Risikoneigung vs. Aktien Europa

Sentix-Umfrage Anleger ohne Hemmungen

Stand: 24.01.2018, 11:21 Uhr

Die Aktienmärkte eilen von Rekord zu Rekord. Das katapultiert auch die Risikoneigung der Anleger auf einen neuen Höchststand. Ist das ein Vorbote für eine Korrektur?

Einer Umfrage der Marktforscher von Sentix zufolge zeigen die Aktien-Anleger derzeit soviel Risikobereitschaft wie noch nie. Der jetzt veröffentlichte Index "Risikoneigung bei Aktien“ hat ein neues Allzeithoch in der seit 2004 durchgeführten Umfrage erreicht.

Ganz hoch im Kurs stehen dabei Aktien aus den Schwellenländern, den Emerging Markets. Begehrlichkeiten wecken zudem die Börsengänge, also IPOs. Sie gelten als chancenreiche Investitionen. Hinzu komme, so Sentix, dass Anleger mehr und mehr prozyklisch agierten.

Weniger Dividendenpapiere

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
11.244,17
Differenz relativ
+1,61%

Die Risikobereitschaft leitet Sentix nicht nur aus der Höhe des Aktien-Engagements ab, sondern auch aus den bevorzugten Anlagesegmenten und Anlagepräferenzen. So haben die Investoren ihre Risikobereitschaft erhöht, indem sie vermehrt Neuemissionen zeichnen und das Aktienexposure in den Emerging Marktes ausbauen.

Gleichzeitig geht das Interesse an Dividendenpapieren zurück, zugunsten von Titeln mit hohen Kursgewinnen. Auch eine Handlungsabsicht in Richtung der vorherrschenden Trends werde von den Anlegern zunehmend präferiert. In Summe sei also die Risikofreude weiter gestiegen.

Vorbote einer Korrektur?

Aber Vorsicht: In der Vergangenheit war solch hohe Risikobereitschaft oftmals ein Vorbote für nahende Korrekturen oder sogar Trendwenden (siehe Markierungen im Chart oben). Tatsächlich verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die Notenbanken ihren expansiven Kurs verlassen könnten.

So hat die amerikanische Fed ihren Leitzins bereits angehoben und wird auch in diesem Jahr entsprechende Schritte gehen. Mit Spannung blicken die Anleger nun auf die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank. Eine baldige Anhebung der Leitzinsen gilt in der Eurozone zwar als unwahrscheinlich, doch könnte Bankchef Mario Draghi einen Hinweis auf eine weitere Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe geben. Auch wollen Experten nicht ausschließen, dass ein unerwartetes Anziehen der Inflation infolge der gestiegenen Ölpreise die Notenbanken zu einer frühzeitigen und rascheren Anhebung der Zinsen bewegen könnte.

Keine Euphorie aus Sicht der Deutschen Bank

Dieses Szenario dürfte an den Märkten für mehr Volatilität sorgen. Ein risikoreiches Anlageverhalten könnte in einem solchen Szenario bestraft werden, erklärt Sentix. Wer wollte einer solchen Aussage widersprechen. Für Tim Albrecht allerdings, Leiter DACH-Aktien bei der Deutschen Asset Management, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, kann von Euphorie bei den Anlegern nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Es herrsche vielmehr Skepsis, was eine ideale Voraussetzung für eine anhaltende Hausse sei.

Für den deutschen Aktienmarkt bleibt er deshalb optimistisch. Angesichts steigender Unternehmensgewinne seien die Bewertungen deutscher Aktien weiterhin moderat. Anleger könnten zudem mit Rekord-Dividenden rechnen. Im Schnitt betrage die Dividendenrendite der 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr rund drei Prozent.

Die aktuelle Umfrage von Sentix ist in der Zeit vom 18.1. bis zum 20.1.2018 unter rund 1.000 privaten und institutionellen Investoren durchgeführt worden. Sie wird seit 2004 monatlich via Internet erhoben. Die Risikoneigung für Aktien ermittelt sich aus den Angaben der bevorzugten Stile und Segmente. Ein Investor, der Value gegenüber Growth favorisiert, ist defensiver und damit weniger risikogeneigt als ein Investor, der zum Beispiel Small Caps gegenüber Large Caps favorisiert.

lg