US-Präsident Donald Trump

Reserven aufstocken Trumps großes Herz für die Ölindustrie

Stand: 30.04.2020, 11:01 Uhr

Vor einigen Wochen schon hatte Donald Trump angekündigt, er werde tun was nötig ist, um die US-Ölindustrie zu schützen. Im Weißen Haus werden Pläne gemacht: Zunächst sollen die Reserven weiter aufgestockt werden. Mal sehen, was danach noch kommt.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, bald einen Plan zur Unterstützung der US-Ölgesellschaften zu veröffentlichen. "Wir untersuchen auch, wie wir zusätzlich mehrere hundert Millionen Barrel lagern könnten, also schauen wir uns viele verschiedene Optionen an", ergänzt Finanzminister Steven Mnuchin während eines Briefings im Weißen Haus über die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Ölindustrie.

Schon die Ankündigung hat den gewünschten Effekt: Der Ölpreis zieht an. Fehlende Lagerkapazitäten hatten jüngst sogar für einen negativen Ölpreis an den Terminmärkten gesorgt.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
42,95
Differenz relativ
+1,92%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,97
Differenz relativ
+2,57%

Pleitewelle befürchtet

Besorgniserregend sind auch die weiteren Folgen des billigen Öls: Der drastische Preisverfalls hat in den USA bereits zu den ersten Pleiten in der Fracking-Industrie geführt. Auf dem aktuellen Niveau der Ölnotierungen können die zum Teil hochverschuldeten Unternehmen nicht profitabel produzieren. Die Pleiten wiederum führen zu Kreditausfällen, die sich wiederum auf die finanzierenden Banken auswirken - und die Arbeitslosenstatistik: Es droht eine Abwärtsspirale.

Damit ist das Grundproblem natürlich immer noch virulent: Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit deutlich weniger globaler Nachfrage. Die Experten erwarten für das laufende Jahr einen Nachfrageeinbruch um neun Millionen Barrel am Tag auf den niedrigsten Stand seit 2012. Die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus hätten zu einem Einbruch der Transportbewegungen geführt, hieß es im globalen Energiebericht der Agentur.

Förderkürzung zeigt bislang kaum Wirkung

Am Markt für Rohöl hält deshalb die Unsicherheit an. Experten rechnen mit starken Preisschwankungen, denn der wegbrechenden Nachfrage steht ein viel zu hohes Angebot gegenüber. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Erdöl in die verbliebenen freien Lager fließt.

Fracking in Pennsylvania

Fracking in Pennsylvania. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Ende April angelaufene Förderkürzung führender Ölnationen konnte bisher nicht zu einer Stabilisierung beitragen. Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset, meint, es habe den Anschein, dass die vereinbarten Produktionseinschnitte trotz allem nicht massiv genug seien, um den starken Nachfragerückgang, der in den nächsten Monaten erwartet wird, auszugleichen.

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Aber wenn sich die Produzenten an das Abkommen hielten und die großen globalen Volkswirtschaften bis Anfang Juni ihre Shutdown-Maßnahmen zu lockern begonnen haben, sollte sich die Ölnachfrage allmählich wieder normalisieren, so der Experte. In diesem konstruktiven Szenario wäre es möglich, dass der Ölmarkt bis September 2020 wieder ins Gleichgewicht komme.

ts