Kaffeebohnen quellen aus einem Jutesack

Kaffeepreis auf Zwölf-Jahres-Tief Weniger als ein Dollar für ein Pfund

Stand: 05.10.2018, 10:02 Uhr

Viele Menschen geben immer mehr Geld für ihren Kaffeegenuss aus. Das braune Getränk ist das Lieblingsgetränk der Deutschen, noch vor Bier. Von sinkenden Kaffeepreisen merken die Verbraucher daher wenig. Dabei ist der Preis für Rohkaffee im freien Fall.

Der 20. September dürfte in die Annalen der Kaffeebranche eingehen. An diesem Tag ist der Preis für ein Pfund (0,45 Kilo) Arabica an der New Yorker Börse unter die Marke von einem Dollar gefallen - zum ersten Mal seit zwölf Jahren. Und glaubt man den Experten, ist damit noch lange kein Boden gefunden.

"Wir können die Zukunft nicht vorhersehen, aber es würde uns nicht wundern, wenn die Kaffeepreise weiter fallen, auf 93,5 Cent, 84,5 oder gar 70 Cent", wird ein Kaffeehändler zitiert. Einige erinnern gar an die beiden großen Krisen zwischen 1989 und 1994 sowie zwischen 2000 und 2005. Damals war der Preis für ein Pfund Arabica auf 40 bis 50 Dollar-Cent gefallen.

Vor zwei Jahren begonnen

Begonnen hat der jüngste Abstieg vor fast genau zwei Jahren, am 8. November 2016, als Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Damals kostete ein Pfund Arabica rund 1,80 Dollar. Seitdem kannte der Kaffeepreis praktisch nur eine Richtung: nach unten. Bis er an diesem 20. September 2018 die Marke von 100 Cent, also einem Dollar, durchbrach.

Während die Verbraucher in den westlichen Ländern von diesem Preisschwund so gut wie nichts spüren, zahlen sie doch für ihren Espresso oder Cappuccino den gleichen Preis wie vor 22 Monaten, wenn nicht sogar etwas mehr, hat sich die Lage für die Kaffeebauern dramatisch verschlechtert.

Kaffeepreis ($/lb.) von 1. April bis 5. Oktober 2018

Preis für Arabica-Kaffee. | Grafik: boerse.ARD.de

Verzweifelte Kaffeebauern

Mit einem öffentlichen Appell wandten sie sich letzte Woche an Großkonzerne wie Nestlé und Starbucks. "Unsere Lage ist verzweifelt", sagte Roberto Velez, Sprecher der kolumbianischen Kaffeebauern. Allein in Kolumbien lägen die Produktionskosten für ein Pfund Arabica bei 1,20 Dollar, in El Salvador bei 1,50 Dollar. Die Kaffeebauern forderten die Konzerne auf - die zehn größten Firmen beherrschen weltweit über 30 Prozent des Marktes -, ihnen zumindest die Produktionskosten zu ersetzen.

Eine solche Geste sei in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Sicherheit in diesen Ländern, betonte Velez in der "Financial Times". Denn in Kolumbien würden Bauern bereits Koka für die Kokainproduktion anpflanzen statt Kaffee, anderswo würden Kaffeebauern die Landwirtschaft aufgeben und nach Jobs suchen.

Kaffeeernte in Brasilien

Kaffeeernte in Brasilien. | Quelle: picture-alliance/dpa

Rekordernte in Brasilien

Der Grund für den anhaltenden Preisverfall ist zunächst banal: In Brasilien, einem der größten Kaffeeproduzenten der Welt, wurde in diesem Jahr eine Rekordernte eingefahren. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde Conab (Companhia Nacional de Abastecimento) wird eine Steigerung von 33,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet, auf 59,9 Millionen Sack (60 Kilogramm). Grund sind die guten Wetterbedingungen und der Zwei-Jahres-Zyklus bei Arabica.

Zudem macht Arabica-Kaffee den größten Teil der Produktion aus. Allein in Brasilien wird in diesem Jahr mit einer Ernte von 45,9 Millionen Sack gerechnet, 34,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Robusta-Kaffee wird mit 14 Millionen Sack gerechnet, 30 Prozent mehr als im Jahr 2017.

Spekulationsobjekt Kaffee

Neben dem starken Ernteanstieg spielt auch der Verfall des brasilianischen Reals eine Rolle. Gegenüber dem Dollar hat die Währung binnen eines Jahres fast 23 Prozent an Wert verloren. Hinzu kommt, dass Kaffee wie jeder andere Rohstoff auch an der Börse gehandelt wird und Hedgefonds gern auf fallende oder steigende Preise wetten.

Schätzungen zufolge sind in diesem Jahr 16 bis 17 Mal so viele Wetten auf fallende Kaffeepreise abgeschlossen worden wie 2017. Im August hätten diese Terminkontrakte fast 20 Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion erfasst. Und noch ist kein Ende des Preisverfalls abzusehen...

lg