Öltanker

Willkommen im Kapitalismus Shell will Öl auf Tankern bunkern

Stand: 12.03.2020, 10:32 Uhr

Billig kaufen, teuer verkaufen: Der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch Shell will vom günstigen Ölpreis profitieren und plant schwimmende Öl-Lager, wie Insider berichten. Verkauft werden soll, wenn der Preis wieder steigt.

Shell befinde sich in Gesprächen, mindestens drei sehr große Rohöltransporter (VLCC) zu chartern, die rund sechs Millionen Barrel Rohöl lagern könnten, sagten mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern habe die Schiffe vorläufig für mindestens drei Monate gebucht, die Buchung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Es wären die ersten Tanker, die nach dem jüngsten Einbruch der Ölpreise als schwimmende Lager verwendet würden. Eine Shell-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
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-1,82%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Monat
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-0,61%

Der Ölpreis ist eingebrochen

Die Idee dahinter ist simpel: Nach dem Aus der Gespräche zwischen den Opec-Ländern und Russland über eine Förderdrosselung waren die Ölpreise zum Wochenanfang abgestürzt, denn Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten eine Aufstockung ihrer Förderkapazitäten angekündigt. Es war der größte Einbruch seit Januar 1991 zu Beginn des ersten Golfkrieges.

Hinzu kommt, dass nach Einschätzung der Opec die weltweite Nachfrage nach Rohöl im Jahr 2020 auch wegen der Coronavirus-Krise praktisch stagnieren wird.

Eine Flut von Rohöl auf den globalen Spotmärkten drückt nun den Preis für Öl zur sofortigen Lieferung unter den von langfristigen Lieferkontrakten, was am Terminmarkt Contango genannt wird. Das macht es rentabler, billiges Öl an Bord zu lagern und es später zu höheren Preisen zu verkaufen.

Die Ergebnisprognosen purzeln

Für Ölkonzerne wie Shell bedeutet ein sinkender Ölpreis auch niedrigere Gewinnerwartungen. Michele della Vigna, Rohstoffanalyst bei Goldman Sachs, hat deshalb seine Ergebnisschätzungen (EPS) für die sogenannten "EU Big Oils" für die Jahre 2020/2021/2022 um durchschnittlich 77/39/17 Prozent heruntergeschraubt.

Shell kann derzeit jeden Dollar gebrauchen: Die zuvor bereits weltweit gesunkenen Gas- und Ölpreise hatten schon das Ergebnis des vierten Quartals belastet. Und im Gesamtjahr 2019 war der Gewinn um 23 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar gesunken.

ts