Börsenpsychologie

Liebesschloss mit der Aufschrift Aktien

Verlieb Dich niemals in Deine Aktie! Don’t fall in love!

von von Bettina Seidl

Stand: 23.06.2015, 10:54 Uhr

Verliebtsein ist himmlisch. Die Hormone spielen verrückt, man wird geradezu euphorisch. Wie schön! Nur an der Börse ist das riskant. Geradezu fatal, wenn sich Anleger in ihre eigene Aktie verlieben.

Wer verliebt ist, ist nicht mehr zurechnungsfähig. Im Gehirn wird Dopamin freigesetzt, man schwebt im siebten Himmel, wird übermütig, zugleich süchtig und blind. So ähnlich ist das auch, wenn man sich in eine Aktie verliebt.

Die kleinen Höhenflüge kennt jeder Aktionär. Wenn die eigene Aktie steigt, schaut er zigmal in sein Depot, um sich daran zu ergötzen, wie sein Vermögen steigt. Die Laune steigt im Gleichschritt mit der Aktienkurve. Der Aktionär beschäftigt sich dann gern mit 'seinen' Aktien, liest alles dazu. Das belegen sogar die Statistiken der Online-Kursseiten. Steigt der Dax, steigen die Zugriffszahlen. Auch die Seiten von boerse.ARD.de werden an guten Börsentagen öfter angeklickt.

Aber wehe, die Kurse fallen. Der Tag ist vergällt. Am liebsten gar nicht mehr auf den Kurs schauen, denkt sich der Anleger. Nichts lesen, nichts hören, nichts denken! Er blendet das Geschehen an den Finanzmärkten lieber aus. Ebenfalls statistisch belegt: Die Klicks auf Börsenseiten gehen zurück.

Flugzeuge im Bauch

Wer sich jetzt ertappt fühlt: Keine Sorge, alles noch im grünen Bereich. Diese kleine Verliebtheit ist unproblematisch. Die Alarmglocken schrillen erst, wenn sich der Aktionär ernsthaft verliebt. Wenn er geradezu vernarrt ist in seine Aktie. Wenn er unzugänglich ist für sachliche Argumente. Wenn er irrational wie ein Verliebter sicher ist: Sie ist es! Nur sie!

Fehlentscheidungen? Gibt es für den Verliebten nicht. Wider jedwede Vernunft hält der verliebte Anleger an seinem Papier fest, komme was da wolle. Das ist gefährlich. Er wartet, dass die Aktie wieder steigt. Währenddessen fällt sie immer weiter und der Verlust wird täglich größer. Wer gibt schon gern zu, dass er den Markt falsch eingschätzt hat? Der Anleger weigert sich, die Verluste auf dem Papier in echte Verluste zu verwandeln. Sonst müsste sich er zumindest vor sich selbst seine Fehleinschätzung eingestehen. Dann also lieber an die Hoffnung klammern.

Verbilligen? Eine heikle Sache

Der dumme verliebte Aktionär geht sogar noch weiter. Er "verbilligt", wie es im Fachjargon heißt. Er glaubt bei einem stark gefallenen Kurs: Das ist DIE Gelegenheit und kauft nach. Neue, günstigere Aktien. Anleger rechnen sich dabei aus, dass sie ihren durchschnittlichen Kaufkurs ihrer Papiere drücken.

Prinzipiell richtig gedacht. Es macht Sinn, wenn es dem Unternehmen weiterhin gut geht. Aber gerade der Verliebte ist anfällig dafür, dass ihm wichtige Fakten durch die Lappen gehen, dass er etwa die verschlechterte Geschäftslage eines Unternehmens falsch einschätzt. Die Psychologie spielt ihm einen Streich.

Alle Kommentare (2)

Kommentar von "boerse.ARD.de" am 23.06.2015, 17:30 Uhr

Durchaus!

Kommentar von "Dawei" am 23.06.2015, 17:11 Uhr

Ihr kriegt wirklich Mails von Leuten, die ihre Aktie zu Unrecht behandelt fühlen?

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