Lime-S E-scooter

Anbieter kämpfen ums Überleben Beendet Corona den E-Scooter-Hype?

Stand: 02.04.2020, 10:27 Uhr

Die weltweiten Ausgangssperren im Zuge der Corona-Seuche treiben nicht nur Einzelhändler und Restaurants in den Ruin. Auch die E-Roller-Firmen geraten in Bedrängnis.

Weil trotz des derzeit herrlichen Frühlingswetters nur wenige Menschen unterwegs sind, hat sich im Straßenbild vieler Innenstädte in den letzten Wochen einiges verändert: Die meisten der sonst an jeder Ecke herumstehenden E-Scooter sind verschwunden.

Tatsächlich könnten die wegen der Corona-Krise verhängten Kontakt- und Ausgehbeschränkungen in zahlreichen Ländern dem Hype um die E-Scooter ein jähes Ende bereiten. Berichten zufolge hat der noch vor wenigen Wochen aggressiv auftretende amerikanische Anbieter Lime kaum noch Geld in der Kasse. Die besonders in großen Städten wie Paris und Berlin allgegenwärtigen grünen Roller der Firma aus San Francisco sind verschwunden.

Die Kassen sind leer

Das Unternehmen hat vor einigen Tagen den sofortigen Stopp des Scooter-Verleihs angekündigt. Dutzende Länder in Europa, Amerika und dem Mittleren Osten sind betroffen. Offiziell will Lime damit dazu beitragen, unnötige soziale Kontakte zu vermeiden. Doch der wahre Grund ist, dass Lime ganz einfach die Kunden ausgegangen sind.

Angeblich hat das Unternehmen nur noch 70 Millionen Dollar in der Kasse, nachdem es sich einst rühmte 765 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt zu haben. Sollten die Investoren jetzt nicht frisches Geld nachschießen, drohe in wenigen Monate die Pleite, berichtet das Tech-Portal "The Information". Im Januar soll Lime bereits 100 Mitarbeiter entlassen haben.

Auch Bird kämpft mit Problemen

Bird E-Scooter

Bird E-Scooter. | Bildquelle: picture alliance/Nicolas Armer/dpa

Auch Rivale Bird kämpft offenbar mit Problemen. In Europa hat das Unternehmen seine Winterpause verlängert. Firmenchef Travis van Zanden kündigte an, ein Drittel der Belegschaft entlassen zu müssen. Dabei hatte Bird erst im Januar den Berliner Rivalen Circ übernommen.

Dank der mit den Entlassungen verbundenen Einsparungen hofft Bird die derzeit schwierige Phase überstehen zu können. Allerdings treffen die weltweiten Ausgangssperren die E-Scooter-Anbieter im schlechtesten Moment, sollte doch gerade jetzt zu Beginn des Frühlings das Geschäft wieder anlaufen, nachdem es in den Wintermonaten wetterbedingt sowieso geschrumpft ist.

Tier hält die Stellung - noch

Ihr Angebot komplett eingestellt hat auch die Firma Voi. Wie Deutschlandchef Claus Unterkirchner dem "Handelsblatt" sagte, habe Voi den Endkundenbetrieb in Deutschland vorerst aufgegeben. Es werde geprüft, ob für die deutsche Belegschaft Kurzarbeit beantragt werden könne.

E-Scooter Tier Mobility

Tier Mobility. | Bildquelle: Imago

Einer der wenigen Verbliebenen ist der Berliner Anbieter Tier. Seine Roller sind zumindest in Deutschland weiterhin in den Städten zu sehen, obwohl auch hier 60 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wurden. Nach eigenen Angaben verfügt Tier derzeit noch über ausreichend Finanzmittel.

Dennoch gilt für Tier wie für die anderen verbliebenen E-Scooter-Anbieter: Sollte sich der Lockdown des öffentlichen Lebens noch viele Wochen hinziehen, droht den meisten Firmen das Aus.

lg