Zwei Palladium-Barren

Kursrally Palladium - wertvoller als Gold

Stand: 19.11.2019, 06:45 Uhr

Der Palladium-Preis ist binnen nur eines Jahres um rund 60 Prozent gestiegen und damit sogar deutlich teurer als Gold und Platin. Warum ist das so?

Auf den ersten Blick könnte man Palladium für Platin halten - oder auch für Silber. Alle drei Edelmetalle glänzen in Barren- oder Münzform silberfarben um die Wette. Doch beim Preis trennen Palladium und Platin und erst recht Silber inzwischen Welten.

Mit Preisen von zeitweise über 1.800 Dollar im laufenden Jahr hat sich Palladium in bisher nicht gesehene Höhe aufgeschwungen. Stand Palladium früher meistens im Schatten von Platin, kostet Platin derzeit nur rund die Hälfte von Palladium. Silber notiert sogar nur auf dem Niveau, das es schon vor 13 Jahren inne hatte.

Das vor etwa 200 Jahren von dem britischen Wissenschaftler William Hyde Wollaston entdeckte Edelmetall ist recht reaktionsfreudig und daher wie gemacht für die Abgasreinigung in Katalysatoren, wo giftige Schadstoffe in weniger schädliches Kohlendioxid und Wasserdampf umgewandelt werden.

Diesel verliert

Lange Zeit war Palladium viel billiger als Platin, das derzeit vor allem in der Abgasreinigung von Dieselmotoren eingesetzt wird. Doch seit dem beispiellosen Diesel-Betrug des Volkswagen-Konzerns haben die Selbstzünder-Motoren mit der Akzeptanz bei den Kunden zu kämpfen. So sank der Anteil der Dieselfahrzeuge am Gesamtabsatz in Deutschland allein von 2016 bis 2018 um rund 28 Prozent. Dem Platinpreis fiel in diesem Zeitraum von über 1.000 Dollar auf unter 800 Dollar.

Edelmetalle im Vergleich

Edelmetalle im Vergleich. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Benzin gewinnt

Von sinkenden Verkäufen der Dieselfahrzeuge profitierten die Benziner-Pkws. Von 2016 bis 2018 stieg in Deutschland der Absatz von Benzinern um knapp 23 Prozent.

Derzeit wird hauptsächlich Palladium zur Abgasreinigung von Benzinern eingesetzt. Das ist die Folge von Entscheidungen der Autoindustrie aus der Zeit, als Palladium noch billiger als Platin war.

Seit 2016 stieg der Palladium-Preis aber um das Dreieinhalbfache. Nun könnte die Autoindustrie wieder zurück auf Platin wechseln. Diese Entscheidung will aber gut überlegt sein. Kann es doch mehrere Jahre bis zur Umsetzung dauern. Und wer weiß schon, ob Platin nach einer möglichen Änderung nicht wieder teurer als Palladium ist?

Es ist nicht die Spekulation

Der Anstieg der Palladium-Notierungen auch zeitweilig mit einer höheren Spekulationsneigung an den Edelmetallmärkten einher. Doch es greift zu kurz, den Spekulanten die alleinige Verantwortung für den Preisanstieg zuzuweisen. Denn die höchste Spekulationsneigung in den vergangenen Jahren bestand laut der Daten der amerikanischen Terminbörsen Anfang 2018. Damals kostete eine Feinunze rund 1.100 Dollar. Seitdem ist der Preis um zeitweise 70 Prozent weiter geklettert. Heute liegt die Spekulationsneigung laut der offiziellen Börsendaten nur noch etwa halb so hoch wie Anfang 2018.

Es ist die Nachfrage

Somit ist der Anstieg wohl hauptsächlich der höheren Nachfrage aus der Automobilindustrie geschuldet. Und die dürfte nicht so schnell nachlassen. So feiert der Diesel zwar ein Comeback. Aber von den Zulassungszahlen der Vergangenheit ist er noch weit entfernt. Die Beliebtheit von Hybridfahrzeugen mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor entwickelt sich nach oben. Denn diese Autos werden fast immer mit einem Benzinmotor angetrieben - gut für Palladium.

Und auch bei Elektroautos wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis die Verkaufszahlen von Verbrenner-Fahrzeugen davon signifikant beeinflusst werden.

Somit können die derzeitigen Palladium-Notierungen fundamental begründet werden, zumal die Förderung des Edelmetalls in Zukunft auch nicht gerade einfacher werden dürfte. Denn weltweit gibt es kaum noch reine Palladium-Vorkommen. Vielmehr wird das meiste Palladium mittlerweile als Nebenprodukt der Förderung von Nickel- und Kupfererzen gewonnen.

Neue Anwendungen

Zu den wichtigsten Förderländern gehören Russland mit einem Anteil von 40 Prozent und Südafrika mit 36 Prozent. Auch Kanada und die USA produzieren das Edelmetall noch in nennenswertem Umfang.

Doch längerfristig dürfte bei der Palladium-Produktion kein Weg mehr an Südafrika vorbeiführen. Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) befinden sich dort 95 Prozent der weltweiten Vorräte.

Und diese werden dann wohl mehr wie bisher in erster Linie in die Automobilproduktion gehen. Die BGR hält es für möglich, dass Palladium künftig stärker bei Brennstoffzellen, bei Meerwasserentsalzungsanlagen, der Grundwasserreinigung und in der Krebstherapie eingesetzt werden könnte.

Die Nachfrage nach dem Edelmetall dürfte somit langfristig hoch bleiben.

ME