Kakaobohnen

Klimawandel und Pilzbefall Wird bald die Schokolade knapp?

Stand: 23.01.2020, 13:14 Uhr

Für die süßen Verführungen des Lebens ist er ein unverzichtbarer Grundstoff: Kakao. Doch der Klimawandel und die damit verbundene Erderwärmung könnten den Rohstoff bald zur Rarität werden lassen, warnen Experten. Realität oder Panikmache?

Wirklich neu ist das Szenario eines drohenden Produktionseinbruchs von Kakao nicht. Bereits vor fünf Jahren warnten Wissenschaftler vor einem Ernteausfall bei Kakaobohnen aus Ghana, einem der wichtigsten Anbauländer der Pflanze.

Tatsächlich kam es zu einem drastischen Rückgang der Produktion. Statt einer Million Tonnen wie geplant, ernteten Ghanas Kakaobauern nur rund 700.000 Tonnen - 30 Prozent weniger. Als Hauptgrund wurde der Klimawandel angegeben. Dadurch regne es zu unregelmäßig, manchmal zu wenig, manchmal zu viel, und die Temperaturen stiegen.

Gift für die Kakaobäume

Das sei Gift für die sensiblen Kakaobäume. Denn regne es zu wenig, wüchsen nur wenige Früchte, regne es zu viel, gebe es Probleme mit Schädlingen und Pilzbefall, so das Cocoa Research Institute of Ghana. Wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten werde, komme der Zeitpunkt, an dem Kakao in Ghana nicht mehr angebaut werden könne, so die Behörde weiter.

Vier verschiedene Schokoladetafeln liegen übereinander

Schokoladetafeln. | Bildquelle: colourbox.de

Bereits 2011 hatte die UNO Alarm geschlagen: Die Farmer müssten lernen, ihre Plantagen nachhaltiger zu bewirtschaften, sonst sei ihre Zukunft in Gefahr. Wirklich passiert ist allerdings wenig. Auch ist der Kakaopreis, der 2015 auf unerwartete Höhen gestiegen war, längst wieder gesunken.

Horrorszenario

Doch nun schlagen die Wissenschaftler erneut Alarm. Basierend auf Studien des International Center for Tropical Agriculture CIAT warnen Wissenschaftler erneut, dass 2050 in Ghana und der benachbarten Elfenbeinküste fast 90 Prozent der derzeitigen Anbaufläche nicht mehr geeignet sein werden. Noch dringlicher stellte es die Nachrichtenagentur Bloomberg dar: Bereits 2030 werde der weltweite Kakao-Bedarf nicht mehr gedeckt sein, weil zwei Millionen Tonnen Kakao fehlten.

Ein Horrorszenario für alle Schokoladenliebhaber, erwirtschaften doch die beiden westafrikanischen Staaten, allen voran die Elfenbeinküste, mit zuletzt 2,5 Millionen Tonnen Rohkakao allein gut 60 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion.

Erst in den letzten Jahren sind auch andere Länder wie Indonesien, Ecuador oder Brasilien in die Kakaoproduktion eingestiegen. Dennoch dürfte ein drastischer Einbruch der Produktion in Westafrika zu einem bedrohlichen Engpass führen.

Kakaopreisentwicklung in Euro pro Tonne 2015-2020

Kakaopreisentwicklung.

Tückisches Virus

Denn entlang des Äquators herrschen ideale Witterungsbedingungen für die Kakao-Pflanze, nämlich viel Regen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen. Ein globaler Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius würde dieses Gleichgewicht empfindlich stören.

Dabei ist das nicht die einzige Gefahr für die Kakaopflanze. Ein tückisches Virus namens CSSD (Cacao Swollen Shoot Disease) hat vor allem in Ghana viele Bäume infiziert. Das Land musste bereits seine Lieferzusagen an den Weltmarkt für Kakao nach unten korrigieren.

Kakaopflanze

Kakaopflanze. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

16 Prozent aller Kakaobäume Ghanas sind offiziellen Angaben zufolge infiziert. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch noch höher liegen, da die Symptome der Krankheit erst nach ein bis drei Jahren sichtbar werden.

Nun versuchen Wissenschaftler zu verhindern, dass die Seuche auf die Gewächse der Elfenbeinküste übergreift, den mit 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit mit Abstand größten Kakaoproduzenten.

Keine Panik an den Börsen

Von Panik ist an den sensiblen Börsen nichts zu spüren. Der Preis pro Tonne von zuletzt 2.371 Euro liegt zwar 27 Prozent über dem vor einem Jahr. Doch 2015 und 2016 wurden weitaus höhere Preise gezahlt, von bis 3.270 Euro pro Tonne. Zudem sind Kurssprünge bei Rohstoffen keine Seltenheit. Das gilt besonders für Kakao, wo es neben der wetterbedingten Schwankungen auch auf andere Faktoren wie Lagerbestände und geopolitische Risiken ankommt.

Ob es zu einem klimabedingten Produktionsausfall kommt oder nicht: Die weltweite Nachfrage nach Schokoladenprodukten dürfte langfristig mit der wachsenden Weltbevölkerung und einer größeren Mittelschicht zunehmen.

lg

Die größten Kakao-Verarbeiter der Welt

Die größten Kakao-Verarbeiter der Welt. | Bildquelle: Südwind-Institut, Grafik: boerse.ARD.de