Sandra Navidi

Als Trader geduldiger Frauen sind die besseren Investoren

Stand: 04.12.2018, 15:01 Uhr

Am Kapitalmarkt mit Aktien oder Fonds handeln, oder das Anlageumfeld beurteilen - eigentlich doch eher eine männliche Domäne, oder? Mitnichten, wie eine Studie zeigt.

Turbulenzen an der Frankfurter Börse

Turbulenzen an der Frankfurter Börse. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Bereits mit so manchem Werbespot wird die Richtung klar, wenn es um Finanzgeschäfte geht. Meist erfolgsverwöhnt und selbstbewusst in die Kamera blickende "harte" Männer mit markanten Gesichtszügen machen ihre Deals an den Börsen der Welt. Per Laptop oder Smartphone, am Flughafen, im Golfclub oder anderen exklusiven Locations, stets souverän und überlegen.

Die internationale Welt des Geldes eben, da kommt die Frau höchstens als schmückendes Beiwerk vor. Und überhaupt, was versteht unsere "Mutti" schon von Hochfinanz? Ob Broker, Bank, Versicherung- oder Vermögensverwalter, wenn es um erfolgreiches Geld anlegen geht, sind die Herren der Schöpfung eben das Maß der Dinge. So weit das (sorgsam gepflegte) Image der Branche.

Frauen sind die besseren Trader

Wie aber sieht die Realität aus? Dass Werbespots meistens nicht der Maßstab für die Wahrheit sind, dürfte keine wirkliche Überraschung mehr sein. Zwar sind Frauen nach einer Studie des "Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung" (ZEW) zahlenmäßig den Männern als Kapitalmarktteilnehmer tatsächlich unterlegen. 15 Prozent der Frauen, aber 22 Prozent der Männer investieren in Anlageformen wie Aktien, Derivate oder Fondsanteile. Das sagt aber nichts über die Qualität der Anlageentscheidungen aus.

Die Finanzexpertin Sandra Navidi hat sich in Zusammenarbeit mit dem Online-Broker GKFX dieses Themas angenommen. GKFX-Deutschland-Chef Arkadius Materla kommt dabei zu einem klaren Ergebnis: Frauen weisen beim Trading bessere Ergebnisse auf als Männer.

Arkadius Materla, GKFX

Arkadius Materla. | Bildquelle: Unternehmen

„Einerseits meiden sie unkalkulierbare Risiken und gehen selten riskante Trades ein. Andererseits sind sie geduldig“, analysiert der Experte von GKFX. Geduld zahlt sich bekanntlich aus. Auch der Starinvestor Warren Buffett gehört zu der „Buy and Hold“-Fraktion. „Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Nervenstärke sind in der Finanzwelt eher bei Frauen zu finden“, ergänzt Materla.

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / AP Images, Montage: boerse.ARD.de

„Forschungen belegen, dass Frauen Risiken umsichtig verwalten, langfristig denken, relativ unvoreingenommene Entscheidungen treffen und letztendlich häufig eine höhere Kapitalrendite erzielen“, erläutert Navidi, Bestsellerautorin von „$uper Hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren“. In der Tat kam eine Untersuchung der US-Fondsgesellschaft Fidelity 2017 zu folgendem Ergebnis: Weibliche Kunden erwirtschaften im Schnitt 0,4 Prozent beziehungsweise 40 Basispunkte mehr als Männer.

Frauen sind immer noch unterrepräsentiert

„Teilweise liegt der Mangel an Frauen auch an ihnen selbst, da sie generell selbstkritischer und weniger selbstbewusst als ihre männlichen Kollegen sind“, ergänzt Navidi. Dass noch viel Nachholbedarf besteht, zeigt auch eine andere Statistik: Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2017 waren in den großen deutschen Banken nur neun Prozent in den Vorständen Frauen. In der Fondsbranche sollen es sogar nur sechs Prozent sein.

Aber das wird sich ändern, ist Arkadius Materla überzeugt. Denn kommende Generationen hätten ein wesentlich fortgeschritteneres Verhältnis zum Thema Gleichberechtigung und setzten sich immer mehr in männerdominierten Bereichen durch. Den Anlageergebnissen kann dies nur gut tun, wie die Zahlen jetzt schon zeigen.

rm