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Was steckt im Öl? Mehr als nur Benzin

Ölkanister

Schwarz, schmierig, aus den Tiefen unter uns. Wenn es teurer wird, steigen die Spritpreise meist gleich mit. Schließlich wird daraus doch Benzin und Diesel gemacht. Die Rede ist vom Öl. Im schwarzen Gold steckt viel mehr als nur der Kraftstoff für unsere Motoren: In vielen anderen Lebensbereichen spielen die Produkte der Raffinerien eine Rolle. Lesen Sie hier, was aus einer Tonne Öl alles entsteht.

Was steckt im Öl? Mehr als nur Benzin

Ölkanister

Schwarz, schmierig, aus den Tiefen unter uns. Wenn es teurer wird, steigen die Spritpreise meist gleich mit. Schließlich wird daraus doch Benzin und Diesel gemacht. Die Rede ist vom Öl. Im schwarzen Gold steckt viel mehr als nur der Kraftstoff für unsere Motoren: In vielen anderen Lebensbereichen spielen die Produkte der Raffinerien eine Rolle. Lesen Sie hier, was aus einer Tonne Öl alles entsteht.

Amerikanischer LKW

Diesel & Heizöl
Mit durchschnittlich 390 Litern aus einer Tonne machen Diesel und Heizöl den Löwenanteil an Öl-Produkten aus. Besonders in Deutschland, Frankreich und Italien wird Diesel getankt. Der Verbrauch an Diesel-Kraftstoff steigt immer weiter. Nicht nur die Logistikbranche, die mit ihren Lkw-Flotten größtenteils auf Diesel setzt, auch der private Autofahrer sorgen für eine starke Nachfrage. Chemisch sehr nah am Diesel wird Heizöl, wie der Name schon andeutet, hauptsächlich zum Heizen verwendet. Früher hatten milde Winter starke Auswirkungen auf den Diesel- und Heizölpreis, da dann die Nachfrage zurückging.

Benzinzapfhahn

Benzin
Gleich nach Diesel kommt der Spritklassiker: 200 Liter des Lebenselixirs von Ottomotoren gewinnt eine Raffinerie neben anderen Produkten aus einer Tonne Rohöl. Benzin ist ein beliebter Treibstoff, vor allem für Pkw und Motorräder. In den letzten Jahren ging die Nachfrage allerdings etwas zurück; der deutsche Autofahrer orientiert sich mehr zum Diesel hin. Waren 2006 noch knapp 36.000 Benziner und 10.000 Diesel-Pkw gemeldet, sind es heute nur noch knapp 30.000 Autos mit Ottomotoren und etwa 14.000 Diesel-Fahrzeuge.

Schiffsmotor

Schweröl
An dritter Stelle ein berüchtigter Umweltsünder: Schweröl entsteht als Rückstand bei der Erdölverarbeitung. Vermischt mit Diesel dient es als Treibstoff für Großdieselmotoren, wie sie beispielsweise in Schiffen zum Einsatz kommen. Beim Einlaufen in den Hafen müssen die Schiffe oft mit schadstoffärmeren Treibstoffen betrieben werden, da sonst Risiken für Gesundheit und Umwelt nicht auszuschließen sind. In der Stromerzeugung spielt Schweröl ebenfalls eine Rolle. Durchschnittlich 130 Liter Schweröl werden zusammen mit anderen Produkten aus einer Tonne Rohöl gewonnen.

Ein Flugzeug wird betankt

Kerosin
Es brennt leicht und ist in der Luftfahrt äußerst beliebt. Mit knapp 68 Litern Durchschnitt aus einer Tonne Rohöl steht der Triebwerktreibstoff auch noch recht gut da: Kerosin wird hauptsächlich als Treibstoff für Flugzeuge und Hubschrauber verwendet. Es entsteht als Abfallprodukt auf dem Weg zum Diesel und ist deshalb im Vergleich zu anderen Kraftstoffen sehr günstig. Da Flugzeuge enorme Mengen an Kraftstoff verbrauchen, ist Kerosin hier der Treibstoff der Wahl.

Rote und graue Gasflaschen

Gase
Wenn eine Raffinerie eine Tonne Rohöl in ihre verschiedenen Bestandteile zerlegt, entstehen nicht nur feste oder flüssige Produkte: Auch Gase landen auf dem Markt. Darunter Propan, das als Autogas eingesetzt wird. Wir kennen es aber auch vom Campingkocher oder als Brennstoff für Heißluftballons. Das ebenfalls gewonnene Butan kommt als Kältemittel, aber auch in Feuerzeugen und Schweißgeräten zum Einsatz. Gase machen knapp sechs Prozent der Produktion einer durchschnittlichen europäischen Raffinerie aus.

Schwefelkristalle

Schwefel, Paraffin, Petrolkoks und viele mehr
Nicht unter "ferner liefen" sollte man die Gruppe der Produkte notieren, die einzeln nur einen kleinen Teil der Produktion einer Raffinerie ausmachen. Denn auf den Märkten sind sie begehrt: Nebenprodukte sind unter anderem Schwefel, verschiedene Lösungsmittel, das bei Feuerspuckern beliebte Paraffin sowie Schmiermittel. Auch Petrolkoks entsteht bei der Verarbeitung von Rohöl – es wird in der Stahlindustrie und der Elektrodenherstellung verwendet. Zusammengefasst kommen die Nebenprodute auf knapp sieben Prozent der Produktion einer Raffinerie.

Handgranaten aus Konstantinopel

Naphtha
Mit ca. 60 Litern folgt gleich auf die Nebenprodukte ein Stoff, der schon vor Jahrhunderten von Bedeutung war: Naphtha, auch Rohbenzin genannt, wird hauptsächlich in der Petrochemie verwendet. Beispielsweise ist der Stoff wichtig für sorgenannte Steamcracker, in denen Ethylen und Propylen gewonnen wird. Diese chemischen Grundstoffe werden unter anderem für die Produktion von Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen verwendet. Somit spielt Naphtha eine Rolle in der Textilindustrie, in der Elektrotechnik, im Bauwesen, im Maschinen- und Fahrzeugbau und sogar in der Lebensmittelindustrie. Es kommt aber auch in der Pharmaindustrie zum Einsatz! In einigen slawischen Sprachen ist „nafta“ die Vokabel für Diesel. Im mittelalterlichen Byzanz (heutiges Istanbul) wurde Naphtha in primitiven Flammenwerfern und Brandgranaten eingesetzt.

Ein Straßenstück wird geeteert

Klebrig, klebrig, klebrig. Das sind seine wichtigsten Eigenschaften. Bitumen kommt hauptsächlich im Straßenbau zum Einsatz. Vermischt mit kleinen Steinchen entsteht so der Asphalt, den wir täglich befahren. Bitumen hat hier den krebserregenden Teer weitgehend ersetzt. Außerdem wird der schmierige Stoff zum Abdichten von Dächern verwendet. Mit etwas mehr als 30 Litern aus einer Tonne Rohöl landet Bitumen zwar ganz hinten auf unserer Liste. Aber auf unseren Straßen und Dächern möchten wir nicht darauf verzichten.