Ölwirtschaft

Nächtliche Tankstelle

Spritbeschau Wer was am Benzin verdient

Stand: 26.08.2015, 14:22 Uhr

Steigen die Preise an den Zapfsäulen, wird oft auf den Ölmarkt verwiesen. Doch der allein macht noch keinen Benzinpreis.

Den Löwenanteil am Spritpreis bekommt der Staat. Die Abgaben an den Bund setzen sich aus der Mehrwertsteuer und der Energiesteuer zusammen. Allein die Energiesteuer bringt dem Staat jährlich rund 40 Milliarden Euro.

Außerdem kommt der sogenannte Erdölbevorratungsbeitrag hinzu: Deutschland verfügt für den Fall eines totalen Versorgungseinbruchs über Erdölvorräte für etwa drei Monate. Die Kosten dafür sind im Spritpreis enthalten.

Bei einem Literpreis von 1,40 Euro belaufen sich die Abgaben an den Staat auf rund 88 Cent pro Liter: 65,4 Cent Energiesteuer-Festbetrag, 22,4 Cent Mehrwertsteuer und 0,27 Cent für die Sicherheitsreserve. Mit den verbleibenden 52 Cent pro Liter bezahlen Sie das eigentliche Produkt. Aber wie setzen die sich zusammen?

Grafik: Zusammensetzung des Benzinpreises

Zusammensetzung des Benzinpreises. | Bildquelle: MWV, Grafik: boerse.ARD.de

Internationale Märkte

Ganz am Anfang steht das Rohöl. Sein Preis wird als Indikator für steigende oder fallende Benzinpreise verwendet. Das schwarze Gold wird in Europa in Rotterdam gehandelt. International sind die New York Mercantile Exchange (NYMEX) in New York und die International Exchange (ICE) in London bedeutsam. Für Deutschland ist die Ölsorte Brent am wichtigsten, eine große Rolle spielt aber auch die weltweit bestimmende Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI). Da der Markt international ist, wird in Dollar gehandelt – ist der Euro schwach, steigen bei uns die Spritpreise entsprechend. In unserem Beispiel hat der Liter Rohöl 40 Cent gekostet.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
71,68
Differenz relativ
+0,68%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
65,71
Differenz relativ
+0,52%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
1,1425
Differenz relativ
-0,11%

Was vom Öle übrigblieb

Da Rohöl unbehandelt nur schlecht als Sprit taugt, muss es noch in einer Raffinerie aufbereitet werden. Die Raffinerie spaltet den Rohstoff bei bis zu 350 Grad in seine Bestandteile auf. So entstehen aus einer Tonne Rohöl etwa 200 Liter Benzin, 390 Liter Diesel und andere Produkte wie Bitumen oder Schweröl. Mehr dazu in unserem Beitrag „Was steckt im Öl“.

Für den Preisunterschied zwischen Rohöl und Benzin spielen also auch die Kosten der Raffinerien eine Rolle. Die Angaben darüber schwanken zwischen einem bis fünf Cent pro Liter. Das fertige Benzin wird unabhängig vom Öl gehandelt. Zusätzlich spielt der lokale Wettbewerb beim endgültigen Spritpreis eine Rolle.

Ein Cent pro Liter

Kostet das Benzin am Markt in unserem Beispiel 44 Cent pro Liter, bleiben den Konzernen noch acht Cent übrig: Der sogenannte Deckungsbeitrag. Hiervon müssen unter anderem Transport, Verwaltung und der Vertrieb selbst – also beispielsweise die Tankstellen – finanziert werden. Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband gibt Gewinnmargen von etwa einem Cent pro Liter an.

Fehlt noch die Tankstelle selbst. Die kann entweder frei – zum Beispiel als Mitglied beim bft - oder Teil eines der Konzerne sein. Egal wie, sie ist von den Preisen an der Börse und den regionalen Angeboten von Raffinerien und Händlern abhängig. Dem Betreiber bleibt pro Liter ebenfalls rund ein Cent Gewinnspanne. Deswegen findet sich in den meisten Stationen auch ein Shop für den schnellen Einkauf unterwegs – nur so lässt sich das Geschäft finanzieren.

FW

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