Arbeiter in einem Öl-Tanklager, Jurong, Singapur

Nachfrageeinbruch in China Wird der Ölhahn jetzt stärker zugedreht?

Stand: 06.02.2020, 11:45 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus bremst die Wirtschaft in China - und sorgt für eine deutlich geringere Ölnachfrage. In Wien berät deshalb die "Opec+" über eine Drosselung der Fördermenge. Die Ölpreise erholen sich weiter.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Rohölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich bis zum Mittag um 0,9 Prozent auf 55,75 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI stieg um 1,19 Dollar auf 51,94 Dollar. Bereits gestern waren die Ölpreise angezogen – in der Hoffnung auf eine baldige Eindämmung des Coronavirus. Medien hatten vom Durchbruch bei einem Medikament gegen das Virus berichtet. Zur Behandlung von Erkrankten haben chinesische Behörden das amerikanische Anti-Virus-Mittel Remdesivir für klinische Versuche zugelassen.

Entspannung im Handelsstreit

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Für Zuversicht am Ölmarkt sorgte auch weitere Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Die Regierung in Peking kündigte an, Sonderzölle auf Importe amerikanischer Waren im Wert von 75 Milliarden Dollar zu halbieren. Der Schritt erfolgt im Rahmen der Teilvereinbarung zur Entschärfung des Handelskonflikts zwischen den beiden Streithähnen.

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Börse 7.45 Uhr: China kappt US-Importzölle

Opec+ berät über Senkung der Produktion

Darüber hinaus berät die Opec Insidern zufolge mit ihren Verbündeten über eine zusätzliche Drosselung der Ölfördermengen um 600.000 Barrel pro Tag. In Wien diskutieren seit Dienstag Mitglieder des Ölkartells und Vertretern assoziierter Staaten, darunter vor allem Russland, über die Lage auf den Ölmärkten. Das ursprünglich für zwei Tage angesetzte Treffen des Zusammenschlusses "Opec+" wurde um einen dritten Tag verlängert.

Allerdings ist ungewiss, ob Saudi-Arabien eine Drosselung der Ölförderung mitmacht. Das Königreich hat die Produktion bereits auf das niedrigste Niveau seit sechs Jahren gesenkt.

Ein Viertel weniger Ölverbrauch in China?

Die Verringerung der Ölproduktion könnte zu einer Stabilisierung der Ölpreise führen. Diese waren zuletzt deutlich gesunken - unter anderem wegen des Corona-Virus. Die Stilllegung zahlreicher chinesischer Fabriken und die Einstellung von Flugverbindungen haben zu einem spürbaren Nachfragerückgang gesorgt. Experten sprechen von einen Minus von 25 Prozent. Die Nachrichtenagentur Bloomberg geht von einer Abnahme des Ölverbrauchs um mehr als 20 Prozent aus - rund drei Millionen Barrel pro Tag. Analystenschätzungen zufolge könnte durch das Virus die weltweite Ölnachfrage 2020 um bis zu 0,5 Prozent sinken. Der Nachfrageeinbruch in China dürfte laut Medienberichten der größte Schock für den Ölmarkt seit der Finanzkrise 2008/09 sein.

nb