Opec-Teilnehmer schemenhaft auf einem abgedunkelten Podium in blauem Licht

Showdown in Wien Wer hat Angst vor der Opec?

von Angela Göpfert

Stand: 22.06.2018, 06:45 Uhr

Die Opec gibt sich vor ihrem heutigen Treffen in Wien so unersättlich wie eh und je. 100 Dollar für das Fass Öl – warum nicht!? Als letzte Hoffnung der Autofahrer könnte sich ausgerechnet Donald Trump entpuppen.

1,45 Euro für den Liter Super? Keine Seltenheit in diesen Tagen. Ausgerechnet zu Beginn der Hauptreisezeit notieren die Spritpreise nahe ihrer Jahreshochs.

Wesentlicher Grund sind die deutlich gestiegenen Ölpreise. So hat sich das Fass Rohöl der Nordseesorte Brent auf Jahressicht um mehr als 60 Prozent auf über 75 US-Dollar verteuert. Bei der US-Sorte WTI bietet sich ein ähnliches Bild.

Ölpreis WTI in US $

Der rasante Preisanstieg der Ölpreise spiegelt sich auch an der Tankstelle wider . | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Tränen hier, Lächeln da

Was den Autofahrern Tränen in die Augen steigen lässt, zaubert den Protagonisten in den Reihen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ein Lächeln ins Gesicht. Nicht wenige träumen schon wieder von einem Ölpreis von 100 Dollar.

Ob dieser (Alp-)Traum wahr wird oder nicht – darüber entscheidet maßgeblich die Opec auf ihrer heutigen Konferenz in Wien. Laut Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse der Commerzbank, könnte es "eines der schlimmsten Opec-Treffen seit 2011" werden. In den Reihen des Ölkartells ist ein offener Streit über die weitere Strategie entbrannt.

Opec-Länder

Der 1960 gegründeten Opec gehören derzeit 14 Staaten an. | Bildquelle: Opec, Grafik: boerse.ARD.de

Iran und Venezuela als Preistreiber

Während Saudi-Arabien – das dominante Mitglied in der Opec – sich zusammen mit Russland für eine Ausweitung der Förderung ausspricht, halten Länder wie Irak, Iran und Venezuela dagegen und plädieren für einen Fortgang der Anfang 2017 installierten Angebotsgrenze.

Denn diese Länder können ihre Förderung gar nicht ausweiten – im Gegenteil: Die Internationale Energieagentur (IEA) geht für das kommende Jahr von einer deutlich geringeren Ölförderung des Iran und Venezuelas aus. Die beiden Opec-Länder könnten fast 30 Prozent ihrer Produktion einbüßen.

Iran Öl

Neue US-Sanktionen setzen Ölproduktion im Iran unter Druck . | Bildquelle: colourbox.de

Gefahr für die globale Konjunktur

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ARD-Börse: Frühstück - Vor der Opec-Sitzung

Während Iran unter der Wiedereinführung der US-Sanktionen leidet, macht Venezuela seine gegenwärtige ökonomische Krise zu schaffen. Daher setzen diese Länder lieber auf höhere Notierungen.

Dabei liegt die Gefahr eines zu hohen Ölpreises liegt auf der Hand: Schnellt der Ölpreis ungehemmt in die Höhe, würde das die globale Konjunktur empfindlich abbremsen. Die Ölnachfrage würde zurückgehen und das Angebot der US-Schieferölproduzenten weiter zunehmen.

Macht die Opec den gleichen Fehler wie 2008?

So blöd kann doch keiner in der Opec sein, dass er das in Kauf nimmt? Oh doch, das zeigt ein Blick in die Geschichte. 2008 weigerte sich die Organisation – trotz eines massiv anziehenden Ölpreises – beharrlich, die Produktion auszuweiten.

Der Preis stieg weiter bis auf 145 Dollar je Fass. Doch dann kam der Einbruch – und er trug Züge eines Crashs. Am Ende des Jahres stand Öl bei 40 Dollar.

Ölpreis WTI 2008 in US $

Das Jahr 2008 - ein Lehrstück über verfehlte Opec-Politik. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Hat die Opec also aus der Geschichte nichts gelernt? Fakt ist: Eine Ausweitung der Förderung abzulehnen, wäre derzeit das größte Eigentor der Opec.

Wehe, wenn der US-Präsident twittert…

Druck auf die Opec kommt dabei auch aus den USA, so twitterte Donald Trump vor kurzem: "Öl-Preise zu hoch, Opec ist wieder am Werk. Nicht gut!" Der US-Präsident hat großen Einfluss auf das wichtigste Opec-Land Saudi-Arabien.

»Donald Trump versteht sich mit den Saudis hervorragend. Insofern sollte es den US-Amerikanern gelingen, eine obere Grenze bei 80 Dollar für Brent einzuziehen. Darüber droht ein Abwürgen der Konjunktur.«

Robert Rethfeld, Marktexperte von "Wellenreiter-Invest"

Letzte Hoffnung Donald Trump?

Donald Trump wird so zu einem Hoffnungsträger – wer hätte das gedacht?! Doch das gilt nur unter einer Voraussetzung: Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert nicht weiter, und die Chinesen machen nicht Ernst mit ihrem Strafzoll von 25 Prozent auf US-Rohöl.

Donald Trump

Zünglein an der Waage - der unberechenbare Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance/ZUMA Press

Das wiederum würde nämlich die Nachfrage Chinas – immerhin der wichtigste Öl-Importeur der Welt – auf andere Anbieter umleiten und so insbesondere den Preis für die Nordseesorte Brent massiv nach oben treiben.

So oder so – es scheint wieder einmal (fast) alles an Trump zu hängen.

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Die fünf größten Ölkonzerne der Welt Historische Wurzeln

Exxon

1. ExxonMobil
Unangefochtener Branchenprimus, gemessen nach Börsenwert, ist ExxonMobil. Gut 293 Milliarden Dollar bringt das texanische Unternehmen derzeit auf die Waage. Das Unternehmen gilt als direkter Nachfolger der Standard Oil Company von John D. Rockefeller.