Erste Auswirkungen des Lockdowns im März Auto-Neuzulassungen mal eben halbiert

Stand: 17.04.2020, 10:34 Uhr

Der Neuwagenmarkt in der EU ist im März wegen des allgemeinen Lockdowns um die Hälfte eingebrochen. Besonders hart hat es Italien und Spanien getroffen. E-Autos können ihren Marktanteil dagegen steigern - vorerst.

In den 27 Ländern der EU ohne Großbritannien gingen die Zulassungen im März zum Vorjahresmonat um 55,1 Prozent auf 567.308 Autos zurück, wie der europäische Branchenverband Acea am Morgen mitteilte. Die allermeisten Autohäuser in Europa seien während der zweiten Märzhälfte wegen behördlicher Anweisungen geschlossen gewesen.

Einen besonders starken Rückgang gab es im besonders hart von der Pandemie betroffenen Italien, wo die Zulassungen um 85,4 Prozent auf 28.326 Autos fielen. In Frankreich ging es um 72,2 Prozent und in Spanien um 69,3 Prozent herunter.

Weitere Rückgänge im April erwartet

Deutschland verzeichnete ein Minus von 37,7 Prozent. Unter den deutschen Herstellern verzeichnete der VW-Konzern einen Einbruch von 46,2 Prozent. Bei BMW ging es zum Vorjahresmonat um 40,7 Prozent bergab, bei Daimler um 39,4 Prozent. Die französischen Hersteller PSA und Renault mussten dagegen Einbrüche von mehr als 60 Prozent hinnehmen.

Wegen des fast flächendeckenden Stillstands im April rechnet Peter Fuß, Partner bei dem Beratungsunternehmen EY mit noch massiveren Rückgängen als im März. Ein Rückgang um 70 Prozent hält er für möglich. "Den April kann die Branche also weitgehend abschreiben", so der Experte. Erst danach dürfte es wieder bergauf gehen, so der Experte.

Gleichwohl sei nicht zu erwarten, dass die Kunden plötzlich in Scharen in die Autohäuser strömen werden. "Wer arbeitslos ist oder in Kurzarbeit, wird sich kein neues Auto leisten. Und auch bei gewerblichen Neuzulassungen werden wir weiterhin starke Einbußen sehen, denn massive Umsatzrückgänge werden sehr viele Unternehmen zum Sparen zwingen," erklärt der Branchenexperte.

Trend zu E-Autos ungebrochen

Dennoch gebe es Grund zur Hoffnung, weil derzeit in großem Stil geplante Anschaffungen vertagt würden. Die Branche schiebe also eine immer größer werdende Welle an Neuwagenkäufen vor sich her. Wer nach dem Ende der Krise lieferfähig sei und über attraktive Modelle verfüge, werde zu den Gewinnern der Krise gehören, glaubt Fuß.

Das dürfte besonders für Anbieter von Elektrofahrzeuge gelten. Während nämlich der Verkauf von Benzinern und Dieselfahrzeugen eingebrochen ist, ist die Zahl der im März neu zugelassenen Elektroautos kräftig gestiegen. In den fünf größten Märkten der EU legte sie um 71 Prozent zu, bei Plug-in-Hybriden lag das Plus sogar bei 77 Prozent. Letztere Modelle erfreuen sich besonders in Deutschland zunehmender Beliebtheit, hat sich doch deren Absatz im März mehr als verdreifacht. In den anderen Ländern, allen voran Großbritannien, waren dagegen reine Elektrofahrzeuge der Renner.

Wachstum im E-Segment von kurzer Dauer

Dass sich der Markt für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge so gegensätzlich zum Gesamtmarkt entwickelt hat, führen die Berater von EY vor allem auf die langen Lieferzeiten zurück. Meist seien die im März neu zugelassenen Autos bereits vor mehreren Monaten bestellt worden.

Hinzu kämen starke Lieferschwankungen bei einzelnen Modellen, etwa beim Tesla Model 3: Von diesem Fahrzeug wurden im März in Deutschland 2.034 Fahrzeuge neu zugelassen, nach gerade einmal insgesamt 867 in den Monaten Januar und Februar. Ebenfalls eine Rolle spielten neu eingeführte Modelle: So kam etwa der neue E-Opel Corsa "aus dem Stand“ auf 622 Neuzulassungen in Deutschland, der elektrische Mini auf 326.

Fuß rechnet allerdings damit, dass das starke Wachstum im Elektrosegment nicht von Dauer sein wird: "Im März wurden die Fahrzeuge ausgeliefert und neu zugelassen, die in der Vor-Corona-Zeit bestellt und produziert wurden. Stillstehende Fabriken werden aber auch im Segment der Elektroautos in den kommenden Monaten für Rückgänge sorgen – trotz starker Nachfrage."

lg