Börsenpsychologie

Verlieb Dich niemals in Deine Aktie! Don’t fall in love!

Stand: 23.06.2015, 10:54 Uhr

Verliebte Aktionäre sind wie Neurotiker

Verliebte sehen die Welt mit anderen Augen. Rosarot. Sie nehmen nur selektiv wahr. Warnungen werden kurzerhand ausgeblendet. Wenn der beste Freund mahnt, die Angebetete verfolge nur monetäre Interessen: Wer glaubt das schon? Das wird negiert. Die Strategie ist dann: Den bösen Freund eine Zeitlang nicht treffen. Oder ihn beschimpfen.

Bei Aktien ist das ebenso zu beobachten. Extrem bisweilen bei Papieren, die von Börsenbriefen stark gepusht werden. Da rottet sich schnell eine kleine Fangemeinde zusammen. Wenn die Medien diese Aktien kritisch beleuchten und davor warnen, gibt es hasserfüllte Mails an die Redaktion. boerse.ARD.de hat das einige Male erlebt. Der Überbringer der schlechten Botschaft ist der Böse.

Geistesblitz

Wenn die Kurse fallen: Kurzschluss im Gehirn. | Bildquelle: colourbox.de

Turbodyne - die Morddrohung

Wie heftig Börsianer reagieren können, erlebte Börsenkommentator Markus Koch zu den hitzigen Zeiten des Neuen Marktes. Für seine Berichterstattung über die Aktie Turbodyne erhielt er Morddrohungen. So ist das, wenn Verliebtheit in Obsession ausartet.

Forscher haben wissenschaftlich nachgewiesen, dass in der Verliebtheitsphase nur die Gehirnareale für Emotionen und Glücksgefühle aktiv sind. Andere Bereiche sind dagegen nahezu komplett lahmgelegt, unter anderem die Hirnregionen, die für Angst und Problemlösungen gebraucht werden, für negative Emotionen und kritisches Verhalten.

Schuld ist der Hormon-Cocktail

Biochemisch erklären lässt sich das irrationale Verhalten Verliebter mit dem zu niedrigen Serotoninspiegel. Das klingt widersprüchlich. Serotonin ist schließlich das Glücks-Hormon; und Verliebte sind glücklich. Da müsste dieses Hormon doch im Überfluss vorhanden sein. Ist es aber nicht. Verliebte haben einen sehr niedrigen Serotonin, er ist so niedrig wie bei einem Zwangsneurotiker. Aus biochemischer Sicht sind Verliebte daher auch krank. Sie sind auf das Objekt ihrer Begierde fixiert.

Bei Aktien ist eine derartige Obsession fatal. Schon Börsen-Altmeister André Kostolany hat davor gewarnt: "Man darf sich in eine Aktie nie verlieben und muss sich von ihr leicht trennen können, wenn SOS gerufen wird." So mancher Anleger schafft das nicht. Wo viel Geld ist, wie an der Börse, da ist eben auch viel Gefühl. Menschen sind ziemlich unfähig, Emotionen aus ihren Finanzentscheidungen raus zu lassen.

Irrationalität ist tief verwurzelt

Der Zusammenhang zwischen Börse und dem allgemeinen Verhalten ist nicht neu: "Was die Menschen im Privatleben falsch machen, machen sie auch an der Börse falsch. Tief verwurzelte Verhaltensweisen lassen Anleger auch an der Börse irrational handeln", erklärt Joachim Goldberg. Experten sehen eine fatale Abhängigkeit: Je höher die emotionale Verbundenheit, desto wahrscheinlicher ist es, einen Fehler zu machen.

Goldberg lehrt Anleger Disziplin und Selbsterkenntnis. Er ist Experte für die so genannte "Behavioral Finance", einer Fachrichtung der Kapitalmarktanalyse, die den Bogen zwischen Ökonomie und Psychologie spannt. Laut Goldberg sind die häufigsten Fehler der Anleger: Gewinne werden zu früh und Verluste zu spät realisiert. Und das alles bloß, weil Serotonin fehlt?!

Alle Kommentare (2)

Kommentar von "boerse.ARD.de" am 23.06.2015, 17:30 Uhr

Durchaus!

Kommentar von "Dawei" am 23.06.2015, 17:11 Uhr

Ihr kriegt wirklich Mails von Leuten, die ihre Aktie zu Unrecht behandelt fühlen?

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