Krügerrand Silber

Gold-Silber-Ratio Silber: Kleiner Bruder ganz groß?

Stand: 16.09.2019, 16:20 Uhr

Die unruhigen Zeiten in der Weltwirtschaft beflügeln den Goldpreis. Aber auch Silber hat eine Rally hinter sich. Oft steht das Edelmetall im Schatten des großen Bruders. Derzeit könnte es für Anleger aber der bessere Kauf sein.

Die "Antikrisen-Währung" Gold macht seinem Namen aktuell wieder alle Ehre. Rezessionsangst, Handelskrieg, Brexit, geopolitische Spannungen - nervöse Anleger greifen in diesen unsicheren Zeiten wieder zu beim gelben Edelmetall. In Euro gerechnet erreichte es Ende August einen historischen Höchststand. Auch am Montagmorgen verteuerte sich Gold nach den Angriffen auf saudische Ölanlagen zeitweise um 1,6 Prozent.

Was allerdings kaum beachtet wird bei der Anlegerflucht in Gold: Der Preis für Silber ist ebenfalls stark in die Höhe geklettert. Auch wenn er in den vergangenen Tagen wieder etwas absackte, bewegt er sich mit fast 18 Dollar pro Feinunze inzwischen wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren - ein wahres Comeback.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Von Anfang des Jahres bis zum Zwei-Jahres-Hoch in diesem Monat rauschte der Silberpreis um 26 Prozent nach oben, allein zwischen Ende Juni und Anfang September um mehr als 20 Prozent. Gold legte in dieser Zeit "nur" um knapp zehn Prozent zu.

Preisverhältnis extrem hoch

Ist Silber derzeit also vielleicht das bessere Gold? Experten verweisen auf das Preisverhältnis zwischen den beiden Edelmetallen. Der Wert der unter Kennern viel beachteten Gold-Silber-Ratio liegt derzeit bei rund 84 und damit im historischen Vergleich sehr hoch. Die Gold-Silber-Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber nötig sind, um eine Unze Gold zu kaufen. Wenn das Verhältnis in der Vergangenheit so stark stieg, rutschte es in der Folge stets wieder ab. Denn der Silberpreis stieg schneller als der Goldpreis.

Auch wenn die Gold-Silber-Ratio zuletzt in der Spitze bei 93 notierte und seitdem sank: Silber könnte weiter unterbewertet sein im Vergleich zum großen Bruder. Der langfristige Durchschnitt beträgt schließlich etwas mehr als 60. Marktbeobachter rechnen damit, dass die Outperformance anhält und noch Luft nach oben ist.

Anstieg "bis 50 Dollar je Unze oder höher"?

"Sollte die Hausse an den Edelmetallmärkten anhalten, dürfte der Silberpreis den Goldpreis auch dieses Mal weit in den Schatten stellen", sagte Fondsmanager Martin Siegel dem "Manager Magazin". Die Ratio dürfte dann "deutlich sinken".

Viele Anleger kauften beide Metalle. Aber: Silber werde deutlich weniger produziert, was zu steigenden Preisen führe.

Silbermine. | Bildquelle: picture alliance / Ye Lijuan/Imaginechina/dpa

Vermögensverwalter Rainer Beckmann geht sogar noch einen Schritt weiter. Anleger sollten zwar beachten, dass beim Kauf von Silber in physischer Form wie Münzen eine Mehrwertsteuer anfällt - im Gegensatz zum Goldkauf. "Das stört mich beim derzeitigen Preis von rund 18 Dollar je Unze aber nicht, denn ich gehe davon aus, dass er durchaus wieder bis 50 Dollar je Unze oder höher steigen kann", erklärte Beckmann im Interview mit der "Welt". Dafür spreche, dass viele der großen Minen die Spitze der Förderleistungen überschritten hätten.

Profis wetten weiter auf Rally

Zudem können Anleger in die Wertentwicklung von Silber investieren. Mit Futures, also Terminkontrakten, wetten sie auf steigende oder fallende Kurse. Seit Ende Mai haben die spekulativen Marktakteure ihre Positionen um fast 86.000 Futures erhöht.

Zuletzt sind die Spekulanten optimistischer geworden. Zum dritten Mal in Folge gab es laut aktuellem Commitment of Traders Report (CoT) der US-Aufsichtsbehörde CFTC einen Zuwachs bei den kumulierten Netto-Long-Positionen. Die Investoren stockten ihre Wetten um 3,7 Prozent auf. Mit anderen Worten: Auch die Profis setzen weiterhin auf eine Silberhausse.

Steigendes Risiko

Dennoch ist der Kauf des Edelmetalls mit Vorsicht zu genießen. Silber wird in der Industrie verwendet, die Preisbildung hängt also auch von der Konjunktur ab. Sollte sich die Stimmung in der Wirtschaft weiter eintrüben, könnte das eine sinkende Nachfrage bedeuten. Die fundamentale Situation am Silbermarkt unterliegt einem gewissen Risiko.

Auch ansonsten verläuft der Silberpreis häufig volatiler als der Goldpreis. Dazu kommt, dass sich aktuell große Mengen an Silber im Umlauf befinden. Der Betreiber der US-Warenterminbörse Comex hatte bereits Anfang September die erforderlichen Sicherheitsleistungen im Handel mit Silber-Futures um 19,5 Prozent erhöht. Die Kosten für einen Handel werden in der Regel angehoben, wenn die Volatilität zunimmt.

tb