Ein Goldbarren liegt auf einem Tisch

Kleiner Rücksetzer nach der Hausse Wird Gold jetzt wieder billiger?

Stand: 19.11.2019, 17:27 Uhr

2019 war für Gold-Anleger bisher ein Traumjahr. Das gelbe Edelmetall hat sich um knapp 15 Prozent verteuert. In den letzten Wochen bröckelte der Goldpreis aber etwas. Droht jetzt eine Korrektur?

Der befürchtete Weltuntergang ist ausgeblieben. Die Rezessionssignale sind verstummt, die Konjunktur-Frühindikatoren haben sich aufgehellt, die Fed hat eine Zins(senkungs)pause eingelegt, und die Börsen eilen von einem Hoch zum nächsten. Dow, S&P 500 und Nasdaq haben neue Rekorde aufgestellt.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Wirtschaftswelt scheint vorerst wieder in Ordnung. In solchen "normalen" Zeiten steht Gold nicht mehr hoch im Kurs. Kein Wunder, das der Preis für das gelbe Edelmetall seit Anfang September knapp 100 Dollar gesunken ist. Mit 1.445 Dollar je Feinunze wurde in der vergangenen Woche ein Dreimonats-Tief erreicht.

Erste Abflüsse bei Gold-ETFs

Die Commerzbank begründet den Rückgang mit einer kleinen Erholung am Anleihemarkt und mit Abflüssen von Gold-ETFs. Seit Anfang Oktober wurden die ETF-Bestände um gut 18 Tonnen abgebaut. Zudem gibt es inzwischen wieder mehr Anleihen, die eine positive Rendite aufweisen. Laut Bloomberg notierten jüngst Anleihen mit einem Volumen von 11,6 Billionen Dollar im Negativ-Bereich. Ende August war es noch ein Volumen von 17 Billionen Dollar gewesen. Die Commerzbank-Experten stellen sich die Frage, ob Gold-ETF-Anleger jetzt kalte Füße bekommen.

Die risikofreudigere Anlegerstimmung signalisiere kurzfristig ein Abwärtsrisiko für den Goldpreis, hat der Edelmetallhändler Heraeus festgestellt. Sollten China und die USA tatsächlich einen Deal vereinbaren und den seit Monaten andauernden Handelskonflikt zumindest vorläufig entschärfen, dürfte das gelbe Edelmetall weiter unter Druck geraten.

Sentix rechnet mit Konsolidierungsphase

Sollte sich jedoch das erhoffte Abkommen verzögern oder sollte es womöglich gar nicht zustande kommen, dann könnte Gold gleich wieder Auftrieb bekommen. Danach sieht es zurzeit freilich nicht aus.

Die Experten von Sentix rechnen mit weiter sinkenden Goldpreisen. Die Zeichen stünden auf die Konsolidierung, betonen sie in Börse Online. Die Anleger wittern eine Konjunkturerholung, und die Zinsen steigen.

Nachfrage nach Münze und Barren eingebrochen

Tatsächlich halten sich private Käufer momentan mit Goldkäufen sehr zurück. Wie das World Gold Council in seinem jüngsten Quartalsbericht herausgefunden hat, ist die weltweite Nachfrage nach Münzen und Barren im dritten Quartal eingebrochen - um gut die Hälfte auf 150,3 Tonnen. Vor allem in Indien und China, die für die Schmucknachfrage eine tragende Rolle spielen, schrumpften die Käufe um 35 Prozent sowie 51 Prozent.

Weltweite Goldnachfrage in Tonnen

Weltweite Goldnachfrage in Tonnen. | Bildquelle: Metals Focus, World Gold Council, Grafik: boerse.ARD.de

Dass die weltweite Goldnachfrage dennoch um 2,7 Prozent stieg, ist auf die Indexfonds zurückzuführen. Die Käufe kletterten um 258 Tonnen auf 2.855 Tonnen. Das sind die höchsten Zuflüsse seit 2016. "Gold über Indexfonds zu erwerben scheint derzeit besonders attraktiv zu sein", sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa-Goldhandel.

Notenbanken glauben weiter an Gold

Auch die Zentralbanken bleiben ein wichtiger Treiber des Goldpreises - nicht nur wegen ihrer lockeren Geldpolitik. In den ersten neun Monaten kauften sie bereits 548 Tonnen des Edelmetalls. Das ist fast schon so viel wie im gesamten Jahr 2018.

Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer von Stabilitas, ist überzeugt, dass die Gold-Hausse weitergeht. Schließlich sei die griechische Schuldenkrise weiter ungelöst, und Italiens Bankensystem schlittere von einer Finanzierungskrise in die nächste.

Andere Rohstoff-Experten sind da zurückhaltender in ihren Aussagen. Sollten die Zentralbanken auf dem Gaspedal bleiben und die geopolitischen Spannungen an halten, könnte der Goldpreis unter Umständen gar sein Allzeithoch von 1.920 Dollar knacken, meinte Mitte August Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg. Sollte die Welt aber wieder zur Vernunft kommen, würde auch der Goldpreis fallen. Es bleibt also spannend in der bizarren politisch getriebenen Gold-Welt.

nb