Catl Lithium Batterien

Milliardenaufträge von BMW und Daimler Asiatische Batterie-Hersteller drängen nach Europa

Stand: 04.07.2018, 11:00 Uhr

Die deutschen Autobauer rüsten sich für die große E-Offensive. Nach BMW plant auch Daimler Batterien für mehrere Milliarden Euro einzukaufen. Die Zellen sollen vom neuen chinesischen Batterie-Riesen CATL kommen - aus Erfurt.

Was Daimler, BMW, VW, Conti und Bosch nicht wagten, trauen sich die Chinesen. Contemporary Amperex Technology Limited, kurz CATL, will mitten in Deutschland am Erfurter Kreuz in Thüringen eine riesige Zellfabrik errichten. In der kommenden Woche soll der Vertrag zur Gigafactory bei einem deutsch-chinesischen Regierungstreffen in Berlin unterzeichnet werden.

Erster Kunde BMW

Als ersten Kunden konnte CATL BMW gewinnen. Wie BMW-Chef Harald Kröger dem "Handelsblatt" sagte, werden die Münchner einen Milliardenauftrag an den Batteriehersteller vergeben.

Laut "Handelsblatt" erwägt auch Daimler, künftig Zellen von CATL zu beziehen. Die Schwaben brauchen dringend Batterien für ihre EQ-Offensive. Bis 2022 wollen sie zehn Elektroautos auf den Markt bringen.

Bisher bezogen BMW, Daimler und VW ihre Batterien hauptsächlich von den Südkoreanern. Diese haben größere Batteriefabriken in Europa aufgebaut. LG Chem produziert Zellen in Polen, Samsung in Ungarn. Auch die chinesische BYD denkt über eine Produktion in Europa nach.

Transport aus Asien zu aufwendig

Die asiatischen Zellhersteller wissen, dass sie näher an die Autobauer heranrücken müssen. Denn es ist zu aufwändig und zu teuer, bis zu 600 Kilogramm schwere Batterien von Kontinent zu Kontinent zu transportieren. Wegen ihrer Entflammbarkeit dürfen Zellen nur per Schiff transportiert werden.

Branchenkennern zufolge bräuchte Europa mittelfristig 15 Gigafactories, um den wachsenden Bedarf der Autohersteller nach Batterien zu decken. Nach Schätzungen der EU-Kommission könnten bis 2025 zehn bis 20 große Zellfabriken entstehen.

Nur wenige rein europäische Produktionsprojekte

Brüssel hat 2017 eine Initiative angestoßen, mit europäischen Unternehmen eine Batteriezellfertigung auf die Beine zu stellen. Bisher gibt es drei europäische Projekte. So baut Siemens in Schweden mit dem Startup Northvolt eine Fabrik bis Ende 2020. In Frankreich beschäftigt sich Saft, eine Batterietochter des Ölkonzerns Total, mit der Entwicklung von Zellen. Und in Deutschland planen 19 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, darunter ThyssenKrupp und die Deutsche Post mit ihrem Elektrotransporter Streetscooter im Rahmen von TerraE eine Fabrik bis Ende 2019.

Die deutschen Autobauer wollen die Zellen nicht selbst produzieren, sondern lieber günstig zukaufen. Auch Conti und Bosch scheuen vor Investitionen in die Batterieproduktion zurück. Die Abhängigkeit von Asien ist riesig. Schon heute werden neun von zehn Elektroautos mit Batterietechnik aus Fernost angetrieben.

CATL, der neue Börsenstar

Großer Profiteur des bevorstehenden E-Autobooms in Europa könnte die chinesische CATL sein. Der inzwischen weltweit zweitgrößte Batteriehersteller ging vor kurzem an die Börse in Shenzhen. Die Aktien schossen gleich am ersten Handelstag um 44 Prozent in die Höhe.

nb