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Hände tippen auf Schlüsselsymbole

Bitcoin-Technologie soll Transaktionen erleichtern Blockchain, die nächste Finanzrevolution?

Stand: 16.10.2015, 16:20 Uhr

Noch ist sie ein Thema vor allem für Technik-Freaks und Denkfabriken. Doch die Technologie, die hinter den Bitcoin-Transaktionen steckt, könnte die Finanzindustrie in den kommenden Jahren auf den Kopf stellen.

Unter der Oberfläche rumort es, in den Bankentürmen hat man die neue Gefahr inzwischen längst erkannt. Nicht die künstliche "Krypto"-Währung Bitcoin ist es, die die Vordenker in der Finanzbranche derzeit umtreibt, sondern die Technik, mit der die Schaffung und die Transaktionen der Bitcoins erst möglich geworden sind.

Großbanken forschen fieberhaft

Die Blockchain wird von den einen als Heilsbringer bezeichnet, andere halten sie für Science Fiction. Dass das Thema eine ernste Bedrohung der arrivierten Finanzinstitute werden kann, zeigt eine seltene Kooperation in der Branche: Vor vier Wochen haben sich neun internationale Großbanken, darunter die US-Größe JPMorgan, die Schweizer UBS und die britische Royal Bank of Scotland verbündet, mit einem Ziel: Die Erforschung der Blockchain. Die Konzerne haben sich dazu mit dem Start-up R3 zusammengeschlossen. Dessen Chef David Rutter vergleicht das Potenzial der Blockchain für den Finanzsektor mit dem des Internets für die Medienwelt. BNP-Analyst Johann Palychata vergleicht die Blockchain mit der Erfindung der Dampfmaschine.

Mitte Mai hat sogar der europäische Bankenverband EBA empfohlen, die Blockchain auf ihr Potenzial abzuklopfen. So könnten Transaktionen schneller sowie billiger werden und es könnten innovative Dienste entstehen.

Transaktionen ohne Banken

Die Blockchain ist, wie der Name schon sagt, eine Serie von Datenblocks, die aneinder"gekettet" sind. Über einen sogenannten "Hash", werden die Blocks miteinander verbunden. Sie lagern in einer gigantischen Datenbank und enthalten Informationen über Transaktionen (siehe unsere Grafik). Das sind in der Bitcoin-Welt etwa die Zahlungen, die zwischen zwei Vertragspartnern in der künstlichen Währung abgewickelt werden. Der Clou bei der Blockchain ist: Die Transaktion findet zwischen den beiden Partnern "peer-to-peer" ohne "Vermittlungsinstanz" statt, also ohne einen Zahlungsabwickler wie eine Bank. Für die Identifizierung der beiden Partner in einem Geschäft sorgt die Blockchain selbst. Beide Handelspartner erhalten Datenschlüssel zur sicheren Identifizierung. Darüber bleibt auch die Anonymität in einer an sich öffentlichen Datenumgebung gewahrt. Wie die Blockchain technisch genau funktioniert, können Sie in einem Hintergrund beim IT-Portal Golem lesen.

Blockchain-Schema

Blockchain-Schema. | Bildquelle: Stanford University

Wenn Verträge "smart" werden

Die Technik eines solchen "zentralen Kassenbuchs" lässt sich prinzipiell auf alle denkbaren Transaktionen oder auch Verträge ausweiten. Nicht nur der schlichte Zahlungsverkehr könnte sich in einigen Jahren so abwickeln lassen. Auch der Handel von Wertpapieren ist mit der Blockchain-Technik "peer-to-peer" möglich. So genannte "smart contracts", quasi: intelligente Verträge könnten abgeschlossen werden und sogar ihre Einhaltung von der Blockchain kontrolliert werden. Ein gerne angeführtes Beispiel dafür ist ein Autoleasing-Vertrag. Der Vertrag selbst und die Transaktionen, also die Leasing-Raten, werden in der Blockchain hinterlegt. Fällt eine Ratenzahlung aus, sorgt die Blockchain über eine Verschlüsselung dafür, dass das Auto für den Leasingnehmer nicht mehr nutzbar ist (siehe dazu auch Schöne neue Blockchain-Welt).

Blockchain Screenshot

Blockchain Screenshot. | Bildquelle: ethdev.com

"Miners" bauen die Datenkette

Kontrolliert wird die Blockchain und die "Richtigkeit" der Transaktionen durch einzelne Personen oder Netzwerke, die als "Miners" oder "Validators" bezeichnet werden. Sie nutzen dazu ihre eigene Rechenleistung und werden - im Fall des Bitcoin - in Bitcoins dafür bezahlt.

Auch wenn der Zahlungsverkehr und der Handel mit Bitcoins derzeit das einzige weitverbeitete Anwendungsfeld der Blockchain-Technik ist - das Potenzial ist faszinierend und beängstigend zugleich. Ganz besonders für Banken. Deren Rolle als Abwicklungsinstanz vieler Finanztransaktionen steht mit den neuen Anwendungen infrage.

Tech-Börsen nutzen neue Technologie

Gleichzeitig haben wohl viele Großbanken die Blockchain auch als Chance für das eigene Geschäft entdeckt, wie der Zusammenschluss der Großbanken und einige Testprojekte zeigen. Dass die Blockchain auf dem Weg ist, den Sprung von der "Fantasy"-Ebene ins reale Finanzbusiness zu schaffen, zeigt auch eine Initiative der US-Technologiebörse Nasdaq. Mithilfe der Blockchain soll noch im laufenden Jahr der Handel von Anteilen noch nicht börsennotierter Unternehmen abgebildet werden. Wohl nur ein erster Test vor größeren Projekten. Nasdaq-Chef Bob Greifeld sagte dazu in einem Interview : "Der Nutzen für die Finanzindustrie ist immens, und er kann nicht mehr ignoriert werden."

AB

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Schöne neue Blockchain-Welt Zahlungsabwicklung und "smart contracts"

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