationale Konzerne leiden

Unter schwindenden Umsätzen leiden auch die großen, internationalen Brauerei-Konzerne. Die meisten Aktien verzeichnen deutliche Kursverluste.

Die Aktie des Weltmarktführers Anheuser-Busch Inbev verlor innerhalb der vergangenen drei Monate rund 40 Prozent. Der Tiefstwert lag bei gut 31 Euro, ähnlich tief notierte die Aktie zuletzt 2009. Zu Anheuser-Busch gehören Marken wie Hasseröder oder Beck’s.

Auch Heineken, zu dem die deutsche Brauerei Paulaner gehört, musste Kursverluste hinnehmen. Nach einem starken vergangenen Jahr verzeichnete die Heineken-Aktie im Februar noch ein Rekordhoch von rund 104 Euro. Danach ging’s deutlich bergab. Innerhalb von drei Monaten verlor der Titel rund 26 Prozent an Wert.

Der dänische Brauerei-Konzern Carlsberg bekommt die Auswirkungen des Virus ebenfalls zu spüren. Minus 21 Prozent in den vergangenen drei Monaten. Seit dem Tief am 19. März ging es für den Titel aber schon wieder deutlich aufwärts.

Die Aktie des weltweit drittgrößten Bierbrauers China Resources Beer kam mit einem Kursverlust von rund elf Prozent in den vergangenen drei Monaten vergleichsweise glimpflich davon.

Die Aktie der US-Brauereigruppe Molson Coors setzte den jahrelangen Negativtrend fort. In den vergangenen drei Monaten trotzte das Papier der Krise und verlor nur rund zwei Prozent ihres Wertes. Zuletzt war es sogar wieder gut gefragt.

Arbeitsplätze bedroht

Der Deutsche Brauer-Bund hat jüngst eine Befragung unter seinen Mitgliedern gestartet. 87 Prozent der Betriebe rechnen demnach damit, dass sie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, 18 Prozent gehen sogar von Entlassungen aus. Dass die Krise Umsatzlöcher reißen wird, darüber sind sich fast 100 Prozent der Brauereien einig.

ms/dpa-AFX

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Die weltgrößten Bierbrauer Von AB InBev bis Molson Coors

AB InBev-Bierdosen mit Budweiser-Schriftzug

Anheuser-Busch InBev
Angeführt wird die Liste der weltgrößten Brauereien von Anheuser-Busch InBev. Fast jedes dritte weltweit verkaufte Bier stammt mittlerweile aus dem belgisch-brasilianisch-amerikanischen Konzern. Das Unternehmen besitzt über 200 Marken wie Budweiser, Beck's oder Hasseröder. 2003 übernahm InBev die Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Der letzte große Coup war im Oktober 2015 die Übernahme der weltweiten Nummer 2 SABMiller für fast 100 Milliarden Euro.