Schwarzes Ölfass und Dollarzeichen

Verkehrte Rohstoffwelt Spritpreis läuft Ölpreis davon

Stand: 05.07.2019, 14:55 Uhr

Schlechte Nachrichten für Öl-Investoren und gleichzeitig für Autofahrer? Das geht, wie die jüngste Entwicklung an den Rohstoffmärkten und an den Zapfsäulen zeigt. Der Benzinpreis könnte in den kommenden Wochen weiter steigen, obwohl die Öl-Notierungen unter Druck bleiben.

Die Ölpreise steuern in der laufenden Woche auf ein Minus zu. Öl der Sorte Brent kostet je Barrel derzeit 63,30 Dollar, bei der US-Sorte WTI ging es in den vergangenen Tagen auf jetzt 56,80 Dollar zurück.

Für den tendenziellen Rückgang der Ölpreise gibt es mehrere Gründe. Eine Reihe schwacher Konjunkturdaten aus den USA und Europa sorgen für Konjunkturpessimismus. Auch in China holpert die Wirtschaft, der Handelsstreit wirkte sich zuletzt auch auf die Stimmung der Einkaufsmanager aus. Eine schwächelnde Konjunktur ist stets mit sinkenden Ölpreisen verbunden, weil der Energiehunger der Industrie mit der Wirtschaftsleistung sinkt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,45
Differenz relativ
-0,15%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,32
Differenz relativ
+0,02%

Verabeitungskapazitäten als Flaschenhals

Zudem ging in den USA zuletzt die Benzinnachfrage zurück, wie das US-Energieministerium meldete. Warum also erwarten viele Experten dennoch steigende Preise an den Tankstellen, und das über die USA hinaus? Der Grund ist ganz praktischer Natur: Die Commerzbank hat in einer aktuellen Studie ermittelt, dass nach der Schließung der größten Raffinerie an der US-Ostküste wegen eines Großbrandes und einer Explosion Verarbeitungskapazitäten von 335.000 Barrel pro Tag fehlen.

Dies hatte insbesondere für Benzin beträchtliche Auswirkungen. Denn auf den Ostküstendistrikt entfallen etwas mehr als ein Drittel der US-Benzinnachfrage und mehr als 70 Prozent der US-Benzinimporte. Damit sinken in der Konsequenz die US-Benzinexporte. Gut möglich, dass der hohe Benzindurst in den USA sogar durch Importe aus Europa gestillt werden muss.

Öl fließt von Europa in die USA

Wohl auch deshalb sind die ARA-Benzinvorräte (also die Lager in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen) in der laufenden Woche um fast zehn Prozent gefallen. Abflüsse von Benzin aus Europa in die USA haben aber tendenziell einen entsprechenden Effekt auf die Tankrechnung hierzulande: Sie steigt.

AB