Banken 2017

Ausblick 2017 Banken

Branche im Umbruch Bank-Aktien: Raus aus der Krise?

von Lothar Gries

Stand: 12.12.2016, 16:52 Uhr

Seit ihrem Tief im September schafften die Aktien der Deutschen Bank ein spektakuläres Comeback. Auch die Bewertung anderer Institute hat sich prächtig entwickelt. Geht für die Bankenbranche 2017 endlich die Sonne auf?

Wie Phoenix aus der Asche haben die Aktien vieler europäischer Banken in den letzten Wochen eine beachtliche Rally hingelegt. So kletterten allein die Papiere der Deutschen Bank seit ihrem Einbruch unter zehn Euro Anfang September bis zuletzt um gut 70 Prozent. Auch die Kurse anderer europäischer Institute wie der Credit Suisse, der französischen BNP Paribas oder der Commerzbank können auf hohe zweistellige Wachstumsraten verweisen.

Dabei hat besonders der "Trump-Jump" amerikanischer Bank-Aktien auch den Papieren europäischer Banken zu einem unverhofften Auftrieb verholfen: Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank zogen in der Spitze um bis zu 20 Prozent an. Tatsächlich hat der gewählte amerikanische Präsident Donald Trump den Banken eine Lockerung der regulatorischen Bedingungen in Aussicht gestellt. Zudem profitieren die Banken von der Hoffnung auf steigende Zinsen, zumindest in den USA. Auch haben natürlich charttechnische Gründe für den Wiederanstieg eine Rolle gespielt.

Von wegen Kursgewinne

Doch insgesamt hat sich die für 2016 erwartete Erholung der europäischen Bankenbranche als Trugschluss erwiesen. Deshalb sind die Aktienkurse vieler Institute trotz der spektakulären Rally der letzten Wochen noch immer meilenweit von ihrem Niveau Anfang des Jahres entfernt. So notierte die Aktie der Deutschen Bank damals bei knapp 23 Euro, heute sind es 17. Bei der italienischen UniCredit, dem Mutterkonzern der bayrischen HypoVereinsbank, notierten die Papiere Anfang des Jahres bei 5,20 Euro, heute sind es 2,50 Euro.

In Europa sind es vor allem die deutschen und italienischen Geldhäuser, die unter strukturellen Problemen und milliardenschweren Lasten aus der Vergangenheit ächzen. Aber auch die Credit Suisse (CS) und die Royal Bank of Scotland sind noch lange nicht aus dem Schneider. So steuert letztere Bank, die seit der Finanzkrise zu den größten Sorgenkindern der Branche zählt, auf den neunten Jahresverlust in Folge zu.

Sparkurs verschärft

Und der seit eineinhalb Jahren amtierende CS-Chef Tidjane Thiam kündigte kürzlich an, noch kräftiger auf die Kostenbremse drücken zu müssen, um die Ausgaben bis zum Jahr 2018 unter die Marke von 17 Milliarden Schweizer Franken (15,7 Milliarden Euro) zu drücken. Bisher hatte er hier einen Wert von unter 18 Milliarden Franken angepeilt.

Auch in Spanien und Portugal ist die Bankenkrise noch immer nicht überwunden. Als eines der schwächsten Institute gilt die spanische Banco Popular. Die Nummer sieben des Landes leidet bis heute unter dem Platzen der Immobilienblase nach 2008. Zuletzt musste das Geldhaus seine Rückstellungen für faule Kredite um 4,7 Milliarden Euro erhöhen. Seit 2012 hat die Bank rund 90 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Jetzt soll sie mit der Großbank BBVA fusioniert werden.

Sinkende Zinsüberschüsse und Provisionen

Wie schlecht es den europäischen Banken noch immer geht, zeigt eine Analyse der Neun-Monats-Bilanzen der 20 größten Institute. Danach sind deren Einnahmen weiter gesunken, was nur zum Teil durch Einsparungen und geringere Kreditverluste ausgeglichen werden konnte. Die Institute leiden vor allem unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sowie unter der auf dem Stand von 2009 stagnierenden Kreditnachfrage. Ein riesiges Problem, generiert doch der Zinsüberschuss mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Einnahmen. In den erst neun Monaten dieses Jahres ist der Zinsüberschuss bei den 20 größten Banken des Kontinents sogar um vier Prozent gesunken. Die Hoffnung, diesen Rückgang durch höhere Provisionseinnahmen zu kompensieren, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil. Die Erlöse aus dem Verkauf von Finanzprodukten oder Beratungsprojekten sind bis Ende September um rund sechs Prozent gesunken.

Um sich aus diesem Dilemma zu befreien, haben alle Institute milliardenschwere Sparmaßnahmen angekündigt. Die Deutsche Bank will ihren Umbau beschleunigen und im eigenen Haus unter dem Strich 9.000 Arbeitsplätze streichen, 4.000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden. Gleichzeitig muss die Bank bis Ende 2019 pro Jahr im Schnitt zwei bis 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital schaffen, um die Anforderungen der Regulierer zu erfüllen. Ob es der Bank gelingt, diese Summe ohne Kapitalerhöhung aufzubringen, bleibt abzuwarten. Für Anleger bedeutet dies, dass sie jederzeit mit kräftigen Rückschlägen des Aktienkurses rechnen müssen.

Deutsche Bank-Schriftzug von den Doppeltürmen

Deutsche Bank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Damoklesschwert Milliardenstrafe

Wie ein Damokles-Schwert schwebt weiterhin die 14 Milliarden-Dollar-Forderung der amerikanischen Justizbehörden über der Deutschen Bank. Eigentlich wollte Bankchef John Cryan den Hypothekenstreit noch vor den US-Präsidentschaftswahlen beilegen. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. So wird das Justizministerium wohl die Amtsübernahme von Donald Trump am 20. Januar abwarten müssen. Bis Mitte März, so Cryan, könne eine Einigung gefunden werden.

Wie lange Cryan bangen muss, hängt auch von den Bußgeldern für andere Banken ab. Derzeit stehen neben der Deutschen Bank auch Barclays und die Royal Bank of Scotland in den USA am Pranger. Jetzt hängt es davon ab, ob das US-Justizministerium die Fälle einzeln oder zusammen beilegen will. Wird über alle Banken zusammen entschieden, dürfte die Deutsche Bank noch länger warten müssen.

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