US-Präsident Donald Trump

Ölpreise reagieren Ölpreisförderung à la Trump

Stand: 24.04.2020, 11:35 Uhr

Eines muss man Donald Trump lassen - er hat die Bedeutung der Kapitalmärkte verstanden. Nun hat der streitbare Politiker die Ölmärkte ins Visier genommen.

Ohne eine gut laufende Wirtschaft keine Wiederwahl. Da ist sich der amerikanische Präsident Donald Trump sicher. Und zur Wirtschaft gehört gerade in Amerika auch die Ölindustrie. Die geht gerade angesichts der starken Ölpreisverfalls seit dem Beginn der Corona-Pandemie am Stock.

Donald Trump braucht unbedingt höhere Ölpreise, um die Stimmung in Bundesstaaten wie Texas zu heben und den gewaltigen Verlust von Arbeitsplätzen der vergangenen Wochen zu stoppen.

Ölpreisfaktor Iran

Die Nachfrage kann Trump angesichts der Corona-Einschränkungen in fast allen Ländern und schwindender Lagerkapazitäten für das "schwarze Gold" nicht beeinflussen. Also hat es der Politiker nun offenbar auf das Angebot abgesehen. So lässt sich erklären, dass Trump sich der schwelenden Krise am Persischen Golf zuwendet. Er wies die US-Marine öffentlich an, iranische Schiffe zu zerstören, sollten sie sich amerikanischen Schiffen in den Weg stellen. Der Iran reagierte mit Gegendrohungen.

Die Beziehungen zwischen den USA und dem ölreichen Iran sind seit langem wegen des iranischen Atomprogramms und harter Sanktionen der Amerikaner stark belastet.

Zwar steht der Iran mit einer täglichen Förderung von vier Millionen Barrel (159 Liter) Erdöl nur für für rund vier Prozent der täglichen weltweiten Ölproduktion. Doch sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verschärfen, würde das die Ölmärkte mit Sicherheit nicht kalt lassen. Denn weniger Ölangebot bedeutet zumindest theoretisch höhere Preise.

Zum Wochenausklang können die zwei am meisten beachteten Ölsorten der Welt kurzzeitig von Trumps Zauber profitieren. Nordsee-Öl der Sorte Brent kletterte bis auf 22,67 Dollar, US-Öl der Sorte WTI bis auf 17,95 Dollar, bevor dann Gewinnmitnahmen einsetzen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,52
Differenz relativ
+1,22%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
48,24
Differenz relativ
+1,05%

Die Investoren haben die durchsichtige Strategie Trumps offenbar schnell durchschaut und sich erinnert, dass derzeit die Musik am Ölmarkt nicht beim immer noch viel zu hohen Angebot, sondern fast ausschließlich bei der Nachfrage spielt. Und die bleibt absehbar äußerst mau.

Bunkern, was das Zeug hält

Wie drastisch die Situation bei der Nachfrage ist, zeigt sich auch daran, dass mittlerweile so viel Öl wie selten zuvor auf Öltankern gelagert wird. Allein vor der Westküste der USA sollen Tanker derzeit 20 Millionen Barrel Rohöl durch die Gegend schippern, wie aus Zahlen des in Paris ansässigen Unternehmens Kpler hervorgeht. Das Unternehmen beobachtet die Seebewegungen dieser Tanker, um daraus Rückschlüsse für die Rohstoffmärkte zu ziehen. Weltweit soll sich ein Vielfaches dieser Ölmenge auf Tankern befinden.

ME/dpa