Kleiderstange mit verschiedenen Kleidungsstücken

Modebranche im Umbruch Aus der Mode

von von Notker Blechner

Stand: 19.02.2018, 16:10 Uhr

Schwere Zeiten für die Modebranche: Die Verbraucher geben ihr Geld immer häufiger lieber für neue Handys und Reisen aus als für Garderobe. Zudem machen Discounter und der Online-Handel H&M, Hugo Boss, Esprit & Co Konkurrenz. Nun hoffen die Modehersteller auf neue Absatzmärkte.

Ob Steilmann, Escada, René Lezard, Pohland oder Sinn-Leffers - viele namhafte Marken der deutschen Mode- und Bekleidungsbranche sind inzwischen pleite und (teilweise) aus den Stadtzentren verschwunden. Auch andere Modekonzerne wie Gerry Weber und Hugo Boss haben ihre glänzenden Zeiten hinter sich und mussten zuletzt kräftig abspecken. Selbst die einst so beliebte H&M zieht immer weniger Kundschaft an. Umsatz und Gewinn schrumpfen.

"Die Kleiderschränke sind voll"

"Die Kunden sind satt, die Kleiderschränke voll, der Markt ist überbesetzt", beschreibt das Branchenfachblatt "Textilwirtschaft" das Dilemma der Branche. "Die Bekleidung hat für die Verbraucher nicht mehr den Stellenwert wie früher", sagt Handelsexpertin Petra Mücke von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). "Heute definiert man sich mehr über ein neues Smartphone als über ein neues Outfit."

Zudem gewinnen Online-Händler wie Zalando immer mehr an Bedeutung und machen den etablierten Konzernen das Leben schwer. Auf der anderen Seite drängen Discounter wie Primark in den Markt und drücken die Preise. Das führt zu einem immer schärfer werdenden Verdrängungswettbewerb.

Mittleres Preissegment unter Druck

Der Modemarkt in Deutschland ist im Umbruch. Immer mehr stationäre Modehersteller werden insolvent oder müssen Filialen schließen. Vor allem die so genannte Mittelklasse leidet. Ketten wie Tom Tailor oder Esprit laufen die Kunden weg.

Dieser Trend ist auch weltweit zu beobachten. 2017 wuchs laut dem Mode-Report von Business of Fashion und McKinsey das mittlere Preissegment um zwei bis drei Prozent. Dagegen legte das Luxus-Segment um 3,5 bis 4,5 Prozent zu. Daran dürfte sich auch 2018 nichts ändern.

Die Besten der Branche werden immer besser

Die Folge: Die Besten der Branche werden immer erfolgreicher und die Schwachen bleiben auf der Strecke. Laut der Studie erwirtschaften inzwischen die erfolgreichsten 20 Prozent der Modeanbieter das Gros des gesamten Wertzuwachses. "Das steht in starkem Kontrast zu einer breiten, aber nahezu unprofitablen Mitte der Branche und dem schlecht wirtschaftenden unteren Fünftel, das Wert vernichtet."

"Die Modeindustrie bleibt eine Branche, in der es heißt: 'The winner takes it all'", sagt Achim Berg, Modeexperte von McKinsey. Tatsächlich sind die großen Gewinner des Umbruchs in der Modeindustrie hochpreisige französische Hersteller wie LVMH, Kering und Hermès, die effiziente internationale Produktions- und Lieferketten haben, und die spanische Inditex-Gruppe, besser bekannt unter der Marke Zara, die das untere Marktende dominiert.

In den Schwellenländern liegt die Zukunft (der Mode)

Die demographischen Veränderungen dürften künftig zu einer weiteren Umwälzung der Branche führen. Wegen der alternden Gesellschaft dürften die reifen Märkte in Deutschland, Europa und den USA schrumpfen. Dagegen werden die Schwellenländer an Bedeutung gewinnen. 2018 wird erstmals die Hälfte des gesamten Umsatzes mit Kleidung und Schuhen außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet, prophezeien die Experten der Studie von Business of Fashion und McKinsey. "Das ist ein Wendepunkt."

Chart Weltweiter Verkauf von Schuhen und Bekleidung

Weltweiter Verkauf von Schuhen und Bekleidung. | Bildquelle: McKinsey Fashion Scope, Grafik: boerse.ARD.de

Künftig werden also die Modehersteller überdurchschnittlich wachsen, die in den boomenden Emerging Markets wie China und Indien präsent sind. Insofern haben deutsche Modeanbieter eine zweite Chance, verlorenen Glanz zurück zu gewinnen.