Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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Zinssenkungen schlechtes Omen für die Märkte? Leg Dich nicht mit der Fed an!

Stand: 19.09.2019, 11:33 Uhr

Sie hat es wieder getan: Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen hat die Fed den Leitzins gesenkt. Für die Aktienmärkte könnte dies ein schlechtes Signal sein. Laut Statistik geht es nach Zinssenkungen eher abwärts.

Zu den wichtigsten Börsenweisheiten gehört auch heute noch der Spruch "Don't fight the Fed!" ("Leg Dich nicht mit der Fed an!"). Damit ist gemeint, dass man sich bei der Anlagestrategie nicht gegen die Geldpolitik der US-Notenbank stemmen sollte.  

Zinssenkungen meist am Höhepunkt der Börsen-Rally

Das heißt aber auch, dass sich Anleger jetzt eher auf sinkende Kurse einstellen sollten. Denn wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, hat die Fed meist dann die Zinsen gedrückt, wenn die Aktienmärkte ihre Zenite erreicht hatten. So fiel der S&P 500 in den Jahren 2002 und 2007, nachdem die US-Notenbank einen Zinssenkungszyklus eingeleitet hatte.

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.004,78
Differenz relativ
+0,27%

Das könnte auch diesmal passieren. Der S&P 500 hat vor kurzem neue Rekordniveaus erklommen. Auch der Dow war nur knapp von seinen Höchstständen entfernt.

Allerdings ist momentan die große Ungewissheit, ob wir vor einem neuen Zinssenkungszyklus stehen oder ob die jüngsten Zinsschritte lediglich eine Art Vorsichtsmaßnahme gegen eine Konjunktureintrübung sind.

"Märkte stacheln Fed zu niedrigeren Zinsen an!"

Die Börsenweisheit "Don't fight the Fed" scheinen inzwischen viele Anleger zu beherzigen. Mehr noch: Sie üben den Schulterschluss mit der Fed. Josef Amato, Chefanlagestratege von Neuberger Berman, meint: "Heute scheinen die Märkte nicht mehr gegen die Fed zu kämpfen, sondern sie förmlich zu niedrigeren Zinsen noch anzustacheln."

Die Fed selbst wirkt inzwischen sogar wie ein Art Erfüllungsgehilfe der Märkte. Präsident Jerome Powell hat die Erwartungen der Anleger in jüngster Zeit meist voll getroffen. Manche Experten sprechen von einer neuen Symbiose zwischen Fed und Märkten.

Nur Mister Trump kämpft gegen die Fed

Nur einer will das nicht wahrhaben: US-Präsident Donald Trump. Er kämpft unbeirrt gegen die Fed und verlangt noch tiefere Zinsen. Vielleicht hat der politische Druck die US-Notenbank etwas beeinflusst. Aber mittel- und langfristig kann Trump die Unabhängigkeit der Notenbank nicht brechen.

nb

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Stimmen zum Zinsschritt der Fed "Die Fed hat geliefert!"

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW:
"Die Fed hat einmal mehr geliefert, was die Mehrzahl der Marktbeobachter - das LBBW Research eingeschlossen - von ihr im Vorfeld erwartet hatten. Die US-Wirtschaft wächst zwar insgesamt weiterhin mit moderatem Tempo und der US-Arbeitsmarkt zeigt sich robust gegenüber Zeichen der Wachstumsverlangsamung in einigen Teilen der Wirtschaft. Zudem zog die US-Kerninflation jüngst etwas an, was in der Summe durch Anlass gegeben hätte, mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik abzuwarten. Dass die Währungshüter dennoch ihre zweite Leitzinssenkung in Serie beschlossen haben, zeigt, dass man die Gefahren "von außen" (Handelsstreit, Brexit, Konjunkturschwäche in Europa) derzeit höher gewichtet als die heimische Wirtschaftsstärke. Das Abstimmverhalten der Währungshüter mit insgesamt drei abweichenden Voten (zwei für unveränderte Zinsen, eine für eine Senkung um 50 Basispunkte) zeigt jedoch einen anhaltenden Dissens über den geldpolitischen Kurs."