OPEC-Gebäude in Wien

Niedrige Ölpreise Wird die Opec krachend scheitern?

Stand: 03.04.2020, 11:51 Uhr

Der Opec sind die sehr niedrigen Ölpreise ein Dorn im Auge. Nun scheint das Ölkartell auf den ersten Blick starke Maßnahmen zu planen.

Die Minister der "Opec+"-Staaten wollen nach Angaben von Aserbaidschan am kommenden Montag über die Lage auf dem Energiemarkt beraten. Aserbaidschan erhielt laut einer Mitteilung des Energieministeriums in Baku von Freitag die Einladung zu der Videokonferenz am 6. April. Das Treffen sei ausgerichtet auf eine Stabilisierung auf dem Ölmarkt. Angesichts des Preiscrashs auf dem Markt war ein solches Treffen erwartet worden. In der Opec+ sind die Länder des Opec-Kartells sowie weitere große Förderländer wie Russland vertreten.

Die Ölpreise ziehen daraufhin wie etwas an. Nordseeöl der Sorte Brent kostet zur Juni-Lieferung 31,64 US-Dollar - 1,70 Dollar mehr als gestern. US-Öl der Sorte WTI wird für 25,81 Dollar gehandelt - 49 Cent mehr als am Donnerstag.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,57
Differenz relativ
+1,98%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
33,75
Differenz relativ
+2,12%

Bereits gestern hatten die Notierungen mehr als 20 Prozent zugelegt, nachdem Donald Trump eine Förderkürzung und damit eine Einigung im Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland angedeutet hatte. Nach einem Dementi der russischen Regierung und einer ausbleibenden Bestätigung aus Riad gaben die Preise schnell wieder nach.

Investoren bekamen Zweifel, ob die von US-Präsident Trump im Aussicht gestellte Reduzierung der Fördermenge um zehn oder gar 15 Millionen Barrel pro Tag realistisch sei, sagten die Analysten der ING Bank.

Eine derartige Kürzung könne die Opec+ nicht verkraften. Nach Einschätzung von Helima Croft, Chef-Anlagestrategin für Rohstoffe bei der Investmentbank RBC Capital Markets, werde Saudi-Arabien die Produktion auf maximal etwa 8,5 von derzeit zwölf Millionen Barrel pro Tag reduzieren.

Eine Vereinbarung zwischen Russland und Saudi-Arabien sei nicht einfach zu erreichen. "Ansonsten hätten sie es bereits im März getan", sagte Margaret Yang, Analystin von CMC Markets, dem Sender Bloomberg TV. Der Preissprung am Donnerstag dürfte nur eine technische Erholung sein.

Viel zu geringe Nachfrage

Es gibt durchaus Schätzungen, dass den Ölmärkten derzeit eine Nachfrage von 35 Millionen Barrel pro Tag fehlt. Selbst wenn die klassischen Opec-Mitglieder komplett auf ihre Förderung verzichten würden, wäre noch zu viel Öl am Markt. Dass die Ölpreise derzeit nicht noch viel niedriger notieren, dürfte nur der Tatsache geschuldet sein, dass manche Länder derzeit ihre noch freien Lagerkapazitäten befüllen - oder in Tankern bunkern und auf bessere Zeiten hoffen.

Ohne ein Ende der Corona-Krise dürfte es auch kein Ende der Krise an den Ölmärkten geben - bis dahin erscheinen zehn Dollar wahrscheinlicher als 50 Dollar.

ME/dpa