Opec-Gebäude in Wien Video

Vor dem wichtigen Opec-Treffen Wohin marschiert der Ölpreis?

Stand: 30.11.2017, 18:10 Uhr

Die Opec hat die Welt verblüfft. Trotz aller interner Streitigkeiten zwischen den Mitgliedsstaaten hat es das Erdölkartell geschafft, den Ölpreis hoch zu halten. Das könnte so weitergehen. Auf dem Opec-Gipfel in Wien wurde die Förderkürzung um weitere neun Monate verlängert.

Die (Anleger-) Welt schaut nach Wien. Auf dem Halbjahrestreffen des 24 Staaten umfassenden Erdölkartells steht viel auf dem Spiel. Die Opec muss ein klares Signal nach außen senden. Das hat sie offenbar getan. Am Abend verkündete Iraks Olminister, dass die die im Vorjahr beschlossenen Förderkürzungen um weitere neun Monate fortgesetzt werden.

Erdölförderanlage

Ölfeld. | Bildquelle: colourbox.de

Zur Erinnerung: Die Opec hatte sich vergangenes Jahr auf eine Kürzung der Fördermengen verständigt, um den Preis für das schwarze Gold zu stabilisieren. Wichtig dabei: Auch Russland, obwohl nicht Mitglied im Kartell, dafür aber einer der größten Produzenten weltweit, spielt(e) mit.

Das Vertrauen der Märkte in die Disziplin der Mitglieder war aber seinerzeit gering. Zu zerstritten sind die Mitglieder des Kartells, vor allem die Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien. Zudem stehen Länder wie beispielsweise Venezuela mit dem Rücken zur Wand. Deren Staatshaushalt steht und fällt ausschließlich mit dem Ölpreis. Förderverknappungen wurden zudem durch das amerikanische Angebot ausgeglichen, das im Zuge des Fracking-Booms reichlich vorhanden ist.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,58
Differenz relativ
+0,83%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
61,39
Differenz relativ
+1,00%

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Trotzdem, so scheint es, hat der Plan zur Überraschung vieler funktioniert, nicht nur wegen des robusten Verlaufs der Weltkonjunktur. Der Blick auf die Charts der wichtigen Nordseesorte Brent und des US-Leichtöls WTI (die beide als Preisindikator dienen, obwohl diese Sorten von der Opec gar nicht gefördert werden) spricht eine deutliche Sprache.

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Bringt’s die Opec?

Brent ist mittlerweile bei Kursen um knapp 63 Dollar je Fass so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr, genau wie WTI, das mittlerweile 57 Dollar kostet. Zwar ist das Niveau aus dem Jahr 2014, dem Beginn des dramatischen Preisverfalls, bei über 100 Dollar je Fass noch in weiter Ferne, die Tiefpunkte bei teilweise unter 30 Dollar je Fass sind aber lange vorbei. "Wir sind heute an einem Punkt, wo uns viele andere vor einem Jahr nicht gesehen hätten", sagt denn auch Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo.

Gegen die Saisonalität

Die stabile Preistendenz ist auch saisonal unüblich. Üblicherweise kostet Öl nämlich gerade in der kalten Jahreszeit, also wenn es gebraucht wird, weniger, wie der saisonale Chart zeigt. Viele Verbraucher haben sich nämlich schon im Sommer zu vermeintlich günstigeren Preisen eingedeckt, so dass die Nachfrage dann sinkt.

Rohöl saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonalcharts, Dimitri Speck

Erdöl ist genügend da

Hassan Rouhani, Präsident Iran

Hassan Rouhani, Präsident Iran. | Bildquelle: picture alliance / AA

Apropos Nachfrage: Zur Preisbildung gehören bekanntlich immer zwei. Und das Angebot dürfte 2018 so hoch sein, wie noch nie. "Die Ölförderung könnte kurzfristig steigen, wenn die Keystone-Ölpipeline in Kanada wieder in Betrieb geht. Nach einer Prognose der IEA steuert die US-Ölproduktion 2018 auf ein Allzeithoch zu", erklärt Ölexperte Alwin Schenk von Sal. Oppenheim in einer Stellungnahme zum Opec-Gipfel.

Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Für die Opec bedeutet dies, dass zu einer Beibehaltung der Förderbeschränkungen gar keine Alternative gibt. "Ohne eine Produktionsbeschränkung würde das globale Angebot aller Voraussicht nach deutlich stärker als die globale Ölnachfrage steigen", erläutert Hannes Loacker, Ölexperte der österreichischen Raiffeisen-Bank, gegenüber dem "Handelsblatt".

Aber ob Saudi-Arabien und der Iran ihre Disziplin aufrecht erhalten, wird immer fraglicher. Iran wurden nämlich vom Kartell wegen des jahrelangen Boykotts durch den Westen Zugeständnisse gemacht. Ob Gegenspieler Saudi-Arabien unter dem neuen starken Mann Mohammed bin Salman, weltweit der größte Ölproduzent noch vor Russland, da weiter mitmacht, ist fraglich. Beide Regionalmächte stehen nahe an offenen kriegerischen Auseinandersetzungen, im Jemen wird bereits ein blutiger Stellvertreterkrieg geführt. Öl ist eben auch immer Politik. Und die ist bekanntlich unberechenbar.

Ölaktien im Fokus

Auch die Börse schaut natürlich mit Spannung auf die Sitzung. Öl- (und Rohstoff)aktien gehören schließlich zu den hochgewichteten Papieren in den Indizes. Der deutsche Markt ist da kein guter Indikator, lediglich die BASF-Tochter Wintershall ist auch in der Förderung tätig.

In der Eurozone fallen noch die beiden Schwergewichte Total und Royal Dutch (zusammen mit der britischen Shell) ins Auge. In Großbritannien steht Multi BP zusammen mit vielen Rohstoffaktien auf dem Kurszettel. Und in den USA sind mit den beiden Riesen ExxonMobil und Chevron zwei große Tanker sogar im Leitindex Dow Jones. Hinzu kommen viele Ölausrüster.

rm/ nb

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ExxonMobil

Unangefochtener Branchenprimus, gemessen nach Börsenwert, ist ExxonMobil. Gut 342 Milliarden Dollar bringt das texanische Unternehmen derzeit auf die Waage. Donald Trumps Außenminister Rex Tillerson war langjähriger Firmenchef des Ölriesen. Im zweiten Quartal hat der Konzern seinen Gewinn fast verdoppelt. Der Überschuss legte von 1,7 auf 3,35 Milliarden Dollar zu. Die Produktion ging im Jahresvergleich um ein Prozent zurück.

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