Geparkte Lufthansamaschinen auf dem Rollfeld am Frankfurter Flughafen

Geschäftsreisen vs. Videochats Airlines werden zu Börsenzwergen

Stand: 06.05.2020, 14:40 Uhr

Bekanntlich leiden Airlines massiv unter den Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Ein Trend, der noch anhalten dürfte und für interessante Gewichtsverschiebungen an der Börse sorgt.

Gestern gab die Lufthansa auf ihrer virtuellen Hauptversammlung bekannt, dass der monatliche Cash Burn derzeit rund 800 Millionen Euro pro Monat betrage. Ohne nennenswerte Einnahmen durch Passagiere eine Katastrophe. Genauso sieht es in den USA aus: Zusammengerechnet verlören die US-Airlines mehr als zehn Milliarden Dollar pro Monat, erklärte der US-Branchenverband der Fluggesellschaften anlässlich einer Anhörung des US-Senats am Mittwoch. "Die US-Luftfahrtindustrie wird nach dieser Krise nur noch ein Schatten dessen sein, was sie mal vor drei Monaten war", so der Vorstandsvorsitzende der Gruppe, Nicholas Calio.

US-Airlines bekommen 25 Milliarden

Das US-Finanzministerium hat den Fluggesellschaften bisher fast 25 Milliarden Dollar an Barzuschüssen zur Deckung ihrer Lohnkosten gewährt. Im Gegenzug dafür mussten sich die Unternehmen verpflichten, bis zum 30. September keine Arbeitnehmer zu entlassen. Große Fluggesellschaften warnten, dass sie wahrscheinlich noch in diesem Jahr zusätzliche Kürzungen vornehmen müssen, um auf einen langfristigen Rückgang der Reisenachfrage zu reagieren. Allein Rückerstattungen für Flugtickets könnten Airlines in den Konkurs treiben.

Nachfrage könnte längerfristig geringer sein

Carsten Spohr, Vorstand Deutsche Lufthansa, HV 2020

Carsten Spohr. | Bildquelle: Unternehmen

Die Corona-Krise legt offen, dass Businessreisen oft nicht zwingend nötig sind. Telefonkonferenzen und Videochats sind kostengünstige und effiziente Alternativen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte vor einigen Wochen, dass die Nachfrage von Geschäftsreisenden auch nach der Krise niedriger liegen könnte. "Privatreisende werden für uns wichtiger", zitierte ihn das"Handelsblatt". Laut einer Umfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) Ende März sehen über 80 Prozent der befragten Unternehmen dauerhafte Probleme durch Einreisebeschränkungen in bestimmten Ländern. Viele Unternehmen rechnen auch mit höheren Kosten.

Videokommunikationsdienste profitieren

Von der aktuellen Situation und wohl auch in Zukunft dürften Videokommunikationsdienste profitieren. Denn wenn das geschäftliche Fliegen teurer und aufwändiger wird, wird es schwerer, Geschäftsreisen zu begründen.

Eine Grafik des Lufthansa Innovation Hub zeigt, dass der Videokommunikationsdienst Zoom an der Börse mittlerweile mehr wert ist als die Börsenwerte der fünf größten Airlines des vergangenen Jahres zusammen. Möglicherweise hält dieser Trend in der kommenden Zeit an. "Man könnte argumentieren, dass Investoren zunehmend auf Videokonferenzen setzen, um viele Geschäftsreisen nach Covid zu ersetzen", schreibt das Lufthansa Innovation Hub zu der Grafik. Mittlerweile liegt die Marktkapitalisierung von Zoom Videocommunications laut Yahoo Finance sogar bei über 40 Milliarden Dollar.

Marktkapitalisierung Zoom versus Airlines

Marktkapitalisierung Zoom versus Airlines. | Grafik: boerse.ARD.de

ms