Frau geht an Schriftzug

Das Weltwirtschaftsforum tagt Aktienmarkt: Dynamik dank Davos?

Stand: 21.01.2019, 14:18 Uhr

Seit Dienstag trifft sich die internationale Finanzelite im schweizerischen Davos, „um den Zustand der Welt zu verbessern“, wie der Slogan des Weltwirtschaftsforums WEF lautet. Für dieses Ziel braucht man einen langen Atem, die Börse denkt oft eher von Tag zu Tag.

Das offizielle Motto in Davos lautet "Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution", es gibt Diskussionsrunden zu Themen wie Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.

Sogenannte Entscheider und Vordenker, Politiker, Banker, Wissenschaftler, Hedge-Fonds-Manager und andere Mitglieder der internationalen Finanzelite können sich dort öffentlich oder privat austauschen und natürlich auch über das Geschäft reden – sie netzwerken, könnte man sagen. Auch Vertreter von NGOs oder Intellektuelle sind eingeladen. Für viele Kritiker ist das Treffen trotzdem so etwas wie eine neoliberale Elitenveranstaltung.

Daheim unabkömmlich

Einige für die Weltwirtschaft bedeutende Persönlichkeiten werden fehlen: US-Präsident Donald Trump hat die Teilnahme abgesagt, der französische Präsident Emmanuel Macron wird wegen der Gelbwesten-Proteste in Paris gebraucht, die britische Premierministerin Theresa May ist aus Brexit-Gründen in London unabkömmlich.      

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World Economic Forum in Davos: Den Zustand der Welt verbessern. | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Trotzdem erwarten die Organisatoren eine Rekordzahl von 300 Ministern und fast 60 Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in Davos erscheinen, aus China wird ist Vizepräsident Wang Qishan erwartet. Insgesamt sollen rund 3.000 Teilnehmer am Start sein.

Was hat das alles mit der Börse zu tun? Schließlich werden dort zwar international relevante ökonomische Probleme angesprochen und Lösungsmöglichkeiten behandelt. Auch wenn die Themen sicher börsenrelevant sind, ist gleichwohl nicht zu erwarten, dass Meldungen aus Davos die Kurse direkt bewegen.

„So gut wie gar nichts erreicht“

„Einzelne Reden von Politikern sind nicht das Hauptaugenmerk in Davos. Vielmehr steht der Dialog zwischen Wirtschaft, Finanzwelt und Politik oder zwischen einzelnen Staaten im Mittelpunkt“, sagte der Verwaltungsratschef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), Hans-Paul Bürkner der dpa. „Hier werden die Weichen gestellt, wie die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit adressiert werden sollen“, weiß Bürkner.  

„Nach dem gegenwärtigen Zustand der Welt zehn Jahre nach der Finanzkrise und dem dysfunktionalen Zustand der Weltpolitik zu urteilen, würde ich sagen, dass diese jährlichen Veranstaltungen so gut wie gar nichts erreicht haben“, stellt Michael Hewson, leitender Marktanalyst bei CMC Markets, fest.

Theresa May auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Theresa May 2018 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: In diesem Jahr daheim unabkömmlich . | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Mit dem Brexit, den globalen Handelskonflikten und dem weltweiten Aufstieg von Populisten werde diesmal aber die Politik „völlig“ die Diskussionen bestimmen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen hochrangigen europäischen Diplomaten. Entschieden wird darüber aber woanders.

ts