Palladium-Kristalle

Zwischen Diesel-Desaster und E-Autoboom Palladium - das neue Gold?

Stand: 14.06.2018, 11:28 Uhr

Palladium stellt Gold in den Schatten. Es hat sich zu einem der gefragtesten Metalle der Welt entwickelt, ein Effekt des Diesel-Desasters. Aber wie lange? Palladium ist auch ein Spielball der vielen Handelskonflikte. Und was ist erst, wenn das E-Auto aufdreht?

Palladium glänzt in Zeiten der Diesel-Krise. Im vorigen Jahr hat der Preis fast 40 Prozent an Wert gewonnen. Es war der Spitzenstar unter allen Rohstoffen. Anfang 2018 erzielte das Edelmetall sogar einen Rekordpreis von fast 1.140 Dollar und übersprang damit eine 17 Jahre alte Bestmarke. Dagegen ist das angebliche Krisenmetall Gold nur mäßig gefragt, obwohl es doch an Krisen nicht gerade mangelt.

Der Preistreiber für Palladium ist leicht ausgemacht: Es ist der Diesel-Skandal und seine Folgen. Palladium wird für Abgaskatalysatoren von Benzinmotoren gebraucht - und Benziner boomen inmitten der Diskussionen um Diesel-Fahrverbote in deutschen Innenstädten. Dagegen braucht man für Dieselmotoren eher Platin, entsprechend zugesetzt hat die Dieselkrise dessen Preis.

Streit zwischen USA und China

Dass es aber auch für Palladium mit den glänzenden Zeiten schnell vorbei sein kann, zeigte gerade die jüngste Entwicklung. Nach dem Rekordhoch im Januar ging es kräftig abwärts, bis April verlor das Edel- und Industriemetall ein Fünftel an Wert.

Die Angst vor einem langen Handelskrieg zwischen den USA und China belastete die Stimmung. Schließlich sind beide Länder gewaltige Abnehmer von Palladium, dank ihrer Autoindustrie. "Wenn sich diese zwei Staaten über gegenseitige Zölle im Automobilbereich streiten, dann steigt die Angst, dass sich die bis jetzt sehr starke Nachfrage abschwächen wird", erläuterte Jonathan Butler, Analyst bei Mitsubishi.

Sanktionen gegen Russland

Im April konnte Palladium dann schlagartig an Wert gewinnen. Auch hier ist der Auslöser wieder auf der großen politische Weltbühne zu finden. Diesmal stehen die USA und Russland im Mittelpunkt. Die USA verhängten am 6. April Sanktionen gegen den russischen Oligarchen Deripaska und seinen Konzern Rusal. Rusal ist ein Rohstoffgigant, einer der größten der Welt, einer der wichtigsten Lieferanten für Aluminium - und Palladium. Die Angst, dass im Zuge der Sanktionen das Palladiumangebot knapp wird und dann in der Industrie fehlt, trieb den Palladium-Preis wieder in die Höhe.

Allerdings lockerten die USA ihre Sanktionen schnell wieder, weil Rusal mit seinen Rohstoffen einfach zu viel Gewicht am Weltmarkt hat. Es drohten Engpässe und Lieferunterbrechungen in vielen Bereichen. Rusals Rohstoffe stecken in einer zu großen Zahl von Produkten - in Autos und Flugzeugen zum Beispiel. Und wenn die Rohstoffe zu teuer werden, werden auch die Produkte zu teuer. Da mussten die USA ihre harte Haltung doch wieder überdenken - und der Palladiumpreis fiel wieder zurück.

Wie geht es weiter mit Palladium?

Palladium profitiert zuletzt allerdings von der neuesten Entwicklung in China. Das Land senkte die Importsteuern auf Autos und Autoteile. "Sollten die niedrigeren Import-Steuersätze auf Autos und Autoteile zu einer höheren Produktion von Autos außerhalb Chinas und in China selbst führen, dürften hiervon auch Platin und Palladium profitieren", resümieren die Analysten der Commerzbank. Dann könnte sich das Edelmetall seinem Rekordhoch vom Januar wieder annähern. Ein Unsicherheitsfaktor sind gleichwohl die angedrohten Strafzölle der USA auf Autos.

Ein Belastungsfaktor, wenn auch ein ferner, ist der Vormarsch des E-Autos. Im E-Auto sind Katalysatoren, die den Schadstoffausstoß reduzieren, überflüssig. Entsprechend werden dort auch Edelmetalle wie Palladium überflüssig. Benziner bleiben aber vorerst noch die bevorzugte Wahl. Die Analysten der UBS erwarten, dass beim Palladium noch bis 2021 ein Angebotsdefizit bestehen bleibt.

bs