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Ölpreis unverändert Trumps Iran-Sanktionen lassen Ölmarkt kalt

Stand: 05.11.2018, 11:29 Uhr

US-Präsident Trump will Irans Ölhahn zudrehen. Die neuen Sanktionen sind mittlerweile in Kraft getreten, aber noch bleiben die Anleger am Ölmarkt gelassen. Das könnte sich ändern, aber einer dürfte frohlocken: Wladimir Putin.

Bislang bleibt der Ölmarkt ziemlich unbeeindruckt. Der Ölpreis hat sich trotz der neuen Sanktionen kaum verändert. Tendenziell gingen die Notierungen sogar eher nach unten, was auch mit den aktuellen Sorgen um die Weltkonjunktur zusammenhängen mag. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 72,54 US-Dollar. Das waren 29 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 33 Cent auf 62,82 Dollar. Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat bereits angekündigt, „die neuen Strafmaßnahmen der USA mit Stolz zu umgehen“.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
64,15
Differenz relativ
-3,46%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
57,37
Differenz relativ
-3,71%

Keine Regel ohne Ausnahmen

Das Ausbleiben einer direkten Reaktion hängt unter anderem damit zusammen, dass  die Märkte lange Zeit hatten, sich auf die Sanktionen einzustellen. Anleger haben sich zuvor bereits mit Öl eingedeckt. Anfang Oktober war der Ölpreis auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen. In einem Gespräch mit „Euro am Sonntag“ meint der CEO des Ölzulieferkonzerns Schoeller-Bleckmann, Gerald Grohmann: „Die Sanktionen sind bei der aktuellen Notierung bereits eingepreist.“ Außerdem komme es nicht zu einem kompletten Ausfuhrstopp, da Länder wie China weiterhin Öl aus dem Iran beziehen würden.

In der Tat: Die USA will acht Ländern erlauben, weiterhin Rohöl vom Iran zu beziehen. Darunter sollen sich Medienberichten zufolge Großkunden wie China, Japan oder Indien befinden.

Hassan Rouhani, Präsident Iran

Hassan Rouhani . | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Wie tief sinken die Exporte?

Zuverlässige Zahlen sind auf dem Ölmarkt schwer erhältlich, und die Angaben differieren zum Teil erheblich. Fachleute sind sich aber sicher, dass Irans Ölexporte stark eingebrochen sind. Einige Experten sprechen von einem Rückgang von 2,5 Millionen Barrel pro Tag im April auf 1,6 Millionen im September. Laut "Wall Street Journal", das allerdings andere Zahlen zugrundelegt, büße der Iran monatlich rund eine Milliarde Dollar ein.

Ziel der US-Regierung ist es nach eigenen Angaben, die Exporte auf Null zu drücken. Je erfolgreicher die Sanktionen sind, desto stärker könnte sich ein wohl ungewollter Nebeneffekt auswirken: Um den Ausfall der iranischen Produktion, des drittgrößten Opec-Ölproduzenten, auszugleichen, könnte das Nicht-Opec-Mitglied Russland in die Bresche springen. Ausgerechnet Russland könnte also zu einem Profiteur der Sanktionen werden.

Der künftige Ölpreis wird vor allem davon abhängen, wie sehr Irans Exporte sinken werden - und wie erfolgreich andere Produzenten wie Saudi-Arabien und Russland in die Bresche springen können. Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank ist der Ansicht, dass Öl wegen der Sanktionen zum Jahresende knapp zu werden droht: „Dem Ölmarkt droht eine spürbare Angebotsverknappung im vierten Quartal.“ Gleichzeitig bestehe die Sorge, dass die Ölproduzenten nicht willens oder nicht in der Lage sind, diese Lücke zu schließen. Fritsch erwartet deshalb höhere Notierungen. Ab Anfang 2019 werde sich die Lage aber wieder entspannen.  

ts