Produktion von Autositzen bei Grammer

Pandemie sorgt für Unsicherheit Autozulieferer in Not

Stand: 30.03.2020, 11:05 Uhr

Stillstehende Produktionsstraßen bei den großen Autoherstellern machen natürlich auch den Zulieferern zu schaffen. Die meisten rechnen mit deutlichen Auftrags- und Gewinneinbußen.

Der kriselnde Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni geht für das laufende Jahr aufgrund der Corona-Krise mit einer deutlichen, negativen Abweichung von seiner ursprünglichen Planung aus. Die tatsächlichen Belastungen durch die Pandemie seien aber derzeit nicht verlässlich in Zahlen zu fassen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Ursprünglich war Leoni mit einem moderat steigendem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr ausgegangen. Das operative Ergebnis hätte sich vom Negativen ins Positive drehen sollen. Anleger zogen sich zurück: Im frühen Handel notierte die Aktie bis zu sieben Prozent im Minus.

Auch Grammer erwartet erhebliche Abschwächung

Auch der bayerische Zulieferer Grammer erwartet für 2020 eine erhebliche Abschwächung. „Die großen Herausforderungen für unsere Branche und die derzeit überhaupt noch nicht absehbaren Konsequenzen der weltweiten Covid-19-Pandemie verursachen bereits im ersten Quartal 2020 sehr deutliche Spuren in unserem Geschäft“, so Grammer-Chef Thorsten Seehars. Grammer bestätigte am Montag zwar die vorläufigen Geschäftszahlen für 2019, teilte aber auch mit, die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 auszusetzen.

Schaeffler zieht Prognose zurück

Bereits in der vergangenen Woche musste Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld die Prognose für 2020 kassieren. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, man werde eine neue Prognose erst dann abgeben, wenn das verlässlich möglich sei. „Mit dem festen Willen und dem großen Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des gesamten Führungsteam bin ich zuversichtlich, dass wir diese Krise erfolgreich bewältigen werden“, so Rosenfeld.

Zulieferer schließen Werke

Weil der Großteil der Automobilindustrie derzeit seine Werke für Wochen stillgelegt hat, hatte Leoni ebenfalls bereits vorübergehende Werksschließungen in Europa, Nordafrika und Amerika angekündigt, in Deutschland soll zudem Kurzarbeit eingeführt werden. Auch Grammer teilte am Montag mit, seit einigen Tagen die Produktion an mehreren Standorten eingeschränkt oder komplett eingestellt zu haben. Ein Maßnahmenpaket sehe vor, die Produktion in Deutschland der Nachfrage anzupassen. Durch Kurzarbeit wolle man die finanzielle Flexibilität des Unternehmens gewährleisten.

SAF-Holland, einer der weltweit führenden Zulieferer für Truck- und Trailerteile, passt seine Produktion standortspezifisch und entsprechend dem Bedarf an. Für die beiden Produktionsstätten in Deutschland heißt das: Einführung teilweiser Kurzarbeit.

ms/dpa-AFX