Verschiedene Autoteile in einem Korb

Gewinnwarnung von Valeo Autozulieferer: Schlimmer als befürchtet

Stand: 26.10.2018, 13:17 Uhr

Seit Monaten schon kennen die Aktien der Autozulieferer nur eine Richtung: nach unten. Nun sorgt eine Umsatz- und Gewinnwarnung der französischen Valeo-Gruppe für noch mehr Unheil.

Im Pariser Leitindex CAC 40 sacken die Valeo-Papiere um bis zu 18 Prozent ab. Bei zeitweise 23,50 Euro erreichten sie den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Allein seit Jahresbeginn haben sie über die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Im Schlepptau bricht auch die Aktie des französischen Konkurrenten Faurecia um über acht Prozent ein. Dabei hat sie seit dem Hoch im Frühjahr bereits über 40 Prozent an Wert verloren.

Valeo hatte zuvor zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Margenziele für das Gesamtjahr gekappt. Wegen schwächerer Verkaufszahlen in China und den neuen Regeln für Emissionstests bei Fahrzeugen in Europa rechnet Valeo nun mit einer geringeren Profitabilität. Auch das Umsatzwachstum werde geringer ausfallen, hieß es.

In bester Gesellschaft

Die Ankündigung sei "deutlich schlimmer als befürchtet" gewesen, urteilten die Experten der Citigroup. Und bei der Société Générale hieß es: Das Vertrauen in den Autozulieferer sei weiter untergraben worden. Die Pariser Bank strich daher kurzerhand ihre Kaufempfehlung für die Aktie und erwartet nun bis 2020 eine geringere Profitabilität als bisher.

Mit seiner Warnung befindet sich Valeo in bester Gesellschaft. Seit dem Sommer hagelt es von nahezu allen Autozulieferern eine Gewinnwarnung nach der nächsten. So hat der fränkische Konzern Schaeffler die Jahresprognose für sein Automobilgeschäft gesenkt.

Dürr und Conti ebenfalls betroffen

Auch der hauptsächlich für die Autoindustrie produzierende Maschinen- und Anlagenbauer Dürr musste seine Gewinnziele bereits reduzieren. Die Ebit-Marge (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) werde 2018 nur noch bei 5,8 bis 6,3 Prozent liegen, warnte das Unternehmen. Bisher war Dürr von 6,8 bis 7,3 Prozent ausgegangen. Hintergrund sind Ergebnisbelastungen im zweiten Halbjahr von insgesamt rund 35 Millionen Euro.

Auch der Dax-Konzern Continental kann sich dem Niedergang der Autozulieferer nicht entziehen. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern aus Hannover einen Umsatz von 46 Milliarden Euro vor Wechselkurseffekten, eine Milliarde weniger als bisher prognostiziert. Den negativen Umsatzeffekt aus Wechselkursveränderungen im Jahr 2018 schätzt das Unternehmen auf rund eine Milliarde Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll nun nur noch bei "mehr als neun Prozent des Umsatzes" liegen, statt der erwarteten zehn Prozent. Neben Währungseffekten führt Continental in seiner Pflichtmitteilung am Mittwoch aber auch gestiegene Kosten und "geringere Umsatzerwartungen" als Begründung an.

Dürr: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
30,93
Differenz relativ
-3,28%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
136,30
Differenz relativ
-1,27%

Besonders hart getroffen hat es zudem Elring-Klinger, einen Hersteller von Zylinderkopfdichtungen. Nachdem die einst im MDax notierte Firma im Juni das Ziel für die Umsatzrendite vor allem wegen gestiegener Kosten von neun auf sieben Prozent gesenkt hatte, stellte Finanzchef Thomas Jessulat in der vergangenen Woche eine weitere Korrektur in Aussicht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte er, dass der Ausblick für die Profitabilität in diesem Jahr "nach wie vor anspruchsvoll" sei. Die Aktie fiel daraufhin auf den tiefsten Stand seit 2009. Auch Hella und Leoni haben sich für die Anleger in diesem Jahr als Wertvernichter entpuppt.

Glaubt man den Analysten der französischen Bank BNP Paribas folgen die Autozulieferer mit ihren Warnungen und Korrekturen lediglich den Autokonzernen. Die Analysten rechnen damit, dass deren Aktien im aktuellen Zyklus denen der Hersteller um 20 bis 30 Prozent hinterher hinken. Als Konsequenz haben sie die meisten Zulieferer abgestuft.

Zulieferer nicht besser als Hersteller

Für die Studie haben die Analysten den Blick 30 Jahre zurück geworfen und Daten von 17 Autoherstellern und 16 weltweit aktiven Zulieferern ausgewertet. Danach war deren organisches Wachstum nicht besser als das der Produzenten. Dazu sei das Geschäft der Zulieferer zyklischer. Die zahlreichen Gewinnwarnungen im Sommer hätten die Abhängigkeit vom Automarkt einmal mehr bewiesen. Die Analysten konstatieren bei den Lieferanten zwar höhere Margen, aber steigende Forschungsaufwendungen und Investitionen hinterlassen auch hier ihre Spuren. Als Folge davon liege die Rendite auf das eingesetzte Kapital der Hersteller nun gleichauf.

Damit sei eine höhere Bewertung der Zulieferer im Vergleich zu den Produzenten nicht gerechtfertigt. Deshalb dürfte sich der immer noch bestehende Abstand in der Bewertung verringern und die Bewertung sich dem Niveau der Hersteller angleichen. Das gelte um so mehr, als die spezifischen Risiken der Produzenten zurückgingen, die Umbrüche in der Branche wie die Umstellung auf elektrische Antriebe nun aber auch die Zulieferer träfen.

Für die Anleger bedeutet das: Von Aktien der Autozuliefer sollten sie derzeit lieber die Finger lassen, denn die Kurse dürften weiter in die Knie gehen.

lg

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Bosch
Deutschlands führender Autozulieferer ist Bosch. Er ist sogar weltweit die Nummer 1. Die Abteilung Automotive Aftermarket bietet Diagnose- und Werkstatttechnik sowie Ersatzteile. Bosch ist auch ein Chip-Gigant, der weltgrößte Hersteller von Sensoren für Autos mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent. Das Unternehmen ist aber nicht börsennotiert.