Blick auf das Casino in Monte Carlo.

Rendezvous in Monte Carlo Rückversicherer haben's schwer und nehmen's leicht

Stand: 06.09.2019, 15:58 Uhr

Jahrelang war es eine geschlossene Gesellschaft, wenn sich die Größen der Rückversicherungsbranche trafen, um über die neuen Preise zu verhandeln. Doch das Bild der Branche hat sich gewandelt.

Zwar kommen an diesem Wochenende in Monte Carlo wieder die Größen der Branche zusammen, um über die anstehenden Vertragsverlängerungen zu verhandeln. Bereits seit Jahren zeichnet sich der Rückversicherungsmarkt sehr zum Leid der etablierten Beteiligten aber durch Überkapazitäten aus - und wenn das Angebot hoch ist, fällt der Preis eben.

Das Geschäft wandelt sich

Vor allem branchenfremde Kapitalgeber drängen seit Jahren in die Märkte, zudem wird oftmals Versicherungsschutz über verbriefte Rückversicherungsverträge angeboten. Die Ratingagentur S&P stellt zudem fest, dass die Geschäfte der Branche zunehmend zu austauschbaren Gütern werden, vor allem in der Sach- und Haftpflicht. Wegen des beinharten Wettbewerbs profitieren auch die Kunden, also die Erstversicherer, von den niedrigen Rückversicherungspreisen nur bedingt.

Preisspielraum vorhanden

Trotzdem scheint sich in dieser Runde durchaus Spielraum für höhere Preise zu ergeben, wie Hannover-Rück-Vorstand Michael Pickel im Gespräch mit "Versicherungswirtschaft heute" erklärt.

Hurrikan "Dorian" spielt dabei den Rückversicherern in die Hände, auch wenn das endgültige Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar ist. Aber die Tatsache, dass "Dorian" bisher eine Bogen um Florida gemacht hat, spricht dafür, dass die anfänglich befürchteten Gesamtschäden von 25 bis sogar 40 Milliarden Dollar nicht erreicht werden.

Trotzdem, Großschäden dieser Art, und die Hurrikan-Saison beginnt ja erst, sorgen nicht mehr dafür, dass sich ein Markt einheitlich entwickelt. Höchstens regional, angesichts des vielen Kapitals, das in der Branche "beschäftigt" ist.

Disziplin ist weiter Trumpf

Für die etablierten Anbieter bleibt deshalb Zeichnungsdisziplin oberstes Gebot. Angesichts der mageren Erträge der Kapitalanlagen kommen Volumenausweitungen mit höheren Schaden-Kosten-Quoten weiterhin nicht in Frage.

Was für die Aktionäre nicht das Schlechteste sein muss. Sie profitieren von soliden Ergebnissen, verbunden mit hohen Dividenden. Nicht umsonst ist die Münchener Rück die Gesellschaft, die mit 9,25 Euro absolut die höchste Dividende ausschüttet. Auch die Hannover Rück bietet immer noch eine Dividendenrendite von mehr als vier Prozent. Und das, obwohl die Aktien der Rückversicherer 2019 deutlich gestiegen sind und eine relative Stärke gegenüber Dax und MDax gezeigt haben.

Auch an den Aktien der Erstversicherer, für die ähnliche Zwänge gelten wie für die Rückversicherer, kommen dividendenorientierte Anleger nicht vorbei. In Monte Carlo sitzen daher alle irgendwie im gleichen Boot.

rm

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Die größten Rückversicherer der Welt Von Münchener Rück bis Scor

Das Logo der Munich Re in München.

Münchener Rück
Weltgrößter Rückversicherer ist der Dax-Konzern aus München. Die Bruttobeiträge der Gruppe lagen 2018 bei 49,1, die Nettoprämien bei 45,7 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen betrugen 216,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kam auf rund 2,27 Milliarden Euro. Im Zweiten Quartal des laufenden Jahres erreichte die Gesellschaft dank niedriger Schäden mit 993 Millionen Euro den höchsten Gewinn seit vier Jahren und bestätigte ihre Gewinnziele. 2019 sieht sich Firmenchef Joachim Wenning auf Kurs, 2,5 Milliarden Euro zu verdienen, 2020 sollen es 2,8 Milliarden Euro werden.