Gold-Chart abwärts
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Auch saisonal schwach Schwere Zeiten für Gold-Bullen

Stand: 11.12.2017, 11:50 Uhr

Einen "Goldrausch" gibt es derzeit nur für die Computerwährung Bitcoin. Das gelbe Edelmetall selbst ist bei den Investoren derzeit wenig beliebt. Der Preis steht so tief wie zuletzt im Sommer. Was sind die Gründe?

Markttechniker dürften beim Blick auf den Gold-Chart derzeit gewarnt sein. Nach einer Seitwärtsperiode wurde spätestens mit dem jüngsten Fall der Notierung unter die bei aktuell 1.266 Dollar verlaufende 200-Tage-Linie eine wichtige Unterstützungsmarke gerissen. An der New Yorker Rohstoffbörse Comex hätten Hedgefonds ihre Positionen im Gold-Future nach unten aufgelöst, heißt es aus Händlerkreisen.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Noch schwächer sieht es derzeit beim Blick auf den Goldchart in Euro aus, wo der starke Dollar seine Spuren hinterlässt. Mit derzeit 1.060 Euro kostet die Feinunze etwa so viele wie im August. Ein weiteres Absacken würde für neue Zwei-Jahres-Tiefststände sorgen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Aktuell geht es auf 1.250 Dollar bergab, nachdem Ende November ein Versuch gescheitert war, wieder das Zwischenhoch aus dem Oktober von etwas über 1.300 Dollar je Feinunze zu erreichen. Damit ist die Goldnotierung so schwach wie seit vier Monaten nicht mehr.

Insgesamt sind für einen Dollar-Investor die vergangenen zwölf Monate aber trotzdem nicht schlecht gelaufen. Denn spätestens seit Jahresanfang ist es bei Niveaus um 1.125 Dollar kräftig nach oben gegangen, ehe dann die Korrektur einsetzte.

Auch das Schwestermetall Silber ist derzeit übrigens wenig gefragt und weist einen ähnlichen Chartverlauf aus. Allerdings mit noch stärkeren Ausschlägen nach unten in Richtung des Jahrestiefs im Juli bei 15,62 Dollar je Feinunze. Aktuell notiert Silber bei 15,86 Dollar.

Gegen den saisonalen Trend

Goldbullen müssen sich aber auch aus einem anderen, vielleicht sogar schwerwiegenderen Grund sorgen. Die über 30 Jahre ermittelte Saisonalität für das gelbe Metall scheint nämlich in diesem Jahr auch nicht wie gewünscht zu verlaufen. Der Preisverfall fällt ausgerechnet in die saisonal stärkste Phase des Goldes zum Jahresende.

Chart Gold saisonal 30 Jahre

Gold saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: Seasonal Charts Dimitri Speck, Grafik: boerse.ARD.de

Fundamental wenig Neues

Zugegeben, das Gold hat es angesichts boomender Kryptowährungen, niedriger Volatilitäten an den Börsen sowie dem Zinserhöhungszyklus in den USA zur Zeit fundamental schwer.

Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington

US-Notenbank Fed in Washington. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kein Zweifel dürfte daran bestehen, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins Mitte der Woche weiter auf 1,25 bis 1,5 Prozent anheben wird. Das macht den Erzrivalen des zinslosen Goldes, die US-Treasuries, attraktiver. Zehnjährige Laufzeiten der Staatsschulden rentieren derzeit mit 2,38, 30-jährige mit 2,77 Prozent - Niveaus, die zwar historisch weiter niedrig sind, von denen Investoren in Europa aber derzeit nur träumen können.

Noch immer sind zudem die führenden Notenbanken der westlichen Welt damit beschäftigt, mehr Inflation zu erzeugen, was allerdings ein zähes Unterfangen ist. Das Ausbleiben der "offiziellen" Inflation ist bekanntlich Gift für Gold, das immer auch als Schutz vor der Geldentwertung gehortet wurde. Deutsche Anleger sind übrigens besonders fleißige Investoren in die Krisenwährung Gold.

Anscheinend helfen auch die zuletzt krisenhaften Entwicklungen in Nordkorea und dem Nahen Osten dem Preis nicht auf die Sprünge. Die Weltbörsen bleiben trotz Raketenversuchen und drohendem atomarem Konflikt unbeirrt im Rekordrausch - und die Anleger relativ sorglos. Letzteres ist gut abzulesen an den bekannten Volatilitätsindizes wie dem VDax oder dem VIX, die auch als Krisenbarometer bekannt sind.

rm