NYSE New York Stock Exchange am Abend angestrahlt

Hektische Aktivitäten im Crash Börsenkrisen sorgen für Handels-"Hochs"

Stand: 02.06.2020, 15:38 Uhr

Die Corona-Pandemie hat auch an den Weltbörsen Maßstäbe gesetzt. Nie zuvor hat sich der Börsenhandel so beschleunigt wie im Aktiencrash im März 2020. Eine Studie hat Parallelen zu anderen "Schocks" gefunden.

Wenn es an den Börsen kracht, dann aber richtig: Jäh fallende Kurse in Krisenzeiten gehen mit einem heftigen Anschwellen des Handelsvolumens einher. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Consorsbank, Tochter der französischen Großbank BNP Paribas. Sie hat die Handelsvolumina und "Anomalien" ausgewertet, die in den vergangenen 20 Jahren aufgetreten sind.

Corona und die Reaktionen der Finanzmärkten trieben die Handelsaktivität auf ungekannte Höhen. In der Studie sind die wochenweisen Käufe und Verkäufe von Consorsbank-Kunden zugrundegelegt, verglichen werden die "Krisenwochen" mit der sonst üblichen Menge an Orders.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.708,03
Differenz relativ
-1,37%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.489,46
Differenz relativ
-0,04%

Corona - und dann lange nichts

Die Ausschläge, die es dabei insbesondere in der elften Kalenderwoche gab, hatten die Experten so noch nicht gesehen. Die übliche Handelsaktivität steigerte sich in dem Zeitraum um rund 170 Prozent, stieg also fast auf das Dreifache an. Am 12. März hatte der Dax den höchsten Einbruch seiner Geschichte verzeichnet. In Sachen Handelshektik belegen im historischen Vergleich auch die Kalenderwochen neun, zwölf und 13 die Plätze zwei bis vier in der 20-Jahres-Statistik.

Die Auswertungen zeigen auch, dass es weniger punktuelle Ereignisse sind, die den Börsen heftige Verluste und Handelsaktivitäten bescheren. Die Autoren der Studie sprechen eher von einem "Spannungsabbau" - offenbar sorgt in Krisenzeiten eine aufkommende Panik dafür, dass sich Anleger ruckartig von ihren Positionen trennen, auch um den Preis hoher Verluste.

Auch Panik nutzt sich ab?

Um annähernd heftige Steigerungen des Handelsgeschehens in der Vergangenheit zu betrachten, muss man bis ins Jahr 2011 zurückgehen. Nachdem die Bonität der USA durch die Ratingagentur S&P zurückgestuft worden war, gab es im Herbst einen wöchentlichen Handelszuwachs um 115 Prozent. Die Angst um eine neue Schuldenkrise ging damals bei vielen Anlegern um. Fast ebenso stark schwollen die Handelsumsätze im Frühjahr 2011 an - die Reaktor-Katastrophe in Fukushima sorgte bei den Anlegern für Entsetzen.

Auch der China-Crash 2007, die Lehman-Pleite 2008 oder die Terroranschläge von Madrid 2004 hatten Wochen mit deutlich ansteigenden Handelszahlen zur Folge. Dass Angstthemen sich mit der Zeit sogar "abnutzen" können, zeigen die Auswirkungen weiterer Terrorakte auf die Börsen. Ähnliche Anschläge wie in Madrid in den Folgejahren in Paris, London oder Oslo "beeindruckten" die Investoren deutlich weniger. Überträgt man dies auf die Corona-Pandemie, dürften wohl auch neue Rückschläge wie eine zweite Infektionswelle die Anleger nicht mehr so stark aus der Fassung bringen wie im März.

AB