Verschneite Autos stehen auf einem Parkplatz

Erste Corona-Delle Deutsche kaufen 38 Prozent weniger Autos

Stand: 03.04.2020, 16:52 Uhr

Wer kauft in Corona-Zeiten noch ein neues Auto? Im März sind die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland so stark eingebrochen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Im April könnte es noch schlimmer werden.

Lediglich 215.100 Fahrzeuge wurden im abgelaufenen Monat hierzulande abgesetzt, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Das ist ein Minus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Als Grund nannte der Verband die wegen des Coronavirus erlassenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. So mussten die Autohändler schließen und waren viele Zulassungsstellen nur noch eingeschränkt arbeitsfähig.

Nur Wohnmobile und E-Autos gefragt

Der Absatzeinbruch erfasste alle Hersteller. Am glimpflichsten kam noch der BMW Mini davon, dessen Verkäufe um 20,7 Prozent sanken. Am härtesten traf es den Kleinwagen-Marke Smart von Daimler, die ein Minus von über 84 Prozent verzeichnete. Lediglich Wohnmobile konnten sich dem Negativ-Trend entziehen. Deren Absatz legte um 2,3 Prozent zu.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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+5,40%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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35,98
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+7,77%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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140,50
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+6,04%

Die staatliche Förderung trieb auch den Absatz von Elektroautos kräftig an. Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden verdreifachten sich. Rein batteriegetriebene Autos legten um 56 Prozent zu.

Hersteller bauen deutlich weniger Autos

Tiefe Bremsspuren hinterließ die Corona-Krise auch in der Produktion und im Export von Fahrzeugen. Der Auftragseingang aus dem Inland sank im März binnen Jahresfrist um 30 Prozent. Die deutschen Hersteller fuhren die Produktion um 37 Prozent herunter.

Experten rechnen damit, dass sich der Rückgang in den kommenden Wochen noch verschärft, da die Produktion in den Fahrzeugwerken erst seit Mitte März ruht. Die vollen Auswirkungen dürften also erst im April zu sehen sein. "Wir stehen vor einer Herausforderung in bisher nie gekanntem Ausmaß", sagte die neue VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Ein Fünftel weniger Neuzulassungen seit Jahresbeginn

Wie stark der deutsche Automarkt in diesem Jahr schrumpfen wird, ist unklar. Im ersten Quartal sank der Absatz um 20 Prozent auf 701.300 Pkw. Ursprünglich hatte der Verband der Auto-Importe VDIK mit einem Rückgang auf rund 3,35 Millionen Neuzulassungen gerechnet.

2019 war der deutsche Pkw-Markt laut VDA noch um fünf Prozent auf 3,6 Millionen Neuzulassungen gewachsen. Die deutlichsten Zuwächse verbuchten SUV mit 21 Prozent und Geländewagen mit plus 20,3 Prozent.

Experten prophezeien düstere Zukunft

"Selbst wenn es in den kommenden Monaten zu Lockerungen der derzeitigen Maßnahmen kommt und auch die Produktion in den deutschen Automobilwerken wieder anläuft, werden wir weiterhin starke Auswirkungen auf den Neuwagenmarkt sehen", sagte Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY. Zum einen werde es wegen des mehrwöchigen Produktionsausfalls zu Nachschubproblemen kommen, zum anderen würden sowohl gewerbliche als auch Privatkunden vorerst vorsichtig sein bei großen Anschaffungen.

Der Branchenexperte Stefan Bratzel erwartet, dass der globale Automarkt in diesem Jahr um 17 und in Europa um 21 Prozent absacken könnte. Und das ist noch ein relativ optimistisches Szenario, das von Beschränkungen des öffentlichen Lebens auf höchstens acht Wochen ausgeht. Es werde "erhebliche Verwerfungen" geben.

nb