Tesla 2020 Roadster
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Mehr als nur Lithium Rohstoffe für die schöne neue Auto-Welt

von von Angela Göpfert

Stand: 28.11.2017, 12:00 Uhr

Der Dieselskandal und die Elektroauto-Revolution fordern ihren Tribut. Die Nachfrage nach einigen Rohstoffen wird künftig massiv steigen. Zum Leidwesen der deutschen Industrie?

"Die Gefahr von Engpässen bei der Rohstoffversorgung steigt. Denn der Bedarf wächst schneller als die Kapazitäten bei der Förderung", warnte Matthias Wachter, Rohstoffexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), am Wochenende in einem Zeitungsinterview. Ohne eine ausreichende Versorgung beispielsweise mit Kobalt, Graphit, Lithium oder Mangan werde es keine Zukunftstechnologien "Made in Germany" geben.

"Das neue Öl"

Harte Worte – doch ist die Situation wirklich so dramatisch? Fakt ist: Die Elektro-Autorevolution sorgt heute schon für Verwerfungen an den Rohstoffmärkten. Vor allem das chemische Element Lithium steht dabei im Mittelpunkt des Interesses, spielt es doch eine entscheidende Rolle bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, mit denen die Elektro- und Hybrid-Autos bestückt sind.

Jährliche Verkäufe von E-Autos

Die jährlichen Verkäufe von Elektro-Autos sollen 2030 die Marke von 24,4 Millionen passieren. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Lithium gilt als "das neue Öl". Laut der HSH Nordbank dürfte die weltweite Nachfrage bis zum Jahr 2025 auf jährlich 500.000 Tonnen steigen. Zum Vergleich: 2016 hatte die globale Lithium-Produktion gerade einmal 40.000 Tonnen betragen.

Starke Preismacht der Produzenten

Diese tektonischen Verschiebungen spiegeln sich auch an der Börse wider, an der bekanntermaßen die Zukunft gehandelt wird. Die Preise für Lithium und Kobalt haben sich seit Anfang 2016 mehr als verdoppelt. Die Aktie des weltgrößten Lithium-Produzenten Albemarle schoss binnen zwei Jahren sogar mehr als 150 Prozent in die Höhe.

Experten schätzen, dass Albemarle rund ein Drittel des weltweiten Lithium-Geschäfts kontrolliert, die gesamte Lithium-Produktion liegt in der Hand von nur vier Unternehmen. Dementsprechend groß ist die Preismacht der Konzerne. Und sie dürfte angesichts der explodierenden Lithium-Nachfrage künftig noch steigen. Die Ängste der deutschen Industrie, dass ihnen die Produzenten künftig die Preise diktieren könnten, scheinen vor diesem Hintergrund durchaus gerechtfertigt.

Salar de Uyuni, in Bolivien - größtes Lithium-Feld der Welt

Die hohe Nachfrage nach Lithium macht Salzseen wie den Salar de Uyuni in Bolivien zu Goldgruben. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bauchplatscher von VW

Dass sich die Machtverhältnisse zwischen Produzenten und Abnehmern langfristig umkehren, zeigt auch ein aktuelles Beispiel aus dem Hause VW: Die Wolfsburger wollten sich im Oktober einen Liefervertrag für Kobalt über mindestens fünf Jahre zur Realisierung ihrer Elektroauto-Offensive "Roadmap E" sichern, waren damit aber spektakulär gescheitert.

Laut einem Insider wollte kein Produzent jetzt schon Kobaltpreise für solch lange Zeiträume festlegen. Bloomberg New Energy Finance schätzt, dass die Kobalt-Nachfrage bis 2030 um mehr als das 100-Fache ansteigen könnte.

Nickel, der heimliche Gewinner?

Während Lithium und Kobalt aktuell im Mittelpunkt des medialen Interesses stehen, gilt Nickel vielen Branchenkennern als der heimliche Gewinner der Elektroauto-Revolution.

»Unsere Batterien sollten eigentlich Nickel-Graphit-Batterien heißen, denn die positive Elektrode besteht aus Nickel und die negative Elektrode aus Graphit.«

Elon Musk, Gründer und Chef von Tesla

Tatsächlich ist Nickel rein massemäßig der mit Abstand wichtigste Bestandteil der positiven Elektrode einer Tesla-Batterie. Auch andere Hersteller wollen künftig mehr Nickel einsetzen, darunter Chevrolet. Der Chevy Bolt ist derzeit eines der am häufigsten verkauften Elektroautos.

Prognosen zum jährlichen Nickel-Bedarf von Elektro-Autos im Jahr 2025

Die Prognosen der Experten über den künftigen Nickelbedarf gehen weit auseinander. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Dieselskandal – Sonderkonjunktur für Palladium

Abgase aus einem PKW-Auspuff

Der lange Schatten des Dieselskandals ist auch an den Rohstoffmärkten sichtbar. | Bildquelle: dpa-Zentralbild

Als Verlierer der Elektroautorevolution unter den Rohstoffen dürften sich dagegen die Edelmetalle Palladium und Platin entpuppen. Denn einen Katalysator gibt es im Elektroauto nicht. Aktuell erfährt Palladium angesichts des Dieselskandals allerdings eine Sonderkonjunktur.

Das Edelmetall kommt ausschließlich in der Abgasreinigung von Benzinern zum Einsatz. Dagegen ist Platin, das vor allem in Dieselfahrzeugen Verwendung findet, kaum noch gefragt. Die Folge: Der Palladiumpreis schnellte seit Jahresbeginn um 46 Prozent empor. Aktuell kostet Palladium sogar mehr als Platin – ein solcher Fall ist in der Geschichte bislang nur selten aufgetreten, zuletzt 2001.

Die schöne neue Auto-Welt – an den Rohstoffmärkten nimmt sie heute schon sehr konkrete Züge an.

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Die Profiteure des Nickel-Booms Den Elektroautos sei Dank

<b>MMC Norilsk Nickel</b><br />Die russische Norilsk Nickel ist der weltweit größte Produzent von Nickel und Palladium und einer der größten Platin- und Kupfer-Produzenten. Das Unternehmen ist nicht nur in Russland, sondern auch an der Nasdaq gelistet. : Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum 1 Jahr

MMC Norilsk Nickel
Die russische Norilsk Nickel ist der weltweit größte Produzent von Nickel und Palladium und einer der größten Platin- und Kupfer-Produzenten. Das Unternehmen ist nicht nur in Russland, sondern auch an der Nasdaq gelistet.