Gold, Öl, Industriemetalle

Gold, Öl und Industriemetalle heiß begehrt Rohstoff-Hausse voraus

Stand: 26.01.2018, 15:55 Uhr

Mehrere Jahre lang haben sich Rohstoffe eher als Renditekiller im Depot betätigt. Doch seit einigen Monaten sind die Notierungen in Bewegung geraten. Experten halten es sogar für möglich, dass in diesem Jahr Rohstoffe den Aktienmärkten die Schau stehlen könnten.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold ist so teuer wie zuletzt Mitte 2016, beim Ölpreis muss man schon bis zum Jahr 2014 zurückschauen, um Notierungen von mehr als 70 Dollar je Barrel (Fass mit 159 Litern) der US-Sorte WTI zu finden. Auf Jahressicht ist der Goldpreis (in Dollar gerechnet) um rund zwölf Prozent gestiegen, der Ölpreis um 24 Prozent, also doppelt so stark.

Metalle mit strahlenden Charts

Deutlich im Aufwind befinden sich seit Mitte vergangenen Jahres auch die Preise für verschiedene Industriemetalle. Der Kupferpreis legte binnnen zwölf Monaten um 20 Prozent zu. Bei Palladium, das industriell bei der Produktion von Auto-Katalysatoren benötigt wird, ging es um 40 Prozent aufwärts. Noch erheblich schärfer ist der Boom bei einzelnen Metallen, die für die Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt werden. Lithium hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Bei Kobalt gab es im selben Zeitraum gar eine Zweieinhalbfachung.

Für die Preissprünge im Anlagesegment gibt es mehrere Gründe, die im laufenden Jahr nach Einschätzung von Experten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank weiter wirken dürften. Weinberg sieht den Goldpreis kurioserweise auch durch Umschichtungen von Bitcoin-Anlegern zurück in die "traditionelle" Krisenwährung, das gelbe Edelmetall, begründet.

Globaler Rohstoffhunger wächst

Vor allem zwei "klassische" Begründungen gibt es aber für den weiteren Rohstoff-Preisanstieg in den kommenden Monaten: Die globale Wirtschaft brummt 2018 wie selten; erst kürzlich hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Schätzung für das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 3,8 Prozent nach oben korrigiert. Mehr Wachstum bedeutet auch immer mehr Hunger nach Rohstoffen.

Ganz besonders hungrig dürfte die chinesische Wirtschaft sein. Eisenerz und Industriemetalle, die für die Stahlproduktion benötigt werden, Kupfer zum Aufbau der Infrastruktur, aber auch Treibstoff wie Diesel werden in dem Riesenreich in rauhen Mengen benötigt. Und den Großteil dieser Rohstoffe muss China auf dem Weltmarkt einkaufen.

Schwacher Dollar, starke Nachfrage

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Ein weiterer wichtiger Faktor für die gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen ist derzeit auch der gegenüber vielen anderen wichtigen Währungen chronisch schwache US-Dollar. Da aber die Rohstoffe an den großen Warenterminbörsen in der US-Währung gehandelt werden, bedeutet ein schwächerer Dollarkurs einen niedrigeren Preis in Euro, Yen oder Britischem Pfund für das jeweilige "Commodity". Ein günstigerer Preis lässt prompt die Nachfrage aus diesen Währungsräumen steigen, was - in Dollar gerechnet - wiederum zu einer steigenden Notierung führt.

Aktienmärkte werden zu heiß

Für das gestiegene Interesse gerade großer, institutioneller Investoren an der Asset-Klasse Rohstoffe hat zudem eine ganz andere Entwicklung gesorgt: Die Aktienmärkte erscheinen nach einer jahrelangen Hausse mit immer neuen Bestmarken inzwischen nicht mehr allzu attraktiv, Dax, Dow und Nikkei könnten ausgereizt, aus Sicht von Investoren inzwischen auch zu riskant geworden sein, da die Bewertungen auf den erreichten Kursniveaus nicht mehr "günstig" erscheinen. Rohstoffe erfüllen damit auch die Funktion einer Absicherung gegen Kursrückschläge auf dem Aktienmarkt. Traditionell korrelieren Rohstoffpreise nicht stark mit den Kursen von Aktien oder Anleihen.

Für den Privatanleger gibt es mehrere Möglichkeiten, an Preissteigerungen des Rohstoff-Marktes teilzuhaben. Aktienliebhaber werden etwa bei Bergbau-Konzernen, Explorateuren oder Zulieferern der Branche fündig. Entsprechende Fondsprodukte bieten die Möglichkeit, im Rohstoffsektor über mehrere Teilbranchen und Regionen hinweg zu diversifizieren.

Besonderheiten im Rohstoffmarkt

Über Zertifikate oder ETCs (Exchange Traded Commodities) lässt sich auch in die vielen börsengehandelten Rohstoffe direkt investieren. In beiden Fällen handelt es sich allerdings um Schuldverschreibungen eines Emittenten mit den entsprechenden Risiken. Nicht zuletzt sollten Anleger dabei beachten, das durch Eigenarten des Terminmarktes auch besondere Kosten entstehen. Da die Zertifikate und ETCs auf kurzlaufenden Terminkontrakten basieren, werden immer wieder Kosten für die Umschichtung auf Emittentenseite erforderlich, zudem kann durch einen Contango-Effekt ebenfalls die Rendite geschmälert werden.

Eine breite Streuung über das Universum der Rohstoffe ist leicht mit einem entsprechenden Indexfonds auf einen der renommierten Rohstoffindizes erreichbar. Dazu gehören etwa der CRB Thomson Reuters/CoreCommodity-Index oder auch der Rogers International Commodity Index. Dabei sollte sich der Anleger die Gewichtung der verschiedenen Rohstoffe genau anschauen. Wer etwa keine Agrarrohstoffe im Produkt haben möchte, wird zum Beispiel bei einem ETF auf den Commerzbank Commodity ex Agriculture fündig. Anlageexperten empfehlen einen Depotanteil von bis zu zehn Prozent für Rohstoffe in einem breit aufgestellten Portfolio (s. auch unsere Serie: Rohstoffe für 2018).

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Rohstoffe für 2018 Überblick

<b>Öl (WTI)</b><br />Mit knapp 70 Dollar je Barrel notiert der Ölpreis auf einem Drei-Jahres-Hoch. Die Nachfrage dank guten weltweiten Wachstums für den "Treibstoff der Weltwirtschaft" bleibt hoch. Gleichzeitig meldeten zuletzt vor allem die USA geringere Ölreserven. Und nicht zuletzt tut ein immer schwächerer Dollar ein Übriges, um die Preise weiter anzuschieben.: Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Jahr

Öl (WTI)
Mit knapp 70 Dollar je Barrel notiert der Ölpreis auf einem Drei-Jahres-Hoch. Die Nachfrage dank guten weltweiten Wachstums für den "Treibstoff der Weltwirtschaft" bleibt hoch. Gleichzeitig meldeten zuletzt vor allem die USA geringere Ölreserven. Und nicht zuletzt tut ein immer schwächerer Dollar ein Übriges, um die Preise weiter anzuschieben.

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