Börsenwissen

Barometer zeigt stürmisches Wetter an

Das sollten Anleger besser im Auge behalten Das "Angstbarometer" VIX

von Angela Göpfert

Stand: 03.06.2014, 11:07 Uhr

Nimmt das Zick-Zack der Kurse zu, so ist dies häufig ein Vorbote fallender Aktiennotierungen. Anleger können diese Erkenntnis nutzen: Der Volatilitätsindex VIX bietet ihnen eine Entscheidungshilfe.

"Angstbarometer", diesen Titel haben die Märkte dem Volatilitätsindex VIX verliehen. Der Name kommt nicht von ungefähr, erfasst der VIX doch die vom Markt erwartete Schwankungsintensität des S&P 500: Der VIX misst die Preise, welche die Kapitalanleger bereit sind, für absichernde Put-Optionen auf diesen US-Index an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) zu zahlen.

Ein hoher VIX-Wert weist auf einen unruhigen, unsicheren Markt hin, niedrige Werte lassen dagegen eine Entwicklung ohne größere Kursschwankungen erwarten. Insofern dient der VIX als Maßzahl für die Angst der Anleger.

Das Herdenprinzip

Schließlich führen Verhaltensökonomen die Ausschläge der Kurse in unsicheren Zeiten gerne auf den Herdentrieb der Anleger zurück. Anstatt sich nämlich zurückzuhalten und vorsichtiger zu agieren, ändern diese in Zeiten der Krise ihre Meinung rasch - und je nach Stand der Börse. Sie kaufen, wenn alle kaufen - und sie verkaufen, wenn alle verkaufen.

Investoren verfahren damit nach dem Trial-and-Error-Prinzip, wie es der amerikanische Wirtschaftshistoriker Douglass North beschrieben hat: "In einer Welt voller Unsicherheit muss man eine Menge Dinge ausprobieren. Man kann nur hoffen, dass einige davon funktionieren."

Negative Korrelation mit S&P 500

In der Vergangenheit war stets zu beobachten, dass die Volatilität besonders bei nachgebenden Aktienkursen stark anstieg. Dagegen ging mit steigenden Aktienkursen nahezu immer ein Rückgang der Volatilität einher. Statistiker sprechen daher auch von einer negativen Korrelation zwischen VIX und S&P 500.

Sinkt also der der VIX, während die Aktienkurse klettern, so liefert dies eine Bestätigung des Aufwärtstrends an den Börsen. Steigt dagegen der VIX, so ist dies ein Warnzeichen: In der Vergangenheit deuteten sich so häufig frühzeitig fallende Aktienkurse an.

Historische Tief- und Höchststände

Der VIX wird seit 1993 von der CBOE berechnet. Damals bezog er sich noch auf den S&P 100, erst seit 2003 hat er den S&P 500 als Basiswert. Am 22. Dezember 1993 schloss er auf dem historischen Tiefstand von 9,31 Punkten, nur fünf Tage später erreichte er bei 8,89 Punkten ein historisches Verlaufstief.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise schraubte sich der VIX dagegen immer weiter nach oben, schoss bis auf ein Rekordhoch von 89,53 Punkten am 24. Oktober 2008 in die Höhe. Der höchste Tagesschlusskurs wurde vier Tage zuvor bei 80,86 Punkten erzielt.

Nicht der einzige Volatilitätsindikator ...

Der VIX ist natürlich nicht das einzige Volatilitätsmaß, so gibt es beispielsweise auch einen Volatilitätsindex für die 30 Dax-Standardwerte, den VDax. Analysten ziehen auch gerne die "Credit Spreads" hinzu, um die Unsicherheit am Markt besser einschätzen zu können.

"Diese Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen gegenüber als risikolos geltenden Staatsanleihen sind nicht nur ein exzellentes Risikomaß, sondern auch ein oft sehr genaues Barometer für den Aktienmarkt", meint etwa NordLB-Analyst Konrad Kleinfeld.

... aber der bedeutsamste

Trotzdem: Der VIX gilt immer noch als das wichtigste Volatilitätsmaß, bezieht er sich doch auf das wohl wichtigste Börsenbarometer der Welt: den S&P 500.