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Schnelle Normalisierung oder schlimmer als der Golfkrieg? Stimmen zum Ölpreis-Anstieg

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts
Ifo-Chef Clemens Fuest rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa. Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt."

Schnelle Normalisierung oder schlimmer als der Golfkrieg? Stimmen zum Ölpreis-Anstieg

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts
Ifo-Chef Clemens Fuest rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa. Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt."

Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenanalyse Commerzbank

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank
"Dieser Angriff zeigt, wie verwundbar die saudische Ölproduktion ist", sagte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Dieser Aspekt dürfte nicht allen Marktteilnehmern bewusst gewesen sein.

Jim Reid, Deutsche Bank

Jim Reid, Deutsche Bank
Nach Aussage von Jim Reid von der Deutschen Bank war der Anstieg des Terminkontrakts auf die Ölsorte Brent unmittelbar nach den Agriffen auf die Raffinerie der stärkste seit der Auflage des Futures 1988. Der Angriff selbst sei die größte Störung der Ölproduktion überhaupt und stelle sogar noch die Unterbrechung der Förderung in Kuwait und dem Irak nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait im August 1990 in den Schatten.

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer
"Der Drohnenangriff hat den Rohölpreis um sieben Dollar ansteigen lassen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das erhöht die deutsche Ölrechnung um schätzungsweise fünf Milliarden Euro." Das entspreche allerdings nicht einmal 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ganz anders sähe die Lage aus, wenn die USA einen Krieg gegen den Iran beginnen sollten. "Das würde die gesamte Golfregion destabilisieren", betonte Krämer. "Immerhin gehen 30 Prozent der seewärtigen Ölexporte durch die Straße von Hormus." In diesem Risikoszenario wäre eine Verdoppelung des Ölpreises nicht ausgeschlossen. "Dann würde sich die deutsche Ölrechnung um einen Betrag erhöhen, der 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspräche", so der Experte. "Das wäre ein riesiges Problem für die deutsche Wirtschaft, zumal ein Krieg mit dem Iran die allgemeine Unsicherheit massiv erhöhen würde."

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank
"Ein Anstieg der Ölpreise um zehn Euro pro Barrel würde die deutsche Wirtschaft vermutlich endgültig aus der Stagnation in eine milde Rezession abrutschen lassen", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Er sieht jedoch gute Chancen dafür, dass sich der Ölmarkt wieder beruhigt. "Allein am Öl wird es wohl nicht liegen, ob es zur Rezession kommt", sagte er deshalb. Ein dauerhafter starker Anstieg der Ölpreise ist aus Sicht des Bankhauses unwahrscheinlich. Kurzfristige Produktionsausfälle könnten wohl durch das Anzapfen strategischer Ölreserven ausgeglichen werden. Hinzu komme, dass das Angebot an Rohöl heute flexibler sei als früher, nicht zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Förderung in den USA.

Andreas Rees HVB - UniCredit

Andreas Rees HVB - UniCredit
Wenn es sich lediglich um einen kurzfristigen Effekt von einigen Tagen handele, werde dies keine spürbaren Auswirkungen auf die Konjunktur haben, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Andere ölproduzierenden Länder könnten ihre Produktion erhöhen und den Ölmarkt stabilisieren. "Allerdings könnten die geopolitischen Unsicherheiten die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten belasten, in Deutschland und weltweit", warnte Rees. "Neben dem Handelskonflikt und dem Brexit ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu gekommen."

Goldman Sachs Tower

Goldman Sachs
Wie stark die Erdölpreise auf den Drohnenangriff reagieren werden, hängt nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie der US-Bank.

Mark Haefele, UBS

Mark Haefele, UBS
"Während die Anschläge einen weiteren Gegenwind für eine Weltwirtschaft darstellen, die bereits durch die Verschlechterung der Produktionstätigkeit und erhöhte Handelsspannungen erschüttert wird, glauben wir nicht, dass diese kurzfristige Störung der Ölproduktion eine globale Rezession auslösen wird", kommentierte Mark Haefele, Chief Investment Officer der UBS.

Milan Cutkovic, Axitrader

Milan Cutkovic, AxiTrader
"Höhere Ölpreise belasten zwar auch direkt die Wirtschaft", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Die Angst, dass sich die geopolitischen Spannungen nun weiter verschärfen, wiegt aber schwerer."