Börse Riad, Saudi Arabien
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Wo ist Jamal Kashoggi? Verschwundener Journalist macht Öl-Anleger nervös

Stand: 15.10.2018, 12:34 Uhr

Immer wenn es um Saudi-Arabien geht, geht es um Öl. Und wenn es beim Öl Bewegung gibt, werden die Anleger schnell nervös. So auch aktuell. Hintergrund ist das rätselhafte Verschwinden eines regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten.

Jamal Kashoggi wurde zuletzt am 2. Oktober gesehen - als eine Überwachungskamera filmte, wie er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat, um sich persönliche Papiere zu besorgen. Seitdem ist er verschwunden und niemand weiß, wo er ist und was genau passiert ist.

Die türkische Polizei geht davon aus, dass er im Konsulat ermordet wurde und türkische regierungsnahe Blätter berichten darüber, dass die Apple Watch von Kashoggi angeblich seine Exekution aufgenommen und weitergeleitet hat.

Börse Riad, Saudi Arabien

Börse Riad, Saudi Arabien. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Eigentlich waschechter Thrillerstoff, den sich ein Daniel Silva nicht brisanter hätte ausdenken können. Mit ungeahnten Konsequenzen allerdings für die weltweiten Ölpreise und zumindest auch für die saudi-arabische Börse Tadawul in Riad. Dort fährt der lokale Leitindex, der Tadawul All Share-Index, seit der Eskalation des Streits Achterbahn.

Donald Trump droht mit "schwerer Bestrafung"

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Vielleicht kommt sogar noch mehr, denn spätestens seit US-Präsident Donald Trump sich in die Kausa Kashoggi eingeschaltet hat, könnte das ganze strategische Politgerüst in der fragilen Weltreligion ins Wanken kommen. Trump drohte dem saudi-arabischen Königshaus, das die Macht im streng islamischen Land fest in der Hand hält, mit "einer schweren Bestrafung" für den Fall, dass der Mordauftrag für den Journalisten wirklich aus dem Palast gekommen sein sollte.

Die Antwort der Saudis kam prompt. Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete am Sonntag unter Berufung auf nicht näher genannte offizielle Quellen, dass jede Handlung gegen das Land "mit einer größeren Handlung" beantwortet werde.

Saudi-Arabien, eigentlich ein enger Verbündeter der USA, weil auch Erzfeind des Iran, gilt als wichtiger politischer Eckpfeiler der US-Politik. Denn nichts eint bekanntlich so sehr wie ein gemeinsamer Feind. In diese Einheit mit den USA könnten jetzt Risse kommen, denn staatlicher Auftragsmord ist für die US-Adminstration unter Trump untragbar.

Ölpreis zieht an

Kein Wunder also, dass bei dieser politischen Konstellation der Preis für das schwarze Gold wieder anzieht, nachdem er sich zuletzt von seinem Vierjahreshoch bei 85 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent entfernt hatte. Zumal das von den USA angekündigte Embargo gegen den Iran, der ebenfalls Mitglied im Opec-Kartell ist, im November in Kraft tritt und für eine Verknappung des Angebots auf dem Weltmarkt sorgen wird. Beim Öl geht es eben schon seit Rockefellers Zeiten (fast) immer um Politik.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,52
Differenz relativ
+0,56%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,69
Differenz relativ
+0,60%

Aktuell legt die Notierung 1,4 Prozent auf 81,25 Dollar je Fass zu. Auch die Notierung für die US-Leichtölsorte WTI legt gut 0,8 Prozent zu. Beide Sorten werden als Richtgröße für die weltweite Preisentwicklung genommen, obwohl Saudi-Arabien als einer der größten Ölproduzenten in der Opec natürlich sein eigenes Öl im Rahmen des Kartells auf den Markt bringt. Schon eine Ankündigung aus Riad genügt, um am Weltmarkt für Bewegung zu sorgen.

Fundamental keine höheren Preise gerechtfertigt

Opec-Flagge während eines Treffens in Wien

Opec-Flagge. | Bildquelle: picture alliance / Alexey Vitvitsky/Sputnik/dpa

In diese aufgeheizte politische Diskussion hinein hat die Weltenergieagentur IEA ihre Prognose für den Bedarf an Opec-Öl im Jahr 2019 gesenkt. Grund hierfür sei ein stärker steigendes Nicht-Opec-Angebot und eine schwächer steigende weltweite Nachfrage, so die IEA weiter.

Dies sollte nach Ansicht der Commerzbank den Ruf nach höheren Preisen in Richtung 100 Dollar je Fass verstummen lassen - solange der Streit mit Saudi-Arabien eben nicht eskaliert. Die Opec könnte daher bei ihrer Sitzung am 6. Dezember sogar über eine Kürzung der Fördermenge nachdenken müssen.

"Wir fühlen uns in unserer Prognose eines fallenden Ölpreises im nächsten Jahr bestätigt", so die Commerzbank-Experten weiter. Für ein Happy-End würde nur noch eins fehlen: Das Jamal Kashoggi wieder auftaucht. Bisher aber hat die saudische Seite keine Beweise vorgelegt, dass er das Konsulat in Istanbul wieder lebend verlassen hat.

Dann könnte auch die prestigeträchtige Wirtschaftskonferenz des ambitionierten saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ein Erfolg werden. Bisher jedenfalls stehen die Sterne ungünstig für das Treffen. So hat mit JPMorgan-Chef Jamie Dimon bereits ein prominenter Teilnehmer seine Teilnahme abgesagt. IWF-Chefin Christine Lagarde will hingegen (noch) kommen. Für Spannung im Ölthriller ist also weiter gesorgt.

rm