Beyond Meat Würstchen

Anleger-Hype An der Börse geht es um die Wurst

Stand: 29.01.2020, 11:44 Uhr

Der Markt für Fleischersatzprodukte elektrisiert die Anleger auch noch viele Monate nach dem Börsengang von Beyond Meat. Denn neben dem wohl bekanntesten Unternehmen drängen immer mehr Alternativen an den Markt.

Beyond Meat: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
142,20
Differenz relativ
+1,88%

Der Börsengang von Beyond Meat im vergangen Mai verlief spektakulär. Bereits am ersten Handelstag stieg die Aktie um 163 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 25 Euro. In den Wochen danach gab es kein Halten mehr. Zeitweise konnte sich die Aktie auf fast 240 Euro verzehnfachen. Bei einem Umsatz von rund 230 Millionen Dollar im vergangenen Jahr lag der Börsenwert zeitweise bei 15 Milliarden Dollar.

Fast genauso heftig wie nach oben ging es für das Papier auch wieder nach unten. Erst bei rund 65 Euro war die Abwärtsbewegung beendet - bevor es erneut nach oben ging.

Der Anstieg und auch der darauf folgende Einbruch um zwei Drittel zeigt, wie nah die Chancen, aber auch die Risiken bei solchen Investments beieinander liegen.

Sehr großes Potenzial

Die Analysten von Barclays halten es für möglich, dass Fleischersatzprodukte in den kommenden zehn Jahren einen Anteil von zehn Prozent am weltweiten Fleischmarkt von 1,4 Billionen Dollar erreichen können.

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney wiederum rechnet damit, dass bereits 2025 vegane Fleischersatzprodukte einen Marktanteil von zehn Prozent des globalen Fleischmarkts haben werden.

Viel weniger Emissionen

Argumente für Fleischersatzprodukte gibt es genug: Eine gesündere Ernährung, das Tierwohl und der Klimawandel, zu dem die energie- und emissionsträchtige Fleischindustrie massiv beiträgt. Laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Das sind mehr Emissionen, als der weltweite Transportsektor ausstößt.

Zu den populärsten Fleischersatzprodukten gehören bei dato "Rindfleisch"-Scheiben für Hamburger. Doch die Branche will mehr. So gibt mittlerweile veganes Hackfleisch und auch Würste aus "Schweinefleisch" nur aus pflanzlichen Bestandteilen.

Doch unter Ernährungsexperten sind die Fleischersatzprodukte nicht unumstritten. So werden ein hoher Salzgehalt, zu viel Zucker, nicht besonders hochwertige Fette und Geschmacksverstärker bemängelt.

In-vitro-Fleisch hat Zukunft

Doch vielleicht kann Fleischliebhabern, die die emissionsträchtige Massentierhaltung ablehnen, auch anders geholfen werden - nämlich mit künstlich aus Stammzellen gezüchtetem Fleisch - so genanntes In-vitro-Fleisch.

Im Vergleich zu traditionell produziertem Fleisch ist laut A.T. Kearney hierfür nur rund Viertel der Menge an Pflanzenkalorien nötig, "weil ihre Herstellung deutlich zielgerichteter auf das Endprodukt Fleisch ausgelegt sowie mit weniger Energieverlust verbunden ist". Außerdem wird weniger Platz und Düngemittel benötigt. Auch "der Einsatz von Antibiotika und anderer Stoffe zur Aufzucht und Schutz von Tieren entfällt", so die Experten.

Noch ist diese Art der Fleischproduktion allerdings viel zu teuer. Denn Fleisch aus dem Labor muss bisher aufwändig in Reagenzgläsern gezüchtet werden. Kilopreise von 100 Euro wären derzeit wohl schon als ein Erfolg zu werten.

Doch die Aussichten für In-vitro-Fleisch sind glänzend. A.T. Kearney geht davon aus, dass bereits 2030 zehn Prozent des globalen Fleischmarkts auf Reagenzfleisch entfallen würden. Bereits zehn Jahre später könnte der Marktanteil demnach bei gut einem Drittel liegen. Den globalen Fleischmarkt schätzen die Marktforscher zu diesem Zeitpunkt auf 1,8 Billionen Dollar pro Jahr. Das ergibt ein Marktpotenzial von 450 Milliarden Dollar im Jahr.

Die Konkurrenz schläft nicht

Doch egal ob es sich um Unternehmen handelt, die Fleischersatzprodukte aus Pflanzen herstellen oder In-vitro-Fleisch produzieren: Vermutlich werden in den nächsten Jahren mehr Unternehmen aus diesem Bereich an die Börse schaffen. Es wäre wohl andere als eine Überraschung, wenn die Anleger nicht erneut sehr viel Appetit auf diese Investments entwickeln würden.

ME

1/8

Fleischlos glücklich an der Börse Beyond Meat & Co.

Beyond Meat

Beyond Meat
Beyond Meat ist bereits da, wo andere Unternehmen der Fleischersatz-Branche möglicherweise noch hin wollen - an der Börse. Bisher erweist der Schritt als ein gigantischer Erfolg. Das US-Unternehmen ist mit einem Vielfachen des erwarteten jährlichen Umsatzes bewertet. Beyond Meat ist insbesondere durch seinen "Beyond Burger" bekannt geworden, also Fleischersatz-Bratlinge für Hamburger. Doch nun bietet man auch "Beyond Beaf" (Fleischbällchen-Ersatz) und "Beyond Sausage" (Würste auf Basis von Schweinefleisch-Ersatz) an.