Goldbarren und Euroscheine

Edelmetall steigt kaum Starker Euro trifft Gold-Anleger

von Notker Blechner

Stand: 25.01.2018, 09:29 Uhr

Der schwache Dollar treibt den Goldpreis in die Höhe. Am Morgen stieg das gelbe Edelmetall auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Europäer haben wenig davon. In Euro gerechnet bewegt sich der Goldpreis kaum.

Seit Wochen pendelt das Edelmetall in einer engen Spanne zwischen 1.060 und 1.100 Euro je Feinunze. Am Donnerstagmorgen kostet Gold 1.095 Euro – gerade mal elf Euro mehr als zu Jahresbeginn. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Goldpreis gar knapp drei Prozent an Wert eingebüßt.

Goldpreis auf Einjahres-Hoch - in Dollar

Ganz anders sieht es für Amerikaner und andere Nicht-Europäer aus, die Gold in Dollar kaufen. Hier hat sich der Preis je Feinunze seit Mitte Dezember um rund zehn Prozent verteuert. Am Donnerstag kletterte der Goldpreis auf 1.366 Dollar, den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Erklärung der meisten Gold-Experten ist einfach: Steigt der Dollar, fällt der Goldpreis - und umgekehrt, sagen sie. Der schwächere Dollar lässt das international in der US-Währung gehandelte Edelmetall für viele Anleger rechnerisch günstiger werden. Die Nachfrage außerhalb des Dollarraums steigt daher, was den Goldpreis treibt.

Fällt der Bitcoin, steigt der Goldpreis

Bitcoin in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Wie stark die Bitcoin-Turbulenzen die Goldnachfrage beeinflussen, lässt sich schwer beurteilen. Nach Einschätzung von Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst der Commerzbank, war der Bitcoin ein Grund für den fallenden Goldpreis im ersten Halbjahr 2017. In der zweiten Jahreshälfte sah es dann anders aus. Laut Weinberg könne man inzwischen schon fast sagen: Fällt der Bitcoin-Kurs, steigt der Goldpreis. Der Commerzbank-Analyst rechnet damit, dass das gelbe Edelmetall zum Jahresende um 1350 Dollar je Feinunze kostet.

Tatsächlich berichten deutsche Goldhändler von einem spürbaren Interesse der Bitcoin-Anleger, ihr "digitales" Gold in echtes physisches Gold einzutauschen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag schreibt, hat sich zum Beispiel beim Frankfurter Goldhandelshaus Coininvest der Absatz von Goldmünzen seit den Bitcoin-Turbulenzen zeitweise verfünffacht. Auch bei Pro Aurum heißt es, die Umschichtung von Bitcoin in Gold treibe die Nachfrage.

Die meisten Experten sind skeptisch

Gold galt lange Zeit als "Krisenwährung" und "sicherer Hafen". Zuletzt aber hielt sich die Flucht in das gelbe Edelmetall in Grenzen – trotz Nordkorea-Konflikt und geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Für das laufende Jahr rechnen die meisten Experten mit einem Rückgang des Goldpreises auf 1.250 Dollar. Zu den wenigen Gold-Optimisten zählt Vermögensverwalter Bert Flossbach. Er rechnet in absehbarer Zeit mit neuen Höchstständen beim Goldpreis.

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